Der Neue Merker

BASEL/ Baseldytschi Bihni : DR OTELLO DAARF NIT BLATZE – Heillos-herrliches Durcheinander in der Opernwelt

BASEL: DR OTELLO DAARF NIT BLATZE – Heillos-herrliches Durcheinander in der Opernwelt

Baseldytschi Bihni – Kellertheater im Lohnhof – Ken Ludwigs „DR OTELLO DAARF NIT BLATZE“ – Baseldeutsche Bearbeitung, Pr. 10.11.2016

ot
In Aufruhr: Egon Karter, Genevieve Saaresy, Maria, Haiggi, Max (von links nach rechts). Copyright: Foto-Mummo Basel

Zum 125-jährigen Jubiläum präsentiert die Baseldytschi Bihni Ken Ludwigs „Lend me a tenor“ („Otello darf nicht platzen“) in einer traditionsgemässen eigens für die Produktion angefertigten baseldeutschen Fassung. „Dr Otello daarf nit blatze“, so der baseldeutsche Titel, ist eine turbulente und witzige Verwechslungskomödie, die die Opernwelt und alles, was dazugehört, ordentlich auf die Schippe nimmt.
Ganz Basel ist aus dem Häuschen. Am Abend soll der weltbeste Tenor Tito Merelli im Stadttheater den „Otello“ geben. Die Frauenwelt, allen voran Meggi (Tochter des Direktors des Stadttheater Basel Egon Karter) und die verführerische Sopranistin Diana (beide auf ein Stelldichein hoffend), liegt ihm zu Füssen. Doch wie so oft verspätet sich der italienische Ehrengast. Egon Karter, piekfein im Nadelstreifenanzug (Kostüme im 1930er Jahre-Stil: Jolanda Trächslin) ist mit seinen Nerven schon komplett am Ende. Max, die rechte Hand des Direktors, versucht, seinen Chef zu beruhigen. Als Tito mit seiner stets eifersüchtigen Frau Maria endlich da ist, muss er sich erst einmal ausruhen. Szenische Vorproben kommen bei ihm nicht in die Tüte. Da er auf der Reise zu viel gegessen hat, klagt er nun über Bauchschmerzen und Übelkeit. Er nimmt eine ordentliche Portion an Tabletten ein und legt sich hin. Als es jedoch Zeit für den Auftritt wird, lässt sich Tito auch mit Müh und Not nicht mehr wachrütteln. Egon Karter und Max sind der festen Überzeugung, dass Tito tot sei. Was nun? Eines ist klar: Der Lappen muss hoch und das Publikum (insbesondere die Vorsitzende der Operngilde Julie Buurget) darf auf keinen Fall merken, was sich hinter der Bühne abspielt. So erhält Max seine grosse Chance, endlich selbst auf der Opernbühne zu stehen. Er gibt sich als Tito Merelli aus und übernimmt die Partie des Otello. Doch was passiert, wenn der totgeglaubte Sängerstar mitten in der Aufführung zu neuem Leben erwacht und versucht, sich gewaltsam Zugang zur Bühne zu verschaffen? Ein heillos-herrliches Durcheinander ist garantiert!
Schauplatz der Komödie ist eine Stadtwohnung in einem luxuriösen Apartmenthaus, das die grosszügige und neugierige Frau Genevieve Saaresy ihrem Idol Tito Merelli zur Verfügung stellt. Das Einheitsbühnenbild von Fidelio Lippuner besticht durch seine Zweiteilung, sodass simultan mehrere Handlungen vonstatten gehen können und das Publikum Zeuge von Konspirationen und Verwechslungen wird, die die anderen Figuren auf der Szene nicht mitbekommen, was zusätzliche Komik bewirkt.
Das Laienensemble der Baseldytschen Bihni bringt das Stück mit einer ungeheuren Spielfreude auf die Bühne, die das Publikum mitreisst. Bis in die kleinste Rolle hinein stimmt die Personenführung perfekt überein. Regisseur Tom Müller begnügt sich nicht nur mit schauspielerischen Glanzleistungen, sondern er lässt die Darstellenden gelegentlich auch ihr musikalisches Können unter Beweis stellen. Das Ensemble hat sich hierfür extra professionelle Hilfe geholt und Gesangsstunden genommen. So hören wir das grandiose Freundschaftsduett („Dio che nell’alma“) aus Giuseppe Verdis „Don Carlo“, das von den Darstellenden selbst eingespielt wurde. Andere Musiknummern werden sogar live auf der Bühne dargeboten. Beispielsweise serviert Haiggi, Genevieve Saaresys Sohn, Merelli Kaffee, während er den Grafen Orlofsky aus der „Fledermaus“ zum Besten gibt. Das Ergebnis lässt sich hören und sehen. Das Premierenpublikum bedankt sich mit euphorischem Applaus!

Carmen Stocker

Diese Seite drucken