Der Neue Merker

BASEL/ Theater: HAPPY NEW YEAR – SINFONIEKONZERT. Sinfonieorchester Basel – Jean-Guihen Queyras, Violoncello – Ivor Bolton, Leitung. Gefälliges mit ein paar Knalleffekten

Basel: Theater Basel – Grosse Bühne – „Happy New Year“ -Sinfoniekonzert – Sinfonieorchester Basel – Jean-Guihen Queyras, Violoncello – Ivor Bolton, Leitung    –  4.01.17

 Gefälliges mit ein paar Knalleffekten

 Mit dem ersten Sinfoniekonzert im 2017 wünscht uns das Sinfonieorchester Basel (SOB) zusammen mit seinem Chefdirigenten Ivor Bolton „Happy New Year“. Dafür wurde ein gefälliges, leicht verdauliches Programm zusammengestellt.

Mit eher leisen, feinen Tönen wird der Konzertabend mit Igor Strawinskys „Suiten Nr. 1 und 2 für kleines Orchester (1921, 1925)“ eröffnet. Das SOB präsentiert sich technisch zuverlässig. Besonders in der Suite Nr. 2 sind die präzisen Bläser, welche äusserst differenziert ohne den kleinsten Wackler musizieren, zu erwähnen. Ivor Bolton achtet auf angemessene Tempi und arbeitet die vielen witzigen Akzente der beiden Suiten gekonnt heraus.

Für Tschaikowskis „Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester A-Dur, Op. 33/1877“ konnte Jean-Guihen Quyras als Solist gewonnen werden. Er glänzt durch enorme technische Perfektion, die Läufe gelingen ihm fein und mühelos, die Höhen meistert er makellos ohne Kratzer oder Quietscher. Im „Andante moderato“ verschmelzen Orchester und Solist zu einer wahrlichen Meditation zusammen. Das SOB erweist sich auch hier als zuverlässiger Partner für den Solisten. Dirigent Bolton achtet auf schlanke Spielweise und vermeidet jeglichen Pathos – dies manchmal fast zu stark, so dass die Aufführung, mal vom „Andante moderato“ abgesehen, nicht in dem Ausmass ergreift, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte.

Nach der Pause dann der musikalische Champagner: Jacques Offenbachs „Gaîté Parisienne“ im Arrangement von Manuel Rosenthal aus dem Jahre 1938. Bolton setzt dabei auf musikalische Knalleffekte und auf seine eigenen Talente als Showman. Dabei scheint er allerdings zu vergessen, dass die „Gaîté“ nebst dem mitreissend dargebotenen Can-Can auch sensible, ja poetische Stücke enthält. Diese bleiben an diesem Abend leider an der gefällig-süffigen Oberfläche. Die Walzer laden zum Schunkeln ein, die Barcarolle gerät zwar gefällig, jedoch oberflächlich, ohne Zauber und erleichtert so der Dame in der Reihe vor mir das Mitsummen.

Egal, die Zuhörer spenden begeisterten Applaus und rutschen nun fröhlich und beschwingt weiter durch ein hoffentlich „Happy New Year“.

 

                                                                                                                      Michael Hug

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