Der Neue Merker

BADEN/ Stadttheater: DIE KAISERIN. Operette von Leo Fall

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Miriam Portmann in der Titelrolle mit Reinhard Alessandri als Gemahl der Kaiserin (Copyright: Christian Husar)

Operettenrarität in Baden: „Die Kaiserin“ von Leo Fall (Vorstellung: 21. 12. 2017)

Seit Jahren zeichnet sich die Operettenmetropole Baden auch mit der Ausgrabung selten gespielter Operetten aus. In dieser Saison gelang ihr im Stadttheater mit der Rarität „Die Kaiserin“ von Leo Fall ein besonderer Publikumserfolg. Das Werk – uraufgeführt im Jahr 1915 im Berliner Metropoltheater – entriss der derzeitige Badener Intendant Michael Lakner 2014 in einer halbszenischen Aufführung bei den Operetten-Festspielen in Bad Ischl der Vergessenheit.

Leo Fall (1873 – 1925) gehört zu den wichtigsten Komponisten der zweiten Epoche der Wiener Operette. Im informativ gestalteten Programmheft wird der Berliner Musikkritiker Erich Urban zitiert: „Leo Fall ist der Musiker, der Künstler, der Gestalter unter den modernen Operettenkomponisten.“ Zu seinen erfolgreichsten Operetten zählen Der fidele Bauer, Madame Pompadour, Die Dollarprinzessin, Rose von Stambul, Der liebe Augustin und Brüderlein Fein.

In Baden wird die Operette „Die Kaiserin (Fürstenliebe)“, deren Libretto Julius Brammer und Alfred Grünwald nach Franz Schönthans Lustspiel „Maria Theresia“ verfassten, zum Anlass des 300jähringen Geburtstags der Habsburger Ikone Maria Theresia in einer Inszenierung von Leonard Prinsloo gespielt.

In der Operette wandelt sich die junge Kaiserin Maria Theresia vom pubertierenden Teenager zur gereiften, abgeklärten Herrscherin, wobei diese Wandlung auch positive Auswirkungen auf ihr Verhältnis zu ihrem Ehemann Franz Stephan hat. Die lang andauernde Ehekrise, ausgelöst durch Franz Stephans Seitensprünge, weicht einer tiefgreifenden Versöhnung.

Die Inszenierung von Leonard Prinsloo kann man als ein Sittenbild einer dekadenten, intrigenreichen höfischen Gesellschaft verstehen.  Die geschmackvoll wirkenden, barocken Kostüme steuerte Devi Saha unter Assistenz von Julia Trybula bei, die eher sparsamen, aber attraktiven Bühnenbilder entwarf Su Pitzek.

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Eva Maria Marold, Miriam Portmann, Christoph Wagner-Trenkwitz. Copyright: Christian Husar

In der Titelrolle brillierte die Sopranistin Miriam Portmann stimmlich wie schauspielerisch. Beeindruckend ihre Arie im dritten Akt „Du, mein Schönbrunn“, die sie innig zum Besten gab. Ihr ebenbürtig der Tenor Reinhard Alessandri als fescher Gemahl der Kaiserin. Er nahm die oftmaligen Launen seiner Gattin nicht immer schmunzelnd hin. Als intrigante Gräfin Fuchs beeindruckte die als Kabarettistin bekannte Sängerin und Schauspielerin Eva Maria Marold, die auch optisch mit einem „tierischen“ Kopfschmuck aus der Reihe fiel.

Die Bichette genannte Prinzessin Adelgunde wurde von der adretten rumänischen Sopranistin Verena Barth-Jurca gespielt, die stimmlich ein wenig zu zurückhaltend war. Imposant Christoph Wagner-Trenkwitz in der Rolle des Grafen Kaunitz, der bei jedem Auftritt souverän wirkte und auch sehr wortdeutlich agierte. Humorvoll stellte der Bariton Thomas Zisterer den Grafen Pepi Cobenzl dar, während Beppo Binder, Daniel Ferlin und Sebastian Huppmann als die drei Gesandten in Gelb, Rot und Grün zu stark outrierten und dadurch eher als Karikaturen auf der Bühne wirkten.

Stimmkräftig agierte der Chor (Leitung: Michael Zehetner), tänzerisch kreativ wie immer das Ballett der Bühne Baden (Leitung: Michael Kropf). Das Orchester der Bühne Baden unter der routinierten musikalischen Leitung von Franz Josef Breznik brachte die vielschichtige Partitur des Komponisten nuancenreich zum Klingen.

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Kreativ wie immer zeigte sich das Ballett der Bühne Baden (Copyright: Christian Husar)

Das Publikum im fast ausverkauften Theater, das auch mit Szenenbeifall nicht geizte, dankte allen Mitwirkenden am Schluss mit lang anhaltendem Applaus. Man darf auf die nächsten Operettenproduktionen in Baden gespannt sein.

Udo Pacolt

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