Der Neue Merker

BURGSTEINFURT BAGNO / Konzertgalerie: MOZART-KONZERT mit Edita Gruberova

Burgsteinfurt Bagno – Konzertgalerie: Mozart Konzert mit Editá Gruberova am 11. Mai 2013


Foto: Ulrich Coppel Münster

 „Auf den Knien zurück zu Mozart“ soll Artur Rubinstein nach erfolgreicher Karriere als Klaviervirtuose geäussert haben. Damit war wohl keine gymnastische Übung gemeint, sondern die Erkenntnis, wieviel musikalische Erfahrung es braucht, melodische, harmonische und rhythmische Nuancen der technisch manchmal einfach erscheinenden Musik Mozarts darzustellen.

Letzteres gilt nicht für die Arien aus Opern Mozarts, die die überall gefeierte Meisterin italienischer Sopran-Koloraturkunst, Edita Gruberová, in einem Konzert in der Bagno-Konzertgalerie zu Burgsteinfurt sang, nachdem sie längere Zeit keine Rollen Mozarts mehr auf der Bühne dargestellt hat. Begleitet wurde sie wie schon früher vom Kammerorchester l’arte del mondo, mit seinen gut zwanzig Musikern solistisch besetzt, unter seinem Leiter Werner Ehrhardt.

Letztere eröffneten das Konzert recht schwergewichtig mit Mozarts später g-moll Sinfonie KV 550, deren erster Satz zügig und mit schroffer Akzentuierung gespielt wurde. Danach stand im Andante folgerichtig das harte stampfende Motiv des Beginns im Vordergrund, leider nicht immer perfekt im Zusammenspiel, dann im noch so genannten „Menuetto“ wurden die scharfen Dissonanzen äusserst deutlich, auch dank der hervorragenden Akustik der Konzertgalerie bis in die letzte Reihe, die auch half, die kontrapunktischen und harmonischen Kühnheiten des letzten Satzes zu bewundern.

 Danach trat offenbar vom Publikum sehnlich erwartet und deshalb schon vorweg mit starkem Beifall begrüßt die Primadonna auf die Bühne und begann mit dem wohl schwierigsten Teil des Abends, aus der „Entführung aus dem Serail“ die beiden kurz aufeinander folgenden aber so gegensätzlichen Arien aus dem II. Akt. „Traurigkeit ward mir zum Lose“ passend zur vorigen Sinfonie in g-moll mit dem vorangestellten Rezitativ „Welcher Wechsel“. Verhalten begann sie die Arie, traf aber dann punktgenau das ohne vorherige Vorbereitung zu singende hohe b bei „weil ich dir entrissen bin“ Die „Seufzermotive“ sang sie mit ausdrucksvollem gut hörbarem p, wie auch den Triller zum Schluß. Die dann folgende berühmte „Marterarie“ zeigte zunächst im langen Vorspiel des Können der Solisten des Orchesters.

Dann konnte Edita Gruberová ihre schlagkräftige und für die Koloraturen und den grossen Stimmumfang immer noch passend bewegliche Stimme aufs schönste zeigen, das tiefe c bei „des Himmels Segen“ wurde nicht verschluckt und der Riesensprung dann zum hohen g bei „belohne“ und der folgende Triller gelangen ebenso wie die über mehrere Takte zu haltenden Töne und die Schlußstretta – bewundernswert, denn auch jüngere Kolleginnen treffen hier nicht jeden Spitzenton.

 Nach kurzer Pause, vom Orchester durch die Ouvertüre zum „Schauspieldirektor“ ausgefüllt, folgte wieder gegensätzlich zur vorigen Gesangsnummer die „Rosenarie“ der Susanna aus „Figaros Hochzeit“ „Deh vieni, non tadar“ mit dem vorangestellten Rezitativ „Giunse alfin il momento“ (Endlich nahet sich die Stunde),. Das Alter der jungen Braut Susanna hat Edita Gruverová wohl überschritten, dafür klang ihre Stimme jung und sie brachte auch das Doppelbödige zum Ausdruck, sie spricht ja ihren Figaro an, aber der soll glauben, es sei der versteckte Graf gemeint.

 Edita Gruberová schloß mit der zweiten Arie der Donna Anna direkt vor dem Finale des „Don Giovanni“ eingeleitet durch das Rezitativ „Crudele“ (Grausamer) dann „Non mi dir, bell’idol mio“(Sag nicht Geliebter, daß ich grausam bin) Hier gab der langsamere „Larghetto“-Teil nochmals Gelegenheit, mit der melodischen Wendung aus dem Rezitativ einfühlsames Mitleid durch Legato-Kantilene darzustellen, um dann im folgenden Allegretto mit Koloraturen bis zum hohen b und Trillern wie mit einer Art Stretta zu schliessen, natürlich mit etwas gebremster Emotion, denn sie will ja ihren Don Ottavio nur über eine gewisse Wartezeit bis zur Hochzeit hinwegtrösten.

Zwischen den beiden letzten Gesangsnummern deutete, vom Orchester gespielt, eine Gavotte aus „Idomeneo“ schon auf die Zugabe hin, der Arie der Eletta „D’Oreste d’Aiace“ (Von Orest, von Ajax). Glaubte man, viele Facetten des Mozart-Gesangs an diesem Abend schon gehört zu haben, so war diese Zugabe noch ein gewaltiger Höhepunkt. Wie eine wütende Furie klingend paßte sie sich der kurzatmigen Orchesterbegleitung mit entsprechend kurzen Einwürfen an, die Staccato-Abwärtsbewegung nach dem Anstieg der Singstimme bis zum hohen C haute einen einfach um.

Dieser Meinung war auch das Publikum in der ausverkauften Konzertgalerie und erzwang mit rhythmischem Applaus, Pfeifen, Bravarufen noch eine Wiederholung des letzten Teils der „Marterarie“ voll Bewunderung für die Sängerin, die stimmlich so verschiedenen Emotionen Ausdruck verliehen hatte, dank Wolfgang Amadé Mozart, der dafür musikalische Form gefunden hat. Seine Musik klingt natürlich im zu seiner Lebenszeit erbauten ältesten freistehenden Konzertsaal Europas besonders passend.


Foto: Ulrich Coppel Münster

Das Konzert soll bald auf CD veröffentlicht werden.

Fans von Edita Gruberová können die „Königin des Belcanto“ live ab März 2014 an der Hamburgischen Staatsoper in einer ihrer Paraderollen, der“ Lucretia Borgia“, in konzertanten Aufführungen von Donizettis gleichnamiger Oper erleben

 Sigi Brockmann

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