Der Neue Merker

BAD ISCHL: KAISERIN JOSEPHINE von Emmerich Kálmán – Operettenrarität

Operetten-Rarität in Bad Ischl:

„Kaiserin Josephine“ von Emmerich Kálmán (Vorstellung: 13. August 2017)

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In der Titelrolle brillierte die Wiener Sopranistin Miriam Portmann (Copyright: Foto Hofer)

Das Lehár-Festival Bad Ischl, das heuer vom 15. Juli bis 3. September läuft, brachte Mitte August wieder eine echte Operetten-Rarität zur Aufführung: „Kaiserin Josephine“ von Emmerich Kálmán. Die Uraufführung fand am 18. Jänner 1936 im Zürcher Stadttheater statt, das Werk geriet aber in der Folge in Vergessenheit.

Die Operette in acht Bildern, deren Libretto Paul Knepler und Géza Herczeg verfasste, spielt in der Zeit 1795 bis 1804 in Paris und an einem italienischen Kriegsschauplatz und handelt von der Liebe Napoleons zu Josephine Beauharnais, dessen erster Mann während der Französischen Revolution als Offizier auf der Guillotine sein Leben lassen musste. Eine Wahrsagerin prophezeit ihr, dass sie dereinst zur Kaiserin aufsteigen werde. – Nachdem ihr Sohn Eugen in Haft genommen wurde, weil er im Besitz eines Säbels war, erfleht Josephine von Napoleon seine Freilassung. – Napoleon, der mit seinen Truppen in Italien siegreich bleibt, erobert Josephines Herz und heiratet sie. In einem Brief bittet er sie, zu ihm ins Lager zu kommen, doch sie genießt das gesellschaftliche Treiben in Paris, wo sie von vielen Männern hofiert wird. Schließlich reist sie mit ihrer Zofe Juliette nach Italien, wo ihr Reisewagen in Verona gesichtet wird. Genau am Hochzeitstag finden Napoleon, inzwischen zum Ersten Konsul aufgestiegen, und Josephine, die „Königin seines Herzens“ wieder zueinander. – Die Prophezeiung der Wahrsagerin erfüllt sich, als Napoleon und Josephine zu Kaiser und Kaiserin gekrönt werden.

Vor Beginn der halbszenischen Aufführung der Operette Kaiserin Josephine im Kongress & Theaterhaus Bad Ischl begrüßte Thomas Enzinger, der neue Intendant des Lehár-Festivals, Yvonne Kálmán, die Tochter des Komponisten, die bereits am Vortag zur Premiere angereist kam und mit einigen Worten auf die Entstehung des Werks in den schwierigen Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts einging.  

Für die Bühnenkonzeption zeichnete der aus Südafrika stammende Leonard Prinsloo verantwortlich, der seit 2012 der Hausregisseur des Festivals ist. Unter der Regieassistenz von Christiane Silberhumer gelang es ihm, auch die Szenen mit dem Chor (Einstudierung: Gerald Krammer) auf der engen Bühne recht flott ablaufen zu lassen. Das Franz Lehár-Orchester, das von Marius Burkert sehr dynamisch geleitet wurde, war auf der Bühne platziert und brachte die von zarter Melancholie angehauchten Melodien des Komponisten – wie das Walzerlied Schöne Marquise, arme Marquise, den Slowfox Mein Traum, mein Traum sowie die Lieder Holdes berauschendes Bild und Die Liebe singt ihr Zauberlied – mit großer Routine zum Erklingen.

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Das Hochzeitsbild: Miriam Portmann als Josephine und Vincent Schirrmacher als Napoleon, in der Mitte Valentino Blasina als Standesbeamter Escarbot (Copyright: Foto Hofer)

In der Titelrolle überzeugte die Wiener Sopranistin Miriam Portmann sowohl stimmlich wie auch darstellerisch. Sie genoss es sichtlich, von vielen Männern begehrt zu werden. Als Napoleon Bonaparte spielte der Tenor Vincent Schirrmacher gekonnt seine kräftige „Opernstimme“ aus, schauspielerisch hätte er napoleonischer auftreten können.  Als Korporal Barnard brillierte in bester Buffo-Manier der Wiener Tenor Roman Martin, der mit seinem Charme Josephines Zofe Juliette für sich gewann. Sie wurde von der Salzburger Sopranistin Theresa Grabner mit großem Liebreiz dargestellt. Auch wenn sie stimmlich ein wenig indisponiert wirkte, bewältigte sie ihre Rolle mit Bravour.

Aus dem großen Ensemble, das insgesamt durch starkes Engagement auffiel, seien noch genannt: die Sopranistin Adelheid Brandstetter als Therese Tallien, der Tenor August Schram als Josephines Verehrer Hippolyte Charles, der Bariton Alois Walchshofer in der Rolle des Talleyrand sowie die Schauspieler Florian Stanek als Bourrienne, Paul Schmitzberger als Paul Barras und Birgit Stöckler als Marion.

Das Publikum, das schon während der Vorstellung mit Szenenbeifall nicht geizte, belohnte am Schluss alle Mitwirkenden und das Regieteam mit lang anhaltendem Applaus und vielen  Bravorufen.

Udo Pacolt

 PS: Die neue Intendanz wäre gut beraten, auch in Hinkunft dem Publikum des Festivals in Bad Ischl Operetten-Raritäten zu bieten. Einige der Besucherinnen und Besucher mokierten in der Pause beim Studium des Folders des nächstjährigen Programms, dass bloß die beiden Klassiker Das Land des Lächelns von Franz Lehár und Die Blume von Hawaii von Paul Abraham angekündigt sind. Von echten Raritäten keine Spur…

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