Der Neue Merker

BERLIN/ Konzerthaus: MAX EMANUEL CENCIC: Mozart/Rossini Konzert

BERLIN / Konzerthaus : MAX EMANUEL CENCIC: Mozart/Rossini Konzert, 4.4.2017

Ein Abend mit Cencic: Großer Jubel für die österreichische Countertenorlegende

pres
Foto: Anna Hoffmann

 Diesmal hat es jedenfalls geklappt. Als Ersatz für das kurzfristig abgesagte Konzert vom 22. November 2016 hat Max Emanuel Cencic nun den Arienabend mit Musik von Mozart und Rossini mit seiner Begleiterin Megumi Otsuka nachgeholt. Und das mit vollem Einsatz, den ihm das Publikum mit Ovationen dankte. Cencic führte wieder einmal vor, was höchste Gesangstechnik – und -kunst ausmacht. Verblüfften in der frühen Konzertarie von Mozart oder den Ausschnitten aus Mitridate, Re di Ponte noch hohe Legato- und plastisch ornamentale Verzierungskultur, so konnte sich Cencic nach der Pause in den zwei Arien aus „La Donna del Lago“ und dem berühmten „Di tanti palpiti“ aus „Tancredi“ noch einmal gehörig steigern und sich wie der Fisch im Wasser ganz frei singen. 

Cencic reüssiert in diesem schweren Kontraaltfach mit satten Tiefen, dramatischer Attacke und strahlenden Höhen. Anders als die großartigen Interpretationen von Marilyn Horne oder jüngst Joyce di Donato, aber ebenso aufregend und überzeugend. Cencic hat ja schon mit seiner Rossini CD aus dem Jahr 2007 (Tancredi, Aureliano in Palmira, La Donna del Lago, Semiramide) gezeigt, dass sich diese virtuose hochenergetische Musik bestens für einen viril und üppig timbrierten Countertenor mit entsprechendem Tonumfang eignet. Seither hat Cencic noch an Stimmvolumen und Raffinement zulegen können, da glänzen alle Läufe, die vielen kleinen Noten perlen wie am Schnürl, Textdeutlichkeit und Klangästhetik ergänzen einander aufs Beste. Die für diese Musik so bedeutsamen tiefen Register sind schlichtweg sensationell. Dabei kann leicht  übersehen werden, dass Cencic ja bereits seit 35 Jahren „im Geschäft“ ist, was bei diesem Fach ganz außergewöhnlich ist.

Megumi Otsuka begleitete den Star handfest, aber mit dem nötigen Einfühlungsvermögen. In eingestreuten Solostücken von Mozart und Chopin bewies Otsuka eine hohe Musikalität und schöne Sanglichkeit des Tons bei manchmal doch etwas pauschalem Ansatz.

Als Zugabe sang Cencic trotz eines akuten Migräneanfalls (man stelle sich vor, wie einem da der Kreislauf mitspielt) noch die schwungvolle Orsini-Arie aus Donizettis Lucrezia Borgia sowie des Prinzen Orlofsky  „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus „Der Fledermaus“ von Johann Strauss. Bewundernd muss festgestellt werden: Legenden sind halt diszipliniert und leben ganz der Kunst….

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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