Der Neue Merker

BASEL/ Grosse Bühnen: WILHELM TELL von Friedrich Schiller. Premiere

Theater Basel, Grosse Bühne:  Friedrich Schiller „WILHELM TELL“
Regie: Stefan Bachmann  Premiere: 23. Februar 2017

bas
 Pregler, Robert Dölle, Max Rothbart, Thiemo Strutzenberger, Simon Kirsch, Thomas Reisinger, Ilario Raschèr
                                                                  ©Simon Hallström
                       
„ ES ÄNDERT SICH DIE ZEIT“ (Friedrich Schiller, Wilhelm Tell), ebenso wie die Inszenierung von Stefan Bachmanns „WILHELM TELL“. Bachmanns Interpretation entlässt das zahlreich erschienene Premierenpublikum nach zwei Stunden ebenso atemlos wie seine Textbearbeitung von Schillers Werk daherkommt. Bachmann hat sehr wohl gekürzt, hat für das Werkverständnis unwesentliche Textpassagen gestrichen, hat aber die verwendeten Texte nicht verändert. Aber: Er lässt die fünfhebigen Jamben, die Blankverse von Friedrich Schiller, konsequent mit einem Beat rhythmisiert sprechen. Seine Rebellen, die Ur-Schweizer, heben sich so sprachlich vom Tyrannen Gessler ab. Dies ergibt eine sehr ungewohnte Sprachästhetik, welche bisher im 21. Jahrhundert vor allem in der Rap-Musik, dem Poetry-Slam zu hören war. Zusammen mit der Bühnenbild von Olaf Altmann, den Kostümen, entworfen von Jana Findeklee und Joki Tewes und der subtilen Musik, komponiert von den Basler Musikern Balthasar Streiff und Singoh Nketia ein eindrucksvolles Kunstwerk.

Die Zwiespältigkeit jeder Revolution, Rebellion, welche von Schiller in seinem Tell eindrücklich dargestellt wird, stellt die Frage nach dem Tyrannenmord, dem Widerstand gegen „legale“ Herrschaft, in den Mittelpunkt. Wann ist dieser Mord, Widerstand gerechtfertigt? Gibt es überhaupt eine Rechtfertigung?  
In der Regie des ehemaligen  Basler Schauspieldirektors Stefan Bachmann performen auf der Bühne:
Hermann Gessler: Thiemo Strutzenbacher
Als hervorragender Wilhelm Tell: Bruno Cathomas, Walther, Tells Knabe: Ilario Rascher
Werner, Freiherr von Attinghausen und  Berta von Bruneck: Nicola Mastroberardino
Ulrich von Rudenz: Simon Kirsch, Werner Stauffacher: Robert Dölle
Walter Fürst und Gertrud, Stauffachers Gattin: Wolfgang Pregler,
Rösselmann, der Pfarrer und Konrad Baumgarten: Thomas Reisinger
Struth von Winkelried und Hedwig, Tells Gattin: Justus Maier
Arnold von Melchthal und Armgart, eine Bäuerin: Max Rothbart
Schieferdecker: Benedikt Ocker

Ein moderner Tell, neuhochdeutsch „Tell reloaded“! Wiederum hat das Schauspielteam des Theater Basel unter der Ägide von Andreas Beck ein Werk auf die Bühne gebracht, welches zum Denken anregt, neue Impulse ins Theater bringt, ganz allgemein das Sprechtheater weiterentwickelt. Nach einer zeitgemässen Version von Tschechows  „DREI SCHWESTERN“ in der  Regie Simon Stone, einer Uraufführung von Tom Luz „INFERNO“ nach Dante beweist dieser Tell, dass im Sprechtheater auch klassische Werke  zeitgemäss inszeniert werden können, ja müssen. Das Publikum ist auch bereit, sich auf die modernen Inszenierungen einzulassen. Nur so kann Sprechtheater, das Theater ganz allgemein sich weiterentwickeln und seine Aufgabe als Beobachter der Gesellschaft wahrnehmen.

Das zahlreich erschienene Premierenpublikum belohnte Bachmanns zeitgemässe Sichtweise auf Schillers Wilhelm Tell mit frenetischem Applaus.

Peter Heuberger Basel

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