Der Neue Merker

BREGENZ/ Festspielhaus: MOSE IN EGITTO von G. Rossini. Premiere

2017.07.20   Bregenz/ Festspiele   „Mose in Egitto“

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Die zweite Premiere der Bregenzer Festspiele, Rossinis zu Unrecht selten gespielte Oper „Moses in Ägypten“ brachte der intendatin den am Vortag verwehrten Erfolg. Im Festspielhaus werden sinnvollerweise meist Opernraritäten zur Aufführung gebracht, die im normalen Opernalltag keinen Platz finden. Diesfalls ist es, wie erwähnt, unverständlich, denn das Werk enthält nicht nur einige schöne Arien, im typischen Rossini-Stil, mit allen Schwierigkeiten für die Sänger (vor allem dem Tenor), sondern auch packende, dramatische Szenen, die man bei diesem Komponisten selten hört. Vor allem der Schlussakt mit kann mit vielen prominenten Opern mithalten.

Die Inszenierung von Lotte de Beer erzählt, bestens unterstützt durch den Bühnenbildner Christof Hetzer (der auch für die Kostüme entwarf) die dramatische Geschichte der Flucht der Hebräer aus Ägypten, verbrämt durch eine Liebesgeschichte. Mithilfe einer Videoprojektionsfläche, einer riesigen Kugel, werden die Szenen illustriert.

Auch mit der musikalischen Umsetzung konnte man hochzufrieden sein. Den besten Eindruck bei den Solisten hinterließ Goran Juric als Mose. Mit großer Stimmgewalt sang er die Rolle des letztendlich erfolgreichen Führer seines Volkes. Sein kräftiger, ausdrucksvoller Bass dominierte das Bühnengeschehen. In der sehr anspruchsvollen Partie der Königssohnes Osiride konnte man den hierorts wenig bekannten südafrikanischen Tenor Sunnyboy Dladla hören. Mit viel Temperament und wohl gelungenen Koloraturen war er eine Entdeckung des Abends. Clarissa Costanzo sang seine unglückliche Braut Elcia, ihr kraftvoller, höhensicherer Sopran beeindruckte das Publikum. Wenn man bedenkt, dass sie erst 26 Jahre alt ist, sollte bei behutsamer Rollenwahl eine beachtliche Karriere folgen. Andrew Foster-Williams war als Faraone ein weiterer Turm in der Schlacht, auch sein kräftiger Bass war mehr als rollendeckend. Mandy Fredrich als Gattin Faraones, Amaltea und Matteo Macchioni als Aronne kompettierten ein sehr kompaktes Ensemble.

Die Wiener Symphoniker spielten um vieles besser als am Vortag, unter dem Dirigenten Enrique Mazzola fanden sie stets den rechten Rossini-Klang, da blieb kaum ein Wunsch offen. Auch der Prager Philharmonische Chor trug mit einer ausgezeichneten Leistung sehr zum Gelingen des Abends bei. Interessant auch die Mitwirkung des Theaterkollektivs „Hotel Modern“, das mit seinem Puppenspiel den szenischen Ablauf wertvoll ergänzte.

Das Publikum bejubelte die Wiederentdeckung einer wertvollen Oper. Einigen wenigen Zuschauern missfiel das Regiekonzept, sie buhten das Leading-Team aus. Natürlich soll niemand bevormundet werden, ich verstehe, wenn ein konservativer Opernfan nach zwanzig klassischen „Zauberflöten“ der einundzwanzigsten – weil modern gedeutet – skeptisch begegnet, bei einer Oper, die so gut wie nie gespielt wird, bei der die direkten Vergleiche fehlen, und bei der weder die Handlung verdreht, noch mit Geschmacklosigkeiten serviert wird, ist mein Verständnis mit dieser Art der Ablehnung gleich null.     

Johannes Marksteiner

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