Der Neue Merker

BASEL/ Theater: SOMMERGALA 2017 der Ballettschule. Premiere

Basel: Theater Basel – Grosse Bühne – Ballettschule Theater Basel: Sommergala 2017

Premiere 24.6.2017

Die Ballettschule Theater Basel (BTB), welche schon lange als ein Garant für hochstehende Choreographien und tänzerische Leistungen der absoluten Spitzenklasse gilt, lädt auch in diesem Jahr erneut zu ihrer Sommergala ein. In diesem umfangreichen und aufwändig inszenierten Programm zeigen alle Schüler und Schülerinnen der BTB ihr Können und Talent auf der Bühne. Sowohl die kleinsten Ballettjunioren als auch die ältesten Ballettschülerinnen und Schüler geben an diesem Samstag Nachmittag ihr Bestes und tragen dazu bei, dass auch die diesjährige Sommergala ein grosser Erfolg wird.

Der Saal dunkelt sich ab, der rote Samtvorhang öffnet sich und ein gängiger Marsch von Dmitri Schostakowitsch ertönt aus den Lautsprechern. Der erste Programmpunkt, welcher den Namen „LOLLIPOPS und KAUGUMMI“ trägt, nimmt seinen Lauf. Dabei zeigen die jüngsten der BTB mit Stolz ihre erlernten Schritte und Bewegungen, allesamt in verspielte Kostüme gekleidet und von einer stets passenden Musik begleitet. Es geht ein Seufzen von herzerwärmender Natur durch den Saal, als die beinahe kniehohen tanzbegeisterten Kinder in ihren Ballettröckchen im Scheinwerferlicht erstrahlen. Man spürt als Zuschauer die Freude der Kinder, welche mit einer grossen Präzision und Professionalität ihre erlernten Bewegungsabfolgen präsentieren. Jedes einzelne Kind hat ein grosses Lächeln im Gesicht, und man ist bereits jetzt gespannt, wie sich wohl die tänzerischen Laufbahnen der Kinder entwickeln werden. Die Choreographie stammt von Julie Christie Wherlock und ist alles andere als anspruchslos. Die schätzungsweise hundert Kinder werden von ihr, Silvia Rossetto und Viviana Molle durch die Proben geleitet. Dabei teilen sich die Kinder zusätzlich in verschiedene Altersstufen auf. Es tanzen somit die „Verkäuferinnen“, die „LOLLIPOPS“, die „KAUGUMMIS“, die „LOVEHEARTS“, die „SEIFENBLASEN“ und die „HULA-HOOPS“. Die drei Damen scheinen ihre Pappenheimer im Griff zu haben, denn nur so konnte die für die jüngsten Ballettschülerinnen und -schüler doch recht anspruchsvolle Choreographie so elegant und fehlerlos präsentiert werden. Den grossen Applaus am Ende haben sich alle Beteiligten mehr als verdient.

Der nächste Programmpunkt wird von einer etwas älteren Gruppe der BTB präsentiert. Die Nummer heisst „LIMELIGHT“ und entpuppt sich als einen modernen, rasanten Tanz, der von den Tänzerinnen  Einiges abverlangt. Die Musik ist flott und stammt aus der Feder des Techno-Musikers mit Künstlernamen „Aparat“. Dabei sind alle einheitlich in violetten Roben gekleidet, welche perfekt mit dem zügigen und forschen Charakter der Choreographie harmonisieren. Jede Tänzerin hat genau zu wissen wo sie hingehen muss, damit keine Kollision entsteht. Alle Beteiligten zeigen nicht nur ihr Taktgefühl im wörtlichen Sinne, sondern beweisen auch ihr Gefühl für das Zusammenspiel in der Gruppe. So sticht keine Tänzerin heraus, sondern es brilliert das ganze Ensemble als Einheit. Für die Choreographie sind Armando Braswell und Selatin Kara verantwortlich.

Als zweitletzten Programmpunkt vor der Pause zeigt die BTB das Stück „ALL SHALL BE“ von Heinz Spoerli, welcher die Erlaubnis gab, seine Choreographie erneut zu zeigen. Die Einstudierung und Probenleitung übernimmt Francois Petit. Als musikalischen Hintergrund werden Werke von Johann Sebastian Bach benutzt. Diese eher klassisch wirkende Nummer verlangt den jungen Tänzerinnen und Tänzern grosses Können in den klassischen Bereichen des Balletts ab. Vom feinsten Spitzentanz bis hin zu komplexen Hebefiguren zeigt das Ensemble der BTB, dass sie auch dieser Elemente mächtig sind. Zudem befinden sich in der Choreographie auch vereinzelt moderne Elemente, welche den Tanz noch anspruchsvoller und spannender machen. Höchst beeindruckend ist auch die solistische Einführung von Mikiya Kakehashi, welcher mit einer leidenschaftlichen Interpretation von Spoerlis Choreographie das erste „MOVEMENT“ einleitet. Insgesamt darf das Publikum Zeuge von 3 spektakulären „MOVEMENTS“ werden, bevor es erschöpft in die Pause entlassen wird. – So viel Leidenschaft, Energie und Präzision muss sich  erst einmal setzen.

Wer als Zuschauer die Auffassung vertritt, dass eine Steigerung nach der Pause wohl nur schwer möglich ist, wird von der BTB eines besseren belehrt: Für den letzten und zugleich auch längsten Programmpunkt zeigt die BTB die ehemalige Choreographie „LORE“ vom Ballettdirektor des Theater Basel, Richard Wherlock. Für die auszubildenden Tänzer der Ballettschule ist es sicherlich ein spezieller Moment eine Choreographie vom Meister persönlich tanzen zu dürfen – wobei während des der Vorführung der Eindruck wächst, dass keine Studierenden sondern professionelle Tänzer und Tänzerinnen vor einem auf der Bühne stehen.  Für die Einstudierung zeigt sich Cinthia Labaronne verantwortlich. Die Nummer beginnt eher leise und schlicht. Die einzelnen Tänzer und Tänzerinnen betreten die Bühne und deformieren den anfänglichen Stuhlhaufen zu einem ordentlichen Quadrat, in dem sich ein Jeder einen Stuhl greift und diesen auf die entsprechende Position platziert. Nun sitzen sich alle Beteiligten parallel gegenüber. Danach beginnen die Tänzerinnen und Tänzer zu stampfen, zu klatschen und bringen die Zuschauer mit einer derart aufregenden Choreographie, die vor Freude nur so strotzt, dass sie jeden im Zuschauerraum elektrisiert, zum Staunen. Der irische Folk und Folkrock, welcher als musikalischer Hintergrund dient, trägt zusätzlich zu einem aufregenden Erlebnis bei. Es wird an Ort und Stelle um den eigenen Stuhl getanzt, es werden Stühle herumgeschwungen, was sehr präzise geplant werden muss, und es werden auch kleine Slapstick-Elemente in die Choreographie eingebaut, welche das Geschehen noch abwechslungsreicher machen – um nur einige der verschiedenen Elementen der tollen Choreographie zu nennen. – Es bestehen ebenfalls viele musikalische Elemente, wie das Stampfen, Klatschen, Schreien und Schnipsen des Ensembles, welche auch nicht zu unterschätzen sind und sich stimmig in die Nummer einfügen. Das Ensemble zeigt, dass es als Gruppe harmoniert, dass die Aufführenden als Solisten brillieren können und dass für sie das Tanzen das Schönste auf der Welt zu sein scheint. Das spürt auch das Publikum. Als der Vorhang fällt, bricht ein Applaussturm aus, der jedoch nicht ganz so laut ausfällt, wie man zuerst erwartet. Verdient hätte es das Ensemble und die künstlerische Leistung ohne Frage.

Zuletzt gilt es den Beteiligten der BTB zu gratulieren, die für eine unvergessliche Sommergala und ein würdiges Ausklingen der ohnehin sehr erfolgreichen Saison des Theater Basel verantwortlich sind. Es bleibt abzuwarten und mit grossem Interesse zu verfolgen, auf welchen Ballettbühnen der Welt die Absolventen der BTB in baldiger Zukunft anzutreffen sind.

Philipp Borghesi

 

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