Der Neue Merker

BERLIN / Pierre Boulez Saal: „WEIHNACHTSBAUM“ – Martha Argerich und Daniel Barenboim

Martha Argerich und Daniel Barenboim im Pierre Boulez Saal, ©Peter Adamik
Daniel Barenboim und Martha Argerich im Pierre Boulez Saal. Copyright: Peter Adamik

Berlin/ Pierre Boulez Saal: „WEIHNACHTSBAUM“, 23.12.2017

„Weihnachtsbaum“ heißt das Konzert einen Tag vor Heiligabend im schönen Pierre Boulez Saal, und den schmücken vierhändig Martha Argerich und Daniel Barenboim für die in Scharen herbeiströmenden Fans. Vielleicht wollen einige auch nicht bis zu den FESTTAGEN 2018 warten, bei denen die beiden wie seit einigen Jahren erneut als Duo auftreten.

Namensgeber  an diesem Abend ist Franz Liszt mit seiner Sammlung „Weihnachtsbaum“ S 613, fertig gestellt nach längerer Schaffenspause 1874 als 62Jähriger. Später widmete er diese Impressionen seinem ersten Enkelkind Daniela Senta aus der Ehe seiner Tochter Cosima mit Hans von Bülow. Daniela wurde eine gute Pianistin und führte diese Sammlung am Weihnachtstag 1881 in einem römischen Hotel als Geschenk für ihren Großvater erstmals auf.

Nun werden diese 12 relativ kurzen Stücke zum Geschenk für die Zuhörerinnen und Zuhörer. Die meisten nehmen Bezug auf mehr oder weniger bekannte Weihnachtslieder, darunter  das „In dulci jubilo“. Die drei letzten erinnern an Liszts eigenes Schicksal, die gescheiterte Hochzeit mit der Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein, seiner großen Liebe. Mit „Ungarisch (Magyar)“ und „Polnisch (Mazurka)“ schuf er ein kleines Porträt von sich selbst, dem Ungarn, und von ihr, der Polin. Martha Argerich, links sitzend, donnert die Bassnoten  noch immer mit ihrer Löwenpranke in die Tasten.

Von diesen 12 Piècen, geeignet für fleißige Klavierschüler/innen, sind die drei letzten die schwungvollsten. Danach kräftiger Beifall. Dennoch war es gut, das Programm umzustellen und diese doch recht leichtgewichtige Sammlung vom Schluss auf den Anfang zu rücken, um so die notwenigen Steigerungen zu erreichen. Was nun folgt, spielt – pardon Franz Liszt – doch in einer anderen Liga.

Zunächst Maurice Ravel mit „Ma Mère l’Oye (Fassung für Klavier zu vier Händen). Fünf Kinderstücke sind es, doch nur Wunderkinder wären wohl in der Lage, sie adäquat darzubieten. „Dornröschen“, „Der kleine Däumling“ und „Kaiserin der Pagoden“ heißen die ersten drei, letzteres mit leicht fernöstlichem Charme.

Bei „Die Schöne und das Biest“ tappt ein böses Tier durch die Bässe, und Daniel Barenboim, nun links sitzend, lässt das genau vernehmen. Martha Argerich zu seiner Rechten sorgt andererseits für schillerndes impressionistisches Flair. Im „Feengarten“ schweben die freundlichen Geister echt silbrig durch den Saal.

Die Höhepunkte liefert jedoch Georges Bizet mit „Jeux d’enfants“ für Klavier zu vier Händen op. 22. Das sind 12 fein auskomponierte Kinderspiele, die erkennbar dem jeweiligen Sujet entsprechen, seien es Schaukel, Kreisel, Karussell oder Bockspringen. Berlioz, selbst ein vorzüglicher Pianist, der aber als solcher nicht sein Geld verdienen wollte, hat sie für Meisterhände komponiert.

Lustigerweise wechseln nun Martha Argerich und Daniel Barenboim öfter die Positionen. Beide spielen jeweils den Part, der am besten sie ihnen passt.  Beim Stück „Bäumchen, wechsle dich“ ist es förmlich zu sehen, wie die Kinder geschwind von Baum zu Baum springen.

Zuletzt der rasante „Ball“, ein quicklebendiges Tanzvergnügen. Unglaublich mit welcher Geschwindigkeit Martha Argerichs Finger ohne die Töne zu verwischen über die Tasten eilen. Aus dem schlichten anfänglichen „Weihnachtsbaum“ ist ein glitzernder Weihnachtstraum geworden. Riesiger Beifall, begeistertes Getrampel. „Wenn ihr nicht werdet wie die (fröhlichen) Kinder…“  Speziell mit Blick auf Familien wird das Programm am 25.12. um 15.00 wiederholt. Die Kids dürfen dann auch auf dem Boden rund um den Flügel sitzen.

Ursula Wiegand

Diese Seite drucken