Der Neue Merker

BASEL/ Theater: DREI SCHWESTERN nach Anton Tschechow. Premiere

Theater Basel, Schauspielhaus: „DREI SCHWESTERN“ nach Anton Tschechow
Regie: Simon Stone  Premiere: 10. Dezember 2016

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Elias Eilinghoff, Franziska Hackl, Max Rothbart, Liliane Amuat, Catrin Störmer, Nicola Mastroberardino, Roland Koch, Simon Zagermann.                   ©Sandra Then

Simon Stone hat Tschechows „DREI SCHWESTERN“ für das 21. Jahrhundert inszeniert und auch einen zeitgemässen Text dazu verfasst. Trotzdem ist dies Tschechow! Der hervorragende Regisseur hat zwar den Text neu verfasst, die Protagonist_Innen der modernen Zeit entsprechend  agieren lassen. Das Original, (Uraufführung 31. Januar 1901, Regie Konstantin Stanislawski)) spielt in russischen Militärkreisen im 19. Jahrhundert. Der Originaltext und die ursprüngliche Handlung werden den sozio-ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen in keiner Weise gerecht.
Stone hat aber die dramaturgischen Eigenheiten von Anton Tschechow beibehalten! Er hat die Tschechowsche Dialogtechnik, Anfang des 20. Jahrhunderts revolutionär, in seinen Text übernommen. Es sind keine die Handlung vorantreibende Dialoge. Ebenso wie im Original gibt es keinen Handlungsstrang, welche auf einen dramatischen Umschwung, eine Lösung (Peripetie) hinführt. Genau so wenig findet man in Stones Regie, wie von Tschechow gewollt, keinen vorherrschenden Protagonisten. Nein: Auf  der Bühne sehen wir eine Ansammlung von „Nichthelden“. Die Monologe und Dialoge, welche sich zum Teil überschneiden, führen nirgendwo hin! Keiner hört dem anderen so richtig zu! Ein in der heutigen, sogenannten „Kommunikationsgesellschaft“ typisches Verhalten.

Die Personenführung von Simon Stone ist hervorragend. Die Schauspieler_Innen übertreiben nicht und verfallen nicht in unangebrachten Pathos. Die von Tschechow angestrebte Dialogtechnik mit präzisen, dramatisch wichtigen Pausen wird optimal nachvollzogen. Das sich dauernd drehende Ferienhaus gibt der Regie die Möglichkeit, die stillen, reflektierenden und die „agierenden“ Schauspielerinnen und Schauspieler zu zeigen. So vermeidet Stone gekonnt Langeweile und zeigt optimal das nichtsagende Nebeneinander im modernen,filmartigen Kontext.
Das Schauspielensemble zeigt in dieser Produktion eine hervorragende Leistung. Alle Mitspielenden arbeiten auf der gleich hohen, professionellen Ebene. Dies sind:  Barbara Horvath, Franziska Hackl, Liliane Amuat, Nicola Mastroberardino, Cathrin Störmer, Michael Wächter, Elias Eilinghoff, Simon Zagermann, Max Rothbarth, Roland Koch, Florian von Manteuffel.

Das Bühnenbild schuf Lizzie Clachan, die Kostüme hat Mel Page entworfen. Die hervorragende Musikzusammenstellung stammt von Stefan Gregory. Das Lichtdesign, stimmig und unaufdringlich, kreierte Cornelius Hunziker. Für die Dramaturgie zeichnet Constanze Kargl verantwortlich.

Das zahlreich erschienene Publikum belohnte Schauspielerinnen und Schauspieler mit lange anhaltenden, lautstarken Applaus. Dieser Applaus galt auch Regie und Ausstattung.

Peter Heuberger, Basel

 

 

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