Der Neue Merker

Berlin/Bebelplatz: BEETHOVENS „NEUNTE“ bei „STAATSOPER FÜR ALLE“ mit Besucherrekord

Berlin/ „STAATSOPER FÜR ALLE“ mit Besucherrekord, 30.09.2017

Ein „Präludium“ geht der Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden am 03. Oktober voran  – nach sieben Jahren im Ausweichquartier Schiller Theater.  „STAATSOPER FÜR ALLE“ auf dem Bebelplatz machte am 30. September den Anfang.

Staatsoper für alle mit Daniel Barenboim (c) Thomas Bartilla
Daniel Barenboim. Copyright: Thomas Bartilla

Diese beliebte Openair-Veranstaltung gab es bereits in den Vorjahren, doch diesmal sind 45.000 Besucher gekommen, so viele wie noch nie. Die intensive Vorab-Berichterstattung der Medien hat offenbar das Interesse geweckt, und ein schöner Herbsttag ist es außerdem. Da stehen und sitzen sie nun, junge und ältere Musikfans, vielleicht auch solche, die neugierig wurden und es werden könnten. Mütter und Väter mit Kleinkindern sind ebenfalls dabei, frohe Erwartung steht in vielen Gesichtern.

Dirigent Daniel Barenboim ist wie immer ganz konzentriert, lässt sich keine Emotionen anmerken. Beethovens Neunte steht auf dem Programm. Was sonst zu diesem denkwürdigen Anlass? Der Wind spielt in den Haaren von Konzertmeister Wolfram Brandl, die Sonne beleuchtet einige Instrumentalisten. Von den Kameras, die ihre Gesichter und flinken Finger für die Leinwände und fürs Fernsehen zoomen, lassen sich diese Profis nicht irritieren. Mitunter huscht dennoch ein Lächeln über ihre Züge, für alle ist es ein großer Tag.

Barenboim nimmt den ersten Satz relativ ruhig, drückt erst beim molto vivace des zweiten mit ausholenden Gesten aufs Tempo. Das Publikum ist begeistert und applaudiert nach jedem Satz. Warum auch nicht? Nicht wenige lauschen verträumt dem nachfolgenden Adagio, das Barenboim aufblühen lässt, soweit das Openair möglich ist. Fast direkt anschließend der vierte Satz, der auf das bekannte „Freude schöner Götterfunken“ hinsteuert.  

Der Staatsopernchor (einstudiert von Martin Wright) und die vier Solisten haben sich schon vor dem dritten Satz auf die Ersatzbühne begeben. René Pape, der international bekannte Staatsopernbass, macht nobel den Anfang. Diana Damraus Sopran leuchtet genau so schön wie ihr rotes Flatterkleid. Okka von der Dameraus Mezzo schmiegt sich warm an. Burkhard Fritz, Tenor des Hauses, geht seine Verse mit Verve an.
Beim Chor strahlen so manche Gesichter, besonders die der Damen. Barenboim scheint manchmal leise mitzusingen. Die Freude ist allgemein, und Schillers Wunsch: „Alle Menschen werden Brüder“ vermutlich ebenso. Ein großartiges Finale, vom Publikum intensiv beklatscht, bejubelt, bekiekst. Auch Barenboim lächelt nun glücklich. Für ihn, der in Kürze den 75. Geburtstag feiert, ist es nach langem Warten ebenfalls ein sehr besonderer Abend. Bei arte TV ist dieses Konzert am 1. Oktober nochmals um 21.05 Uhr zu erleben.

Zur festlichen Eröffnung des Hauses am 3. Oktober werden die meisten auf dem Bebelplatz nicht dabei sein können. Die Gästeliste ist lang, Kanzlerin Angela Merkel hat zwei Karten gekauft. Doch diese Eröffnungspremiere „Zum Augenblicke sagen: Verweile doch!“ mit Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ wird live aus dem schön gewordenen Großen Saal auf den Bebelplatz übertragen sowie von concert.arte.tv direkt und um 21.05 Uhr bei ARTE TV ausgestrahlt. Außerdem wird sie gratis auf www.staatskapelle-berlin.de und www.staatsoper-berlin.de gestreamt.

Alle folgenden Aufführungen bis zum 7. Oktober werden ebenfalls live auf den Bebelplatz übertragen. So das Sinfoniekonzert am 4.und 5. Oktober unter Leitung von Daniel Barenboim mit dem Pianisten Maurizio Pollini und das der Wiener Philharmoniker mit Zubin Mehta am 7. Oktober.
Übrigens wird am 8. Oktober die „Neue Werkstatt“ eröffnet, mit „Rivale“, einer Uraufführung von Lucia Ronchetti als Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden, eröffnet. Weitere Termine am 11., 14., 15., 17., 19., 20. und 22. Oktober.  

Ursula Wiegand

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