Der Neue Merker

BASEL/ Musical Theater Basel: GARRETT SPIELT TSCHAIKOWSKY – Sinfonieorchester Basel/Dennis Russell Davies. Virtuoser Garrett

BASEL/ Musical Theater Basel: GARRETT SPIELT TSCHAIKOWSKY – Sinfonieorchester Basel/Dennis Russell Davies. Virtuoser Garrett

Basel: Musical Theater Basel – Sinfonieorchester Basel– Dennis Russell Davies (Leitung) – „Garrett spielt Tschaikowsky“ –15.03.2017

Virtuoser Garrett

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David Garrett (Foto: Christopher Dunlop)
 
Der Saal des Musical Theater Basel ist bis auf den letzten Platz besetzt. Es herrscht eine ungewohnte Unruhe beim sonst eher gelassenen Abonnementspublikum des Sinfonieorchester Basel. Neben den Abonnenten sieht man auch viele unbekannte, zu einem grossen Teil junge Gesichter. Alle warten auf den im Vorfeld in den Medien „als Wunderkind“ gehypten StargeigerDavid Garrett. Doch die Programmverantwortlichen des SOB spannen das Publikum noch ein wenig auf die Folter. Denn Garrett tritt erst gegen den Schluss des Abends auf.

Eröffnet wird das Konzert mit Dmitri Schostakowitschs „Sinfonie Nr. 12 d-Moll“, welche die Geschehnisse der Oktoberrevolution von 1917 musikalisch nachzeichnet. Unter der Leitung vonDennis Russell Davies, von 2009 bis 2016 Chefdirigent des SOB, spielen die Musikerinnen und Musiker des SOB souverän auf. Schostakowitschs hochdramatische, pathetische, zuweilen romantischeKlänge werden wunderbarherausgearbeitet. Im zweiten Satz kommt geradezu ein Gänsehautgefühl auf. Dennis Russell Davies dirigiert sehr präzise und lässt esderart krachen, sodass sich einige Zuschauerinnen und Zuschauer gelegentlich sogar die Ohren zuhalten müssen. Leider ist die akustische Verstärkung nicht so geglückt: Perkussion und Blechbläser sind im Verhältnis zu den Streichern zu laut.
Zum Auftakt des zweiten Teils kommt das Publikum in den Genuss von Gioachino Rossinis frischer und lebhafter Ouvertüre zu „Guillaume Tell“. Spätestens bei der allseits bekannten galoppierenden Passage geht ein Raunen des Wiedererkennens durch den Zuschauerraum. Besonderes Lob gebührt dem Solo-Cellisten, der das Stück einleitet.
Dann ist endlich der Moment da, auf den alle gewartet haben: David Garrett betritt die Bühne; gewohnt leger gekleidet (schlichte, schwarze Hose, T-Shirt, schwarzes Sakko). Das wirkt sympathisch und bricht mit den strengen, traditionellen Konventionen. Garrett, der vor allem auch bekannt für seine Crossover-Projekte ist, widmet sich in Basel dem klassischen Konzertrepertoire. In Tschaikowskys „Violinkonzert op. 35“, eines der bekanntesten Solokonzerte überhaupt, spielt Garrett keck und gewitzt und brilliert mit einer bemerkenswerten Virtuosität, die das Publikum schon nach dem ersten Satz in Jubel ausbrechen lässt. Das Publikum ist begeistert. Euphorischer Applaus und Standing Ovation. Garrett bedankt sich bei seinen Fans mit sogar zwei Zugaben. Da fällt es auch fast kaum ins Gewicht, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer anstatt um 21.15 Uhr erst 30 Minuten später entlassen werden.

Carmen Stocker

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