Der Neue Merker

BAD WILDBAD/ Rossini-Festival: „AURELIANO IN PALMIRA“ / „MAOMETTO SECONDO” / “EDUARDO E CRISTINA” /

ROSSINI IN WILDBAD 2017

„AURELIANO IN PALMIRA“ (14.7.),  „MAOMETTO SECONDO” (15.7.),  “EDUARDO E CRISTINA” (16.7.)

Aureliano in Palmira Ensemble Rossini in Wildbad 14.7.17
Aureliano in Palmira: das Ensemble mit Juan Francisco Gatell und Silvia Dalla Benetta in der Mitte. Copyright: Andreas Kühn

Auch bei fast 40 verfügbaren Opern eines Komponisten muss ein Festival, das nun bereits seine 29. Saison erlebt hat, auf bereits gespielte Werke zurück greifen. Ganze 18 Jahre vor dem größeren Schwestern-Festival in Pesaro hat Bad Wildbad die am zweiten Weihnachtsfeiertag 1813 an der Mailänder Scala uraufgeführte, auf teils historischer Wirklichkeit beruhende Oper „AURELIANO IN PALMIRA“ erstmals in Deutschland präsentiert und einen Mitschnitt als Welt-Ersteinspielung veröffentlicht. War die Partie des Arsace damals als einzige von Rossini für einen Kastraten geschriebene Rolle tatsächlich mit einem solchen besetzt worden, so fiel jetzt die Entscheidung auf einen Mezzosopran.

Für die frühe Schaffensperiode des Komponisten weist diese historische Oper eine im Vergleich zum unmittelbar vorangegangenen und wesentlich populärer gewordenen „Tancredi“ schon recht fortschrittliche Struktur auf. Das betrifft vor allem die Aufweichung des damals noch bestimmenden Nummernsystems durch das Ineinanderfliessen von Rezitativen, Ariosi und Ensemble-Abschnitten. Nur das der damaligen Tradition verpflichtete lieto fine des zweiten Aktes fällt als künstlich angehängtes, auf die Hauptrollen verteiltes Ritornell deutlich von der sonstigen Qualität des Stückes ab, das als auffälligste Erscheinung ein Violinsolo über gezupften Streichern sowie in der Ouvertüre, der Introduktion und einer Stretta Themen aus dem späteren „Barbiere di Siviglia“, teilweise rhythmisch in den Akzenten verändert, enthält. Somit ist dieses Stück auch ein markantes Beispiel für Rossinis häufig angewandte Wiederverwendung von melodischen Eingebungen, die er für wertvoll genug erachtete, sie in veränderter Gestalt erneut einzusetzen anstatt sie durch Misserfolge zu begraben.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Machtkämpfe zwischen der syrischen Königin Zenobia und dem römischen Usurpator Aureliano, der wieder einmal vor den Toren Palmiras steht. Als Druckmittel benutzt er den persischen Prinzen Arsace, den  Zenobia liebt und heiraten möchte. Nach Gefangenschaft und Appell von Publia, der Tochter des einstigen römischen Kaisers Valeriano, um Milde, wenn Arsace, die sie selbst heimlich liebt, nur am Leben bleibt, verzichtet Aureliano im Bewusstsein seines eigenen Rufes auf Rache, gibt dem Paar seinen Segen und ihnen ihre Reiche zurück – mit der einzigen Bedingung, ihm und Rom künftig treu Gefolgschaft zu leisten. Die Entscheidung für eine konzertante Aufführung erwies sich als vollkommen ausreichend, zumal ein häufiger Szenenwechsel die begrenzten Möglichkeiten auf der Trinkhallen-Bühne zu erheblichen Kompromissen geführt hätte. Ein Ensemble, das vor allem in den Hauptpartien um weit über rein technische Belangen hinaus reichenden Ausdruck bemüht ist, genügte vollkommen, Rossinis ernstes Frühwerk in ein angemessenes Licht zu rücken.

Juan Francisco Gatell führte als Titelrollen-Interpret die Solisten mit attraktivem, farbenreich timbriertem Tenor beinahe verführerisch an. Mit kerniger Tongebung einerseits und geschmeidiger Flexibilität sowie freiem und in den Fluss eingebundenem Spitzenregister andererseits wird er allen Anforderungen an diese Herrscherrolle gerecht. Das tut auch Silvia Dalla Benetta  als seine Gegenspielerin Zenobia mit einem gut präparierten Zwischenfachsopran, deren lyrisch-dramatisches Potenzial in Verbindung mit virtuoser Beweglichkeit sie zuverlässig abrufen kann und dabei alles mit engagiertem, emotional erfülltem Ausdruck verbindet. Marina Viotti, die Tochter des viel zu früh verstorbenen Dirigenten erreichte als Arsace noch nicht diese Geschlossenheit. Zwischen betörend belcantesken Phasen und viel jugendlicher Emphase neigt ihr Mezzosopran immer wieder zu einem schartigen Beiklang, vor allem in den Höhenaufschwüngen, der auf eine noch nicht ausreichend gestützte stimmliche Basis schließen lässt. Die durchaus viel versprechende Künstlerin sollte aufpassen, ihr grundlegend gutes und viel versprechendes Material nicht schon in jungen Jahren zu verheizen.

Ana Victoria Pitts konnte vor allem in der Arie kurz vor Schluss Publias Ringen um den Verzicht auf Arsace mit ausgeglichen dunklem Mezzosopran bewegend Gehör verschaffen. Der aus vergangenen Jahren bekannte Bassist Baurzhan Anderzhanov gab dem Hohepriester der Isis ebenfalls in einer Arie ein solides funktionelles Gewicht. Von den beiden Stipendiaten der Belcanto-Akademie ist Xien Xu als palmirischer Heerführer Oraspe mit klar geführtem Tenor seinem Kollegen Zhiyuan Chen als Tribun Licinio mit noch etwas streng an den Noten klebendem Bass schon etwas voraus. Der bereits bewährte Festspielchor, der Camerata Bach-Chor Poznan (Einstudierung: Anja Michalak), machte ganz besonders im idyllischen Schäferchor, einem Herzstück der Partitur, mit filigraner Tongebung und ansonsten guter Ausgewogenheit in den Stimmgruppen auf sich aufmerksam. José Miguel Pérez Sierra leitete die nun auch schon vielfach als Festivalensemble eingesetzten Virtuosi Brunensis  im sicheren Ausgleich zwischen durchgehender rhythmischer Dynamik und vokaler Stütze sowie beherztem Eingreifen dort, wo Passagen in einer gewissen Gleichförmigkeit oder schwächerer Ausprägung zum Durchhängen neigen.

Maometto secondo Balbo,Palazzi Rossini in Wildbad 15.7.17_9382
Maometto secondo:  Elisa Balbo (Anna) und Mirco Palazzi (Sultan). Copyright: Patrick Pfeiffer

Das Hauptwerk des diesjährigen Festivals bildete „MAOMETTO SECONDO“; Rossinis 1820 als vorletzte für Neapel komponierte Oper – nicht nur, weil sie szenisch einstudiert wurde, vielrmehr weil sie im Schaffen des Pesareser Meisters einen heraus ragenden Platz einnimmt und mit einem absolut Festspiel würdigen Ensemble sogar einen der Höhepunkte in der nun bald 30jährigen Geschichte des Festivals markiert. Das Nummernschema ist hier mit wenigen Ausnahmen zugunsten einer große Szenen umspannenden musikdramatischen Form gewichen, Szenenwechsel erfolgen teilweise durch direkte musikalische Überleitungen. Im Vergleich erscheinen die gut 20 Jahre später entstandenen Frühwerke Verdis als rückständig konventionell. Auch das von Cesare Della Valle eingerichtete Libretto genügt höheren Ansprüchen als den meisten der Belcanto-Zeit.

Auch in diesem Stück steht letztlich ein sich ins Privat-Individuelle nieder schlagender Religionskrieg im Mittelpunkt. Der Sultan Mohamed hat sich unter dem Namen Uberto in Korinth in Anna, die Tochter des Negroponte regierenden venezianischen Statthalters Paolo Erisso, verliebt und steht nun vor den Toren der venezianischen Kolonie. Er entdeckt in dessen Tochter  die Geliebte und fordert sie auf ihm zu folgen. Erisso lehnt das Angebot des Sultans, durch ein kaiserliches Siegel unter schützendem Geleit zu stehen, aus verletzter Ehre ab. Erst als Anna bekennt, dass sie den Sultan liebe, aber Uberto als Lügner verachte, und sie sich lieber opfert als sich ihm hinzugeben, lenkt der Vater ein und vermählt sie auf ihre Bitten noch mit dem sie heimlich liebenden führenden General Calbo, der bislang als ihr Bruder ausgegeben wurde. Statt vor den Muselmanen zu fliehen, tötet sie sich selbst vor dem rachsüchtigen Mohamed. Eine Handlung mit vielen extremen Situationen der Zerrissenheit, deren Potenzial für eine kühn angelegte Komposition Rossini voll erkannt und die bisherige Funktion des Orchesters als eigenständiger Ausdrucksträger erheblich erweitert hatte.

Maometto secondo Yarovaya Rossini in Wildbad 15.7.17_9610
Virtuoser Glanzpunkt: Victoria Yarovaya als General Calbo, links Merto Sungu als Erisso. Copyright: Patrick Pfeiffer

Trotz der geringen technischen Möglichkeiten der Bühne in der Trinkhalle ist es Intendant Jochen Schönleber als Bühnenbildner gelungen, Außen- und Innenschauplätze mit geringen Andeutungen zu markieren und durch das Drehen einer Betonwand schnelle Szenenwechsel zu ermöglichen. Nur einmal wird dieser Vorgang ohne erkennbaren Sinn überstrapaziert. Eine einstöckige Galerie mit einer Treppe (etwas ungeschickt nach hinten anstatt nach vorne abgehend) taugt als wandlungsfähige Auf- und Abtritt-Funktion des Chores. Die Kostüme von Claudia Möbius kontrastieren zwischen grauen Uniformen, den etwas plakativ gezeigten in Schwarz gehüllten Muselmanen und der Farbenfreude der Haremsdamen. Als Regisseur findet Schönleber immer wieder zu dichten Momenten der Konfrontation, des Nachsinnens oder auch des Hin- und Hergerissenseins wie im zentralen Duett zwischen dem Sultan und Anna. Erfreulicherweise bleiben Überspitztheiten oder auch die Unterstützung durch heute so verbreitete Video-Zuspielungen ausgespart.

In der einstigen Glanzpartie Samuel Rameys (mit Erstseinspielung auf Tonträgern) braucht sich Mirco Palazzi  keinen Moment hinter diesem zu verstecken. Der gut aussehende und in jedem Moment sowohl als Machtbesessener wie als Liebender natürlich überzeugende Italiener erzielt mit seinem schön durchgebildeten Bass-Bariton eine verführerische Kraft, die sich zum einen aus einer unforcierten Tiefe, einem männlich potenten Kern sowie zum anderen aus mühelos erreichten Höhen und einer manchmal Schwindel erregenden Koloratur-Flüssigkeit speist. Auch die sanften Töne kommen an einigen erforderlichen Stellen nicht zu kurz. Ein ähnliches Bravour-Feuerwerk an Verzierungen servierte die bereits in den Vorjahren aufgefallene Victoria Yarovaya in ihrer großen Arie, in der sie gegenüber Erisso die Standhaftigkeit seiner Tochter verteidigt. Riesige Tonsprünge von Kontraalt-Tiefen bis zu dreigestrichenen Spitzen-Attacken, verbunden mit schnellen und sich crescendo-artig steigernden Läufen beherrscht die Russin geradezu spielerisch und legt ihre Rollengestaltung mit einer ruhigen Oberfläche an, unter der die Emphase des Ausbruchs zu spüren ist. In der eigentlichen Hauptrolle als Anna stellte sich Elisa Balbo erstmals in Bad Wildbad vor und imponierte nebst ihrer gertenschlanken Größe als empfindsame Interpretin wie als technisch allen Anforderungen gewachsener Sopran. Im Laufe der Vorstellung verschwanden auch anfängliche Anklänge von Schärfe, die reibungslose Verknüpfung von Belcanto-Stil und dramatischer Zuspitzung entsprach genau der Rollen-Anlage. Ebenfalls neu im Festspiel-Ensemble präsentierte sich der türkische Tenor Merto Sungu und feierte als Erisso dank seiner präsenten, als Machthaber wie als Vater überzeugenden Erscheinung und seiner einem Baritenor würdig unterfütterten und die gehaltvollen Rezitative mit kraftvoller Spannung füllenden Stimme einen begeistert akklamierten Einstand. Lediglich die Höhen dürften noch etwas an Geschmeidigkeit gewinnen. Mit apartem Timbre und geschmackvoller Phrasierung empfahl sich der kongolesische Tenor Patrick Kabongo Mubenga in zwei Rollen aus den beiden gegenüberstehenden Lagern. Der Festspielchor füllte die Bandbreite seines Parts vom Gebet bis zum Sturm der Entrüstung gebührend aus, und das Orchester kostete die

tonmalerisch reiche wie kammermusikalisch differenzierte und dramatisch zugespitzte instrumentale Anlage unter der sicheren Steuerung und Formung des musikalischen Festival-Leiters Antonino Fogliani hinreichend aus.

Eduardo e Cristina Tarver, Polverelli, Gelmetti, Dalla Benetta Rossini in Wildbad 16.7.17
Eduardo e Cristina: die Protagonisten mit Maestro Gianluigi Gelmetti in der Mitte. Copyright: Andreas Kühn

Nur eineinhalb Jahre vor dem Maometto erlebte „EDUARDO E CRISTINA“ seine Uraufführung im Teatro San Benedetto in Venedig. Als Pasticcio aus mehreren erfolglosen Opern wie „Adelaide di Borgogna“, „Ricciardo e Zoraide“ und der kurz zuvor durchgefallenen „Ermione“  hatte das Stück damals einen so großen Erfolg, dass es für rund 20 Jahre in den internationalen Spielplänen (sogar New York und St. Petersburg) zu finden war. Heute gilt sie als Rossinis vergessene Oper, die vor genau 20 Jahren in Bad Wildbad zum ersten Mal in moderner Zeit wieder ausgegraben und natürlich auch mit einem Tonträger-Mitschnitt veröffentlicht wurde. Das Stück enthält ungeachtet ihres Zusammenschnitts einige musikalische Perlen und lässt wieder einmal mit Bewunderung feststellen, welch verschiedene stilistische Details und Formen im Einsatz der Holzbläser oder in der rhythmischen Unterstützung der Streicher der Komponist trotz aller Parallelen und Ähnlichkeiten beherrschte und so jedem seiner Werke ein eigenes Gepräge gab. Auch die Handlung ruht nicht auf einer geschlossenen Vorlage, sondern vereint dem damaligen Publikum vertraute Motive bürgerlicher und adliger Tradition. Eduardo, der General der schwedischen Streitmacht, lebt in geheimer Ehe mit der Königstochter Cristina sowie einem gemeinsamen Kind. Ihr Vater Carlo möchte sie mit dem schottischen Prinzen Giacomo verheiraten, obwohl Eduardo das Land gegen die einfallen Russen erfolgreich verteidigt hat. Cristinas Zögern und seltsames Verhalten signalisiert Giacomo die Existenz einer anderen Liebschaft, der König jedoch wird erst durch ein Dazwischenplatzen des Kindes und das Geständnis der Tochter auf die Situation aufmerksam. Die Identität des Vaters bleibt zunächst dank ihrer Standhaftigkeit verschwiegen, bis sich Eduardo selbst stellt und sein Leben anbietet um Frau und Kind zu retten. Der nach Blutrache heischende König möchte sie jedoch alle dem Tod überantworten und lässt sie zuvor einsperren, Erst nachdem Eduardo befreit wird, einen erneuten Angriff der Russen abwehren kann und immer noch zum Sterben bereit ist, zeigt sich der König versöhnt und vereint die Familie.

In den beiden Titelrollen bildeten die erneut geforderte Silvia Dalla Benetta als Cristina und Laura Polverelli als Eduardo eine Besetzung auf Augenhöhe – beide mit typisch italienischen Stimmen, einer gewissen Farbe im Timbre, einer Flexibilität zwischen Lyrischem und Dramatischem und mit einer emotionalen Ausgestaltung, die aus den charakterlich eher schemenhaften Figuren solche aus Fleisch und Blut und werden lässt und damit auch dem konzertanten Rahmen der Aufführung Anteil nehmende Lebendigkeit gibt. Sopran und Mezzosopran mischen sich in den Duetten vorzüglich und lassen auch über geringfügige unebene Ansätze und flache Töne hinweg hören. Wirklich keinen Makel zeichnete die Leistung von Kenneth Tarver aus, der mit seiner unvermindert kultivierten und 

aparten Tongebung in allen Lagen und über große Registerläufe hinweg den König in jedem Moment adelte, obwohl er in seinem Handeln (Gefangennahme der Tochter, Bedrohung des Enkels mit dem Schwert) nur verachtenswert ist. Der Vortrag des Tenors bleibt ein Belcanto-Genuss erster Güte. Baurzhan Anderzhanov konnte in der stiefmütterlichen Rolle des erfolglosen Giacomo immerhin erneut auf seinen weich grundierten Bass und Xian Xu als Eduardos Vertrauter Atlei auf einen gut gestützten und klar ansprechenden Tenor aufmerksam machen. Der Festspielchor füllte seine oft geschlechtlich geteilten und meist kommentierenden Einsätze lebhaft und nuanciert aus. Besondere Ehre wurde dieser Wiederaufführung durch das Engagement von Gianluigi Gelmetti am Pult zuteil. Der Rossini-Experte strafte sein Alter Lügen, in dem er für eine unter stetiger Spannung und immer straffen, aber wo erforderlich auch lockeren Zügen stehende Wiedergabe garantierte, und die Virtuosi Brunensis zu markanten Akzenten anstachelte. Für seinen Einsatz um das Werk  Rossinis wurde der italienische Dirigent im Rahmen des Festivals mit dem erstmals vergebenen Preis „Rossini alla cima“ ausgezeichnet.

Nicht besucht werden konnte die szenische Einstudierung der Farce „L’OCCASIONE FA IL LADRO“ im Kurtheater durch den Intendanten unter der Leitung von Antonino Fogliani mit Lorenzo Regazzo und wiederum Kenneth Tarver in den Hauptrollen, auch nicht die Salonoper „LE CINESI“ des Tenors Manuel Garcia als Gastspiel des Maggio Musicale Fiorentino, stattdessen aber eines der beliebten Konzerte „ROSSINI & CO.“ im Kurtheater, in denen sich die Teilnehmer der Rossini-Akademie unter dem Vorsitz von Raul Gimenez und Lorenzo Regazzo solistisch zu Klavierbegleitung präsentieren können und dem Publikum damit auch eine weitere Gelegenheit geben, einen möglichen Gewinner des jährlich vergebenen Belcanto-Preises für sich zu küren. Im Konzert am 16.7. vormittags waren es drei junge Künstler, die mit ihren Beiträgen besonders heraus stachen: die Mezzosopranistin Margherita Tani als Bellini-Romeo durch eine bemerkenswert reife und ausgeglichene Technik gepaart mit innerer Beteiligung, der amerikanische Bariton Gabriel Alexander Wernick als gut gelaunt im Zuschauerraum mit dem Publikum kommunizierender Guglielmo („Cosi fan tutte“ ) mit biegsamer und ansprechend timbrierter Stimme sowie sein Fachkollege Roberto Maietta als vokal-darstellerisch lockerer Rossini-Figaro und köstlicher Canzonen-Unterhalter mit Strohhut.

Eine Hommage an den bedeutenden Belcanto-Bariton Antonino Tamburini mit dem in Bad Wildbad durch mehrfache Einsätze bekannten Vittorio Prato rundete das Hauptprogramm ab. Nun dürfen wir gespannt sein, was sich die Festivalmacher, darunter der unermüdliche Rossini-Spezialist Reto Müller für die 30. Ausgabe des Festivals einfallen lassen, das dann gleichzeitig den 150. Todestag des Komponisten feiert.

 Udo Klebes

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