Der Neue Merker

BASEL/ Baseldytschi Bihni: „ankomme dienstag – stop – fall nicht in ohnmacht“. Komödie von Jean Stuart. Premiere

Baseldytschi Bihni, Basel:  „ankomme dienstag – stop – fall nicht in ohnmacht“, Pr. 30.11.2017

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Roland Niederer, Michael Hug  © Baseldytschi Bihni

 

Der nach einem Flugzeugabsturz für tot erklärte Michel Richner taucht nach Jahren unvermittelt bei seiner „Witwe“ Jaqueline auf, die das titelgebende Telegramm nicht erhalten hat und prompt selbiges tut. Sie ist mitnichten amused, war doch ihr Gatte ein stadtbekannter Casanova und die Scheidung vor dem Absturz schon eingereicht. Erschwerend kommt hinzu, dass sie im Begriff ist zu heiraten. Was wiederum ihren Ehemann besonders erbost: Der Auserwählte ist niemand Geringeres als der CEO der Fluggesellschaft, die ihn auf dem Gewissen hat. Die Ankunft der jungen hübschen Luci, mit der Richner die letzten Jahre auf seiner „einsamen“ Insel verbracht hat, verkompliziert die Lage. Das Auftauchen von Pascal, Michels Zwillingsbruder, lässt das Ensemble vollends im Chaos versinken, bis auch so hartgesottene Seelen wie das Dienstmädchen Susanne am eigenen Verstand zu zweifeln beginnen.

Die Komödie von Jean Stuart, die erst ins Deutsche und dann ins Baseldeutsche übertragen wurde, strotzt vor Dialogwitz und köstlichen Urwahrheiten („Ehemann einer Witwe zu sein ist schlimmer als Witwe“),. Tom Müller inszeniert den Klamauk genüsslich mit viel Elan, running gags wie die sich steigernde Alkoholsucht des Hausmädchens machen das Stück zum Schenkelklopfer. Das praktische Bühnenbild von Robi Pipoz stellt das Innere eines Ferienhauses in den Bergen des Jura da, und bietet genügend Türen und versteckte Nischen für alle Anlässe. Hervorzuheben sind die darstellerischen Leistungen der Protagonisten, allesamt wohlgemerkt Laienschauspieler: Silvia Gallacchi als Jaqueline Richner spielt die lakonisch-leidgeprüfte Ehefrau, die lieber Witwe wäre, mit der passenden Gefasstheit. Roland Niederer glänzt in seiner textintensiven Doppelrolle als reumütiger Ex-Casanova Michel Richner und sein Zwillingsbruder – und weniger reumütiger aktiver Casanova – Pascal. Als Pierre Dumorin, Verlobter von Jaqueline, läuft Michael Hug zur Bestform auf und erträgt die Zurückweisungen durch Jaqueline mit bewundernswerter Leidensfähigkeit. Mit vollem Körpereinsatz torkelt sich Karin Kolb als Hausmädchen Susanne durch ihre Rolle, während Sabine Mack als Luci Werdenberg nicht müde wird, das Klammeräffchen zu imitieren, als das sie Michel vor seiner Ehefrau bezeichnet hat (macht sich ja auch besser als Mitbewohner auf einer einsamen Insel…).

Die seit 125 Jahren bestehende Baseldytschi Bihni im Kellertheater des Lohnhof, feiert mit diesem Stück – nach der schmerzhaften Verschiebung der Premiere wegen eines Krankheitsfalls – verdientermassen einen grossen Publikumserfolg. Wer der Basler Zunge mächtig ist: Hingehen! Die anderen ebenfalls.

Alice Matheson

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