Der Neue Merker

BASEL/ Theater Basel: 1001 NACHT – SINFONIEKONZERT. Sinfonieorchester Basel – Javier Perianes, Klavier, Soyoung Yoon, Violine – Michal Nesterowicz, Leitung

Basel: Theater Basel – „1001 Nacht“ – Sinfoniekonzert – Sinfonieorchester Basel – Javier Perianes, Klavier, Soyoung Yoon, Violine – Michal Nesterowicz, Leitung    –  22.11.17

 Rechtzeitig zur Adventszeit serviert das Sinfonieorchester Basel (SOB) unter der Leitung von Michal Nesterowicz mit seinem jüngsten Konzert mit einem gefälligen, jedoch in keinster Weise banalem Programm märchenhaften musikalischen Höchstgenuss. Das Konzert wird traditionsgemäss mit einem „Kennenlernschmankerl“ eröffnet. Heuer mit „Bajka (Das Märchen), fantastische Ouvertüre a-Moll (1848)“ aus der Feder des hierzulande weitgehend unbekannten polnischen Komponisten Stanislaw Moniuszko (1819 – 1872), dem „Vater der polnischen Oper“. Bereits schon hier fallen im SOB die feinfühlig und differenziert aufspielenden Streicher sowie die präzisen und reinen Holz- und Blechbläser besonders auf. Maestro Nesterowicz, dirigiert auswendig und führt das in bester Spiellaune musizierende Orchester durch präzise Einsätze souverän durch das Stück.

Beim „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 F-Dur, op. 108 (1896)“ macht der 1978 in Südspanien geborene Pianist Javier Perianes auf sich aufmerksam und begeistert nach dem sanften, quirlig-verspielten Beginn mit rauschenden Läufen und expressivem Spiel. Äusserlich wirkt der junge Musiker während seines Vortrages pragmatisch, ja beinahe unbeteiligt; seine ganze Konzentration richtet sich nach innen – und von innen heraus strömen dann auch die Emotionen in das Instrument. Perianes gestaltet grosse Klangbögen und zaubert feinste sensible musikalische Momente. Die Kommunikation zwischen Orchester und Pianist klappt perfekt. Die Emotionen und Akzente, welche der Pianist dem Orchester zuspielt, werden von diesem aufgenommen und weiter getragen. Dirigent Nesterowicz arbeitet auch die kurzen Soli aus dem Orchester sorgfältig heraus und sorgt dadurch für ein differenziertes Klangerlebnis. Das Konzert wird zu einem eigentlichen Ensemblestück – mit eben einem Solisten am Klavier.

„Sheherazade, op. 35 (Sinfonische Suite aus Tausendundeine Nacht ) (1885)“ von Nikolai Rimski-Korsakow ist wohl einer der Blockbuster der russischen Sinfoniemusik überhaupt. Entsprechend häufig wird dieses gefällige, populäre – und mörderisch schwere – Stück aufgeführt. Gross sind Gefahr und Versuchung, das Stück als effektvollen, knallend-lauten Klangrausch auf das Publikum niederprasseln zu lassen. Der auswendig dirigierende Michal Nesterowicz und das Sinfonieorchester Basel umschiffen diese gefährlichen Klippen gekonnt und begeistern mit differenziertem, sensibel phrasierten Spiel. Der Dirigent zaubert einerseits grosse leidenschaftliche Klangwellen aus dem Orchester und berührt mit feinen, zarten Piani. Nie entsteht musikalischer Einheitsbrei – der Orchesterklang bleibt von der ersten bis zu letzten Note transparent. Soyoung Yoon meistert mit viel Gefühl, Ausdruck und Virtuosität die fingerbrecherischen Violinen-Soli. Grossartig auch die übrigen Solisten des Orchesters. Besonders berührend Benedikt Schobel am Fagott mit einem besonders feinen, spannungsgeladenen Solo, meisterhaft Flötistin Julia Habenschuss, Klarinettist Aron Chiesa und Mathieu Turbé an der Posaune.

Zwei märchenhafte Konzertstunden werden mit langanhaltendem Applaus von den zahlreich erschienen Besuchern gefeiert.

Michael Hug

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