Der Neue Merker

BAD WILDBAD: ADINA OSSIA IL CALIFFO DI BAGDAD

Belcanto Opera Festival in Bad Wildbad: „Adina ossia Il califfo di Bagdad” von Rossini (Vorstellung: 15. 7. 2012)


Als ein großes Talent entpuppte sich Marija Jokovic in der Rolle der Adina (Foto: Patrick Pfeiffer)

Im Rahmen des Belcantofestivals Rossini in Wildbad 2012 kam unter anderen die Farsa semiseria „Adina ossia Il califfo di Bagdad“ von Gioacchino Rossini zur Aufführung, wobei in der Nachmittagsvorstellung am 15. Juli mit einer jungen Besetzung gespielt wurde. Die Idee, auch dem Nachwuchs eine Chance zur Profilierung zu geben, ist äußerst begrüßenswert und wurde vom Publikum auch voll angenommen.

Der Inhalt der nur selten gespielten Oper in einem Akt, deren Libretto von Gherardo Bevilacqua-Aldobrandini stammt und die 1826 in Lissabon uraufgeführt wurde, in Kurzfassung: Adina, die ihre Jugendliebe Selimo für tot hält, steht vor der Hochzeit mit dem Kalifen von Bagdad. Als Mustafà, der Gehilfe des Gärtners, sie mit dem Totgeglaubten zusammenbringt, bittet sie den Kalifen um Aufschub der Hochzeit. Doch Ali, der Vertraute des Kalifen, unterrichtet seinen Herrn über das heimliche Treffen Adinas mit einem Fremden. Misstrauisch geworden, lässt der Kalif das Serail überwachen. Als Adina mit Selimo fliehen will, lässt er die beiden festnehmen und ordnet die Hinrichtung Selimos an. Adina fällt in Ohnmacht, worauf den Kalifen neues Mitgefühl packt. Er entdeckt an ihrem Halsband ein Medaillon mit seinem Bildnis, das er seiner verstorbenen Gemahlin Zora geschenkt hatte und die Inschrift trägt: Adinas Vater. Der Kalif begreift, dass sie seine Tochter ist und verhindert die Hinrichtung Selimos. Glückliches Ende für alle.

Antonio Petris, der für Regie und Bühne verantwortlich war, gelang mit einfachen Mitteln ein orientalisches Ambiente auf die schmale Bühne zu zaubern, auf der das junge Ensemble mit großer Spielfreude agierte. Die dazu passenden, vor allem in Schwarz-Weiß gehaltenen Kostüme entwarfen Marco Nateri und Claudia Möbius. Sehr hilfreich waren die deutschen und italienischen Übertitel (Reto Müller).

Eine reife Leistung bot die serbische Mezzosopranistin Marija Jokovic, die in den letzten Jahren Preisträgerin verschiedener internationaler Opernwettbewerbe war. Stimmlich erstklassig, gestaltete sie die Rolle der Adina auch darstellerisch hervorragend, wobei ihre ausdrucksstarke Mimik hervorstach. Eine internationale Karriere scheint ihr sicher. In der Rolle des Kalifen von Bagdad konnte der Bariton Raffaele Facciolà durch seine kraftvolle, sonore Stimme und sein „maskulines“ Auftreten gefallen. Sehr bemüht, aber ein wenig blass blieb der griechische Tenor Vassilis Kavayas als Selimo.

Der deutsche Tenor Christopher Kaplan stellte Ali, den Vertrauten des Kalifen, recht überzeugend dar, während der bulgarische Bass Atanas Mladenov die Rolle des Mustafà quirlig und mit komödiantischem Talent spielte. Das Volk von Bagdad wurde vom stimmgewaltigen Camerata Bach Chor Posen (Einstudierung: Tomasz Potkowski) mit humorvollem Augenzwinkern auf die Bretter der Bühne gestellt.

Das Orchester Virtuosi Brunenses spielte unter der Leitung des erst 25jährigen Dirigenten Marco Alibrando die heitere und flotte Partitur Rossinis, die aber auch melancholische und sogar pathetische Töne hat, mit Verve und der nötigen Leichtigkeit. Das Publikum feierte am Schluss das junge Sängerensemble, das Orchester und seinen Dirigenten mit minutenlangem Applaus, in den sich verdientermaßen auch Bravorufe mischten.

Udo Pacolt, Wien – München

 

 

Diese Seite drucken