Der Neue Merker

BADEN-BADEN: SILVESTER-GALA

Baden-Baden: „SILVESTER-GALA“ 31.12.2016

Piotr Beczala-Sonya Yoncheva-Domingo Hindoyan (c) Manolo-Press
Piotr Beczala, Sonya Yoncheva, Domingo Hindoyan. Copyright: manolo-press

Zur festlichen Silvester-Gala hatte das Festspielhaus geladen und präsentierte zwei illustre Stars der internationalen Opernszene: die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva sowie ihren polnischen Tenorkollegen Piotr Beczala.

Spritzig, süffisant wie Champagner  leitete der temperamentvolle Dirigent Domingo Hindoyan am Pult der vortrefflich transparent musizierenden Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern mit der schwungvollen Ouvertüre zu „Zampa“ (Louis-Ferdinand Hérold) den musikalischen Jahresausklang ein.

Den gesangssolistischen Reigen mit vier Szenen aus „Faust“ (Charles Gounod) eröffnete Piotr Beczala mit Salut! Demeure chaste e pure,  mühelos strömend in allen Lagen, glanzvoll im Höhenstrahl erblühte sein herrliches Tenormaterial. Mehr dramatisch denn lyrisch gestaltete Sonya Yoncheva  die Marguerite und ließ mehr die Pailletten ihrer Robe statt der Sopran-Juwelen blitzen. Nach dem in musikalischer Verve beflügelten  „Faust-Walzer“ vereinte sich das Paar intensiv zum kultiviert interpretierten Duett Il se fait tard, adieu.

Für meinen Geschmack fehlte Yonchevas Sopran, wie ich im Verlauf des Abends zunehmend resümierte das spezifische Timbre, der weiche Schönklang. Unüberhörbar fordert auch Beczalas natürliche Stimmentwicklung ihren Tribut: reifte die Mittellage sehr positiv zu ansprechender Intensität, schwanden teils die einst betörenden Schmelz-Kantilenen.

Gleich einem Vitaminstoß servierte der brasilianische Dirigent mit dem bestens disponierten Klangkörper die Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ von Franz von Suppé danach geleitete das Paar mit dem emotional-dramatischen Duett  Toi? Vous? Qui, c´est moi  aus „Manon“ (Jules Massenet) in die Pause.

In farbenreicher ungeheurer Plastizität animierte Domingo Hindoyan die saarländisch-pfälzische Orchester-Fusion  in steter Steigerung zu effektvoll-instrumentaler Textur  instrumentaler Exponate aus „Carmen“ (Georges Bizet) und lockte das Publikum endgültig aus der Reserve. Weniger lasziv, mehr von jugendlich-dramatischem Stimmcharakter geprägt versuchte sich Sonya Yoncheva mit der Habanera. In kultivierter Deklamation, vollendeter Phrasierung bestach Piotr Beczala mit dem individuellen Bekenntnis La fleur que tu m´avais jetée. Traumverloren, wunderbar schmerzvoll-melancholisch harmonisierten die beiden Künstler sodann mit Va! Je t´ai pardonne…Nuit d´hyménée als „Romeo et Juliette“ (Gounod) und steigerten sich in den vokalen Liebesrausch.

Mit Esprit und höchst konzentriert interpretierten Orchesterklängen verabschiedete man sich vom „seriösen“ Programmteil mit der Ouvertüre zu „Die Fledermaus“ (Johann Strauß) und servierte gekonnt beliebte Ohrwürmer der klassischen Operette. Tenoral glanzvoll bekundete Beczala Freunde das Leben ist lebenswert  aus „Guiditta“ und brachte die Herzen der Damen mit  Dein ist mein ganzes Herz (Franz Léhar) zum Schmelzen.  Leuchtend –hell beschwor Yoncheva im Dreivierteltakt Ò Paris, gai séjour der Opéra-bouffe „Les Cent Vierges“ (Charles Lecocq)  und servierte in Primadonnen-Attitüde  La vie en rose (Piaf/Louiguy).

Das in Feierlaune animierte Publikum überschüttete alle Mitwirkenden mit überreichem Beifall und Bravochören und wurde  mit zwei Duett-Zugaben revanchiert:  Lippen schweigen (Lehar) sowie dem publikumswirksamen Dauerbrenner „Traviata-Brindis“ (Verdi).

Gerhard Hoffmann

 

Diese Seite drucken