Der Neue Merker

BAYREUTH: SIEGFRIED (zweiter „Ring-Durchlauf)

Bayreuther Festspiele.:  SIEGFRIED am  11.8.2017

Bildergebnis für bayreuth siegfried
Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Der “Siegfried“ wird weiterhin beherrscht von den Riesen-Kopfskulpturen von Marx, Lenin , Stalin & Mao, nachgebildet dem Mount Rushmore. Die mittleren beiden werden im 3.Akt, wo Siegfried Wotans Speer durchhaut, durch die Köpfe von Stefan Vinke und Thomas J.Mayer ersetzt. Somit spielt sich bis dahin der ganze (junge) Siegfried unter der Supervision und Obhut der kommunistischen Überväter ab. Immerhin klopfen Mime und Siegfried Teile aus den Gesichtern heraus, was wiederum an die brüchig gewordene Berliner Mauer erinnert. Später repariert aber Patric Seibert die schadhaften Stellen fachgerecht von einem heruntergelassenen Tragekorb aus, was auch mit der Wahrnehmung übereinstimmt, daß dazu in einem Video der Diktator aus Kasachstan oder Aserbaidschan die postsowjetische Faust reckt. Auf den menschlichen Bären von Patric Seibert in Mimes Wohnwagen-‚Schmiedeladen‘ wurde schon häufig eingegangen. Von den Protagonisten wird er aber kaum wahrgenommen. Mime steckt ihm was in den Mund, wenn er seinen magischen weißen Schaumsud aufköchelt, den er Siegfried credenzen will. Stefan Vinke klingt in der unteren Mittellage, auch wenn er ein paar mal in den Sprechgesang übergeht, ganz spröde bellend. Später baut er Kalaschnikoffs zusammen statt zu schmieden, bewährt sich dann wieder beim subtilen rhythmischen Hämmern und natürlich bei  den mit mächtig aufgebauter Energie gesungenen Schmiedeliedern und vielen gut textverständlichen Strophen. Der Bär ist mit Bücher-sortieren für Mimes großen Wissensdrang beschäftigt. Dieser ist hier auch in der arabisch muslimischen Frauentracht, Rock über Hose, gekleidet. Zu Beginn auch bei ihm (Andreas Conrad) viel Sprechgesang, später wie gemeißelt durchdrungene Gesangsphrasen des Größenwahns. 

Durch phantatisch gezeichnete große Orchesterbögen zeichnet sich dann die Szene mit mannigfaltigen Begegnungen vor Fafners Höhle aus. Ganz zwingend der der Alberich – Wanderer-Zwiegesang, wieder ganz futuristisch-harmonisch eigenwillig das fortgaloppierende Brüder-Duo. Dann kommt wieder der Berliner Alexanderplatz auf der Drehbühne zum Einsatz, wo sich in der Post ein großer Puff befindet. Waldvogel und Erda geben sich wieder ganz sexy und phanatastisch aufgetakelt (Adriana B.Peretzki Kost., Aleksandar Denic, Bb).

Nach der musikalisch pompös gelungenen Wanderer-Niederfahrt zu Erda und der Speerzerschlagung setzt Marek Janowski mit dem Brünnhilde Erweckungs Schluß ein langes extra Highlight darauf. Es handelt sich da ja um eine sehr besonders für die hohen Streicher intrikat-schwierige musikalische Faktur, die hier einmal blitzsauber geprobt und beglückend mit den himmlischen Klarinetten und Oboen spielend leicht wie ein Scherzo serviert wird. 

Catherine Foster und besonders Stefan Vinke wachsen dabei über sich hinaus; während er nicht zu singen hat, verschwindet er in einer Felsspalte, wohl da er die noch nicht entgöttlichte Brünnhilde eh nicht verstehen kann. Ana Durlovski singt mit leicht kapriziösem bestens verständlichem Sopran. Erda Nadine Weissmann kann mit exaltierter emphathischer Vokalgestaltung und mit einem larmoyanten Zug in der Stimme aufwarten. Fafner Karl-Heinz Lehner singt eine voluminösen Schwarbaß. Ein Ausnahmesänger ist auch wieder Albert Dohmen mit schon fast esoterischer Alberich-Interpretation. 

Einen Wanderer mit sehr flexibel angenehm timbriertem Baßbariton gibt jetzt Thomas J.Mayer, mit sehr getragenen Kantilenen und heroisch dramatischen Aufschwüngen bei der Niederfahrt.                                                                   

Friedeon Rosén

 

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