Der Neue Merker

BASEL: DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER von Erich Kästner

Theater Basel, kleine Bühne:  Erich Kästner „DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER“
Premiere: 1. Dezember 2016

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© Simon Hallström

„Der Unterricht wird zum Lokaltermin“. Dies sind Titelsong und auch Leitmotiv für diesen sehr jugendgerechten Theaterabend. Dieser Unterricht umfasst nicht nur Geografie, Musik und Mathematik. Wichtig ist die bespielhafte Gerechtigkeit des Lehrers, genannt Justus, die Solidarität und Kameradschaft der sieben Internatsschüler_innen, die Menschlichkeit des wiedergefundenen Freundes, alias Nichtraucher, Dr. Robert Uthofft (Daniel Wahl) und die Grossherzigkeit des Direktors Dr. Johann Bökh vulgo Justus (Tomas Schweiberer). Wesentlich auch die Aussage, dass Mut nicht durch Verrücktheiten bewiesen werden muss, sondern dass Mut eine persönliche, oft nicht sichtbare Eigenschaft ist.

Eine solche Begeisterung, Vorfreude, ein derartiges Mitmachen/Mitgehen des Publikums habe ich im Theater, Oper oder Sprechtheater, schon lange nicht mehr erlebt. Warum? Die Bühneneinrichtung durch Daniela Kranz und Sabrina Hofer ist Kinder/Jugendgerecht und folgt genau der Handlung des Romans von Erich Kästner. Man spürt, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen (ab sechs Jahren) die Geschichte genau kennen. Dazu kommt, dass die Daniela Kranz mit ihrer Regie die Reaktionen des Publikums vorausahnt. Des Weiteren werden die Besucher zum Mitmachen animiert. Dies ganz speziell bei der Schneeballschlacht. Die Schneebälle werden beim Eintritt verteilt. Die Gegner der Internatsschüler, das Publikum, unter der Führung Michael Egerland, werden von Jonnys sieben Freunden und Freundinnen herausgefordert. Die Schneeballschlacht beginnt und die Begeisterung ist gross, bloss fehlt sehr schnell die Munition (Schneebälle). „Ihr habt verloren“ tönt es von der Bühne!

Das Team unter der Regie von Daniela Kranz bot eine reife Leistung. Die sehr jungen Damen und Herren (Alter ca. 18 Jahre) haben eine professionelle Bühnenpräsenz und glänzen sowohl schauspielerisch als auch mit exzellenter Textsicherheit. Dies gilt ebenfalls für den Nichtraucher und Justus, die nicht so ganz jungen Semester auf der Bühne. Dazu kommt die reife Gesangsleistung der Internatsschüler. Die Musik für die Songs komponierte Jherek Bischoff. Auch die anderen Musikstücke wurden von ihm geschrieben.

Die sieben jugendlichen Hauptdarsteller sind: Jonathan (Jonny), Marie, Matthias (Matz), Ulrich (Uli), Sophie, Antonia (Toni) und Fridolin.
Ihr bürgerlichen Namen: Yves Mavambu, Hannah Spoerri, Julius Fintelmann, Jamiro Maritz, Yamila Klingler, Julia Nguyen und Max Gisler. Den schönen Theodor und Michael Egerland gibt Cedric Straub.
Zuständig für die Musik ist Oliver Rudin, der auch den Musiklehrer mimt. Die Musiker auf der Bühne: Etienne Abelin, Ola Sendecki, David Schnee, Lukas Raaflaub und Nicolas Stocker.
Sie begleiteten die Gesangsnummern gekonnt und sorgten auch untermalend für guten Ton.
Verantwortlich für Bühne und Kostüme: Viva Schudt

Der hochverdiente Schlussapplaus an dieser Premiere war laut und lange anhaltend. Ein wahrlich ergötzender, erfrischender Abend ist Geschichte. Bis zum 24. Dezember sind alle Vorstellungen ausverkauft. Dies spricht für die Idee, Kästners Roman auf die Bühne zu bringen.

Peter Heuberger Basel

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