Der Neue Merker

BAYREUTH/Festspiele: PARSIFAL

BAYREUTH:  PARSIFAL   14.8.2017


Georg Zeppenfeld, Elena Pakratova. Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Der Parsifal unter Hartmut Haenchen und U.E.Laufenberg/Regie wird heuer im 2.Jahr gespielt. Hartmut Haenchen bevorzugt eine ‚mittlere‘ Gangart, nicht zu schnell und nicht zu langsam, was dem Ohr über weite Strecken sehr entgegen kommt. Er kann dramatische Aufwallung sehr gut dosiert ansetzen und kulminieren lassen wie in den Vor-und Zwischenspielen sowie in den Gralstempelszenen. Das Orchester sekundiert ihm jederzeit sehr homogen und nimmt auch die getragenen bis sehr langsamen Tempi gerne auf. Die Akustik ist auch exzellent, man merkt, daß sich Wagner bei geschlossenem Orchestergraben instrumentatorisch mehr „erlauben“ konnte. Laufenberg entwirft ein neues auch aktuell politisch inspiriertes Szenario, indem er die Gralsburg nach Kleinasien Grenzregion Türkei-Irak verlegt, es handelt sich hier wohl um ein katholisches Kloster. Flüchtlinge aus dem Syrienkrieg nächtigen in der Vorhalle des Kuppelraums der Kirche, die sehr schlicht rundbögig gestaltet ist und Risse hat, aber es könnten auch Tourististen sein, die hier gastlich aufgenommen werden. Ist es ein Orden vom Kreuz oder Rosenkreuz, denn der Gekreuzigte spielt in seiner passionspielhaften Darstellung eine eminente Rolle. Die Jesusgestalt wird vom liegenden Kreuz abgenommen und in Tücher gewickelt. In der Apsis befindet sich ein riesengroßes rundes Badebecken, wo Amfortas den Gral zelebriert, indem er sich auszieht, und ihm von seinen Wunden Blut abgenommen wird, das, wohl in Wein verwandelt, die Gralsoberen sich gegenseitig zum Trinken reichen.

Im 2. Akt stellt der Raum das Badehaus eines Konvertiten dar, der erst auf dem Gebetsteppich zu Allah beten will, dann aber in einer oben in der Wand gelegenen Kammer voller Goldkreuze mit und ohne Christus sich zur Überwachung der weiteren Vorgänge zurückzieht. Ein Haussklave/Diener in weißer Kutte steht Kundry ‚zur Verfügugung‘, nachdem die Verführung Parsifals nicht geklappt hat. Die Blumenmädcheln wechseln von Ganzkörperverschleierung/Nikap zu verführerisch gekleideten Badenixen, die Parsifal ins blaugekachelte Bad geleiten. Dieser war in militärischer Montur gekommen, wie auch immer hochgerüstetes Militär nach dem rechten schaut. Der übergebene Speer dient Parsifal als christliches Symbol, indem er ihn zerbricht und zum Kreuz formt.

Der 3. Akt mutet als Siechen- und Altenheim für Gurnemanz und Kundry im Rollstuhl an. Die Natur hat exotisch Einzug gehalten. In der Gralszene wird ein sandgefüllter Sarg hereingetragen, Parsifal legt das Speerkreuz in ihm ab und die Brüder legen auch alle ein Kleinod hinein. Somit ist der Gral zelebriert. Es ist teils eine etwas bunt beliebig gehaltene Inszenierung, die sich aber auch zu großer Aussagekraft verdichten kann.(Bb.: Gisbert Jäkel, Kost.: Jessica Karge)

Der Chor ist ganz klangstark und wuchtig musikalisch eingebunden. Die Höhenchöre klingen fast engelhaft, könnten aber etwas lauter sein (E.: Eberhard Friedrich). Die Blumenmädchen singen mit teils betörenden Stimmen sind verstärkt durch Soprane und Alti des Chores. Alle Ritter und Knappen machen ihre Sache gut. Die Kundry singt wieder Elena Pankratova mit einigem Schmelz im gut geführten dramatischen Sopran. Als Klingsor tritt Werner Van Mechelen auf. Ein stimmlich guttural betonter, manchmal deftig zur Sache gehender  Baßbariton, der der Rolle viel hintergründige Ausdruckskraft mitgibt. Sehr gut auch Georg Zeppenfeld als Gurnemanz mit einem fast lyrischen Bariton und dabei sehr textverständlich! Den Titurel gibt Karl-Heinz Lehner sehr markant. Ryan McKinny wirkt bei edlem Bariton gesanglich im 1. Akt etwas stumpf zurückgenommen, später aber einwandfrei und fast balsamisch. Andreas Schager hat heute vielleicht den klarsten und mächtigsten Tenorstrahl. Er ist auch sehr gut bei Stimme und setzt gut abgetönte Phrasen (ein).                                                   

Friedeon Rosén

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