Der Neue Merker

Bernarda FINK: Wien ist wie eine Insel der Geborgenheit

BERNARDA FINK: Die Probenarbeit in Wien verläuft wie auf einer Insel der Geborgenheit

Das Gespräch führten Dr. Barbara Lee-Störk und Elena Habermann am 12. Juni 2017

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Bernarda Fink

Bernarda FINK ist eine Künstlerpersönlichkeit, die eigentlich eher vom Konzertpodium kommt als von der Opernbühne.

Das Hausdebüt an der Wiener Staatsoper ist für Bernarda Fink eine sehr große Freude und Ehre. Sie fühlt sich im Hause sehr gut aufgenommen, ist begeistert von dem positiven Klima dieses Hauses. Sie empfindet die Menschen sind alle freundlich,  trotz der stressigen Arbeit und sie ist auch beeindruckt von der Präzision, mit der gearbeitet wird. Sie vergleicht dieses angenehme Arbeitsklima mit einem Bienenstock, einer Insel der Geborgenheit.

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Bernarda Fink als Geneviève in der Wiener Marelli-Inszenierung. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Sie findet die Zusammenarbeit mit dem Meister Marco Arturo Marelli sehr interessant, er erzählt das Stück eher märchenhaft, die Texttreue ist ihr sehr wichtig. Die Rolle der Geneviève ist „leider zu kurz“, sagt sie mit einem Lächeln, aber dafür von großer Wichtigkeit. Sie singt die Briefszene im ersten Akt, in der die Charaktere der beiden unterschiedlichen Brüder geschildert werden. Sie ist als Mutter, die emotionale Verbindung  zwischen den Protagonisten. Auf der Bühne ist viel Wasser, Mélisande kommt ja daraus oder aus dem Wald, …? Aber das Wasser ist angenehm temperiert und  somit besteht keine Gefahr für die Künstler. Sie ist von der Arbeit aller Mitwirkenden sehr angetan und von einem großen Premierenerfolg absolut überzeugt. Die Musik hat soviel Poesie und Schönheit und eben auch diese Verträumtheit dieser Geschichte, die eigentlich schrecklich endet. Doch die Musik hat fast tröstliche Klänge in den Schlusssequenzen, dass man doch in eine reinere Welt hinüber geht. Sozusagen ein Rest Hoffnung.

Bernarda Fink stammt aus Argentinien und hat slowenische Wurzeln, sodass sie Slowenisch als ihre Muttersprache bezeichnet. Diese Sprache wurde ausschließlich in der Familie und in der Slowenischen Gemeinde gesprochen.  Spanisch war die Sprache im täglichen Leben und natürlich in der Schule und dann weiter im Studium.

Mit dreißig Jahren kam sie nach Europa, ihre Karriere verlief hauptsächlich auf dem Konzertpodium eher unspektakulär, aber kontinuierlich. Ihr Schwerpunkt war die alte Musik, Claudio Monteverdi einer ihrer Lieblingskomponisten. Natürlich sang – singt sie nach wie vor viel Oratorien, Liederabende, aber auch die Pflege des Liedgesanges steht ganz oben in der Prioritätenliste. Eine ganz große musikalische Liebe sind die Werke von Gustav Mahler wie „Das Lied von der Erde“ und die „Kindertotenlieder“.

Ein ganz großer Mentor war für Bernarda Fink natürlich Nikolaus Harnoncourt. Der Maestro vermittelte nicht nur diese sensationelle musikalischen Eindrücke, sondern auch das große Herz, das er für die Musik hatte. Ohne diese Eigenschaft sollte man es besser lassen.

Sie sang sehr viel an den Häusern von Madrid, Paris, Rennes, Montpellier, natürlich am Teatro Colon in Buenos Aires. Da gab natürlich Operrollen wie Dorabella, Idamante, Sesto, Penelope und viel anderes auch von Mozart.

Ihre erste Geneviève sang sie in Berlin, in einer halbszenischen Aufführung dieses Werks.      

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Bernarda Fink. Foto: Youtube   

Die Karriere konnte sie trotz der Geburt der beiden Kinder weiterführen, da lebte sie an der Seite ihres Mannes, eines hohen österreichischen Diplomaten in New York, Wien, Prag und zum Teil in Kärnten.

Als nächstes steht ein Konzert mit dem Boston Symphony Orchestra und die „Auferstehungssymphonie“ von Gustav Mahler auf dem Programm. Sie freut sich sehr auf die große Südamerikatournee mit der Salzburger Camerata mit einer Bachkantate und den  Biblischen Gesängen von Antonin Dvorak.

Barbara Lee-Störk/ Elena Habermann

Das Gespräch fand nach einer Probe am 12.6.2017 in der Wiener Staatsoper statt

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