Der Neue Merker

BASEL/ Münster: SINFONIEORCHESTER BASEL: Michał Nesterowicz (Leitung) – „Bruckner+ Cage und Haydn“

Basel: Münster – Sinfonieorchester Basel – Michał Nesterowicz (Leitung) – „Bruckner+ Cage und Haydn“ – 07.12.16, besuchte Aufführung: 08.12.16

In eisiger Höhe

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Voll im Temperament: Dirigent Michał Nesterowicz (Foto: Benno Hunziker)

Die verschiedenen Ersatzspielstätten, die während der Stadtcasino-Sanierung als Konzertort genutzt werden, erlauben uns, diverse Raumsituationen und Klangatmosphären kennenlernen und ausprobieren zu können. Bereits zum zweiten Mal gastierte das Sinfonieorchester Basel (SOB) im Rahmen seines „Bruckner +“-Zyklus im wunderschönen, stattlichen Basler Münster. Nach Marek Janowski war nun der Erste Gastdirigent Michał Nesterowicz an der Reihe, seine Bruckner-Interpretation vorzustellen. Den Abschluss macht dann im Juni Chefdirigent Ivor Bolton.

Von der ersten Reihe auf der Empore aus hatte man eine prachtvolle Sicht auf das prallgefüllte Mittelschiff. John Cages alleatorische Glockenmusik „Music for Carillon“ Nr. 2 und 3 (1954) bildete den Auftakt. Sie verwandelte den Kirchenraum, dessen Gewölbe in adventliches Dunkelrot getaucht war, in eine besinnlich-mystische Klangwelt. Dramaturgisch raffiniert konzipiert wurde ein nahtloser Übergang in der Art eines Vorspiels zu Joseph Haydns populärstem Trompetenkonzert geschaffen, dem ersten Konzert für die 1796 erfundene Klappentrompete. Beeindruckend interpretiert wurde das Stück vom sympathischen, jungen Waliser Huw Morgan. Er ist nicht nur der neue Solotrompeter beim SOB, sondern verfolgt darüber hinaus eine Solokarriere, ist Mitglied in einem Brass-Septett, studiert an der ZHDK und – wäre dies nicht schon genug – auch noch Teil-Inhaber eines Musikverlags. Morgan legte nicht nur einen technisch einwandfreien Auftritt hin, sondern überzeugte auch durch sein emotionales Spiel, das nie aufgesetzt wirkte. Die zarten Kantilenen im zweiten Satz gelangen ihm ebenso wie das abschliessende virtuose Rondo. Er erntete zu Recht einen grossen Applaus.

Weiter ging es mit Bruckners 1. Sinfonie. Nesterowicz dirigierte ohne Noten, schien den Bruckner aus dem Effeff zu kennen. Er wusste mit seinem energiegeladenen, emotionalen Dirigat Orchester (durchgehend souverän) und Publikum mitzureissen: kraftvoll im ersten, leidenschaftlich im zweiten und wild im dritten Satz. Das Publikum bedankte sich mit langanhaltendem Beifall.

Ein relativ unangenehmer Störfaktor muss zum Schluss doch noch Gehör finden. Das Konzert wäre noch viel berauschender gewesen, wenn im Münster nicht eisige Temperaturen geherrscht hätten. Zumindest auf der Empore war die Kälte dermassen zu spüren, dass man sich eher darauf konzentrierte, geräuschlos die Hände zu wärmen, als die volle Aufmerksamkeit auf die Musik zu richten. So fieberte man sehnlichst der heissen Suppe danach entgegen.

Carmen Stocker

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