BADEN/ Stadttheater: DAS FEUERWERK von Paul Burkhard

by ac | 6. Januar 2014 13:05

Operettenrarität vom Feinsten: „Das Feuerwerk“ von Paul Burkhard in Baden (Vorstellung: 5. 1. 2014)

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Zwei Idealbesetzungen in Baden: Dagmar Schellenberger als Iduna und Katrin Fuchs als Anna (von links) in Paul Burkhards Operette „Das Feuerwerk“ (Foto: Chrsitian Husar)

 Die Operettenmetropole Baden wartete im Stadttheater mit einer besonders feinen Rarität auf: „Das Feuerwerk“ von Paul Burkhard (1911 – 1977). Die musikalische Komödie des Schweizer Komponisten, die im Zirkusmilieu spielt und deren Libretto Erik Charell und Jürg Amstein nach dem Lustspiel „Der schwarze Hecht“ von Emil Sautter verfasste, wurde 1950 in München uraufgeführt. Der große Publikumserfolg des Werks, der vor allem auf das populär gewordene Lied „O mein Papa war eine wunderbare Clown“ zurückzuführen war (die Gesangstexte schrieben Jürg Amstein und Robert Gilbert), zog auch eine Verfilmung nach sich.  

Der Inhalt in Kurzfassung: Der Fabrikant Albert Oberholzer feiert in seiner Villa den 60. Geburtstag, zu dem nicht nur die geladene Verwandtschaft eintrifft, sondern auch das „schwarze Schaf“ der Familie, der jüngste Bruder Alexander mit seiner Frau Iduna. Als Direktor des Zirkus Obolski fasziniert er seine Nichte Anna, die bald von einem Leben in der Zirkuswelt träumt und die Familie verlassen will. Dies versucht der in sie verliebte Gärtner Robert zu verhindern. – Inzwischen hat Iduna die männlichen Verwandten sosehr bezaubert, dass die eifersüchtigen Ehefrauen sie aus der Villa werfen wollen. Als der Gärtner Robert Iduna seine gefährdete Liebe zu Anna gesteht, erzählt sie dem jungen Mädchen, dass sich hinter dem Zirkusglanz auch viele Schattenseiten verbergen. Anna erkennt, dass sie doch nicht für die Zirkuswelt geschaffen ist, worüber ihr Vater so glücklich ist, dass er ihr den Segen zur Verlobung mit Robert erteilt.

Karina Fibich schuf eine flotte Inszenierung, in der die beiden Welten eines herrschaftlichen Hauses und eines Zirkus geschmackvoll und mit vielen hübschen Details auf die Bühne (Ausstattung: Roswitha Wilding-Meisel) gezaubert wurden. Die gute Personenführung und die kreative Choreographie  (Rosita Steinhauser) der Tanzszenen rundeten die publikumswirksame Produktion ab.

Star der Aufführung war die Sopranistin Dagmar Schellenberger, die 2012 die Intendanz der Seefestspiele Mörbisch übernommen hat. Sie beeindruckte nicht nur mit ihrem Charme, dem die Männer reihenweise verfallen, sondern auch mit ihrer exzellenten Stimme. Wunderbar gesungen das reizende Pony-Lied sowie der Schlager der Operette „O mein Papa“. Beide Male erntete sie verdienten Szenenapplaus des begeisterten Publikums. Ihr ebenbürtig war die junge Soubrette Katrin Fuchs als Anna, die mit einem Feuerwerk an Temperament aufwartete, das kaum zu überbieten ist. Das Lied „Heute hab‘ ich Flügel“ schien ihr auf den Leib geschrieben – eine Idealbesetzung für die zirkusbegeisterte Anna! Ihren Freund Robert stellte der junge Buffotenor Andreas Sauerzapf dar, der um ihre Liebe nicht weniger temperamentvoll kämpft.

 Als Zirkusdirektor Alexander Obolski spielte der Tenor Kurt Schreibmayer seine starke Bühnenpersönlichkeit trefflich aus. Er überzeugte sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch. Köstlich Heinz Zuber als Onkel Gustav, der als Clown Enrico die Lachmuskeln der Zuschauer strapazierte, und Gabriele Schuchter als Tante Paula. In der Rolle der Köchin hatte die Sopranistin Katharina Dorian einige brillante Szenen, rollengerecht auch Ingrid Habermann und Franz Josef Koepp als Mutter und Vater von Anna.

Für die Zirkusatmosphäre sorgten in den Akrobat- und Jongleur-Szenen Gudrun Zimmermann und Daniel Morelli. Das Orchester der Bühne Baden brachte unter der Leitung von Michael Zehetner die Partitur des Komponisten mit seinen rhythmischen Klängen und publikumswirksamen Ohrwürmern hervorragend zur Geltung. Das Badener Publikum dankte am Schluss allen Mitwirkenden mit lang anhaltendem rhythmischem Applaus und auch mit Bravo-Rufen für die Hauptdarsteller.

 Udo Pacolt

 PS: Wer an dieser exzellenten Produktion in Baden Interesse hat, kann Burkhards Feuerwerk noch am 11., 12., 24., 30. oder 31. Jänner sehen.

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