Der Neue Merker

WIEN / Musikverein: MARIA THERESIA UND DIE MUSIK

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Alle Fotos: Gesellschaft der Musikfreunde, Wien

WIEN / Musikverein / Archiv: 
MARIA THERESIA UND DIE MUSIK
Vom 6. April 2017 bis zum 22. Juni 2017

Musik zu jeder Gelegenheit

Maria Theresia war die Nachfahrin von Generationen hoch begabter Musiker, manche von ihnen nicht nur ausübend tätig, sondern auch begabte Komponisten. Die Musikalität lag in der Familie Habsburg und wurde dort auch exzessiv gepflegt. Die Gesellschaft der Musikfreunde bereitet nun in ihrem Ausstellungsraum im Musikvereinsgebäude die nahe liegende Thematik „Maria Theresia und die Musik“ auf. Obwohl die Gesellschaft erst 1812 gegründet wurde, war ihre Sammlerleidenschaft sofort aktiv und wandte sich auch in die Vergangenheit: So kann man auch aus dem Zeitalter Maria Theresias wahre Kostbarkeiten bieten.

Von Heiner Wesemann

Maria Theresia und die Musik     Eine Erzherzogin erhielt eine ordentliche Allgemeinbildung, aber was Maria Theresia und wohl auch den Eltern und Lehrern besonders am Herzen lag, waren die profunden musikalischen Kenntnisse, die in ihrem Fall mit wahrer Leidenschaft der Ausübung Hand in Hand gingen: Maria Theresia hat von früher Jugend an gerne gesungen, stand mit Animo selbst auf der Bühne, und als sie selbst – Regentin geworden – in der Öffentlichkeit nur noch „Konsumentin“ sein durfte, sorgte sie dafür, dass ihre Kinder ebensoviel Musik lernten, kannten und ausübten, wie es in der Familie Tradition war. In Franz Stephan von Lothringen, der ja auch am Wiener Hof erzogen wurde, hatte sie einen Gatten, den dieselbe Liebe zur Musik auszeichnete.

MV  Caldara, Antonio_Achille in Sciro_VI 2098 (Q 1226)_Titelblatt_scan~1Musik zu jeder Gelegenheit       Allein der Reichtum an kirchlichen Festen bot dem Wiener Hof ununterbrochen Anlaß zu musikalischen Veranstaltungen. Darüber hinaus wurde aber so gut wie jedes Ereignis in der kaiserlichen Familie mit großen Musikfesten zelebriert, wobei Maria Theresia selbst besonders die Oper, zumal italienische, liebte. Vizehofkapellmeister Antonio Caldara schuf zu ihrer Hochzeit mit Franz Stephan von Lothringen die Oper „Achille in Sciro“, deren handschriftliche Partitur der Musikverein stolz zeigen kann. Auch zur Hochzeit ihrer geliebten Schwester Maria Anna mit Karl von Lothringen (er war der Bruder von Maria Theresias Gatten) gab es eine Festoper, die Johann Adolf Hasse komponierte. Es heißt, dass Maria Theresia damals, 1744, noch selbst darin auftreten wollte: Man musste ihr nahelegen, dass dies für eine Herrscherin nicht angemessen sei…

L'infedelta deusa Burletta_(Marco Coltellini, Joseph Haydn)_16950-Tb_Titelblatt_scan~1

Die Komponisten ihrer Welt     Die größten Namen in Maria Theresias Welt waren jene von Christop Willibald Gluck (obwohl sie persönlich ihn gar nicht so schätzte), der Wien allerdings in Richtung Paris verließ, wo dann seine ihn liebende Gesangsschülerin Marie Antoinette erst Dauphine, später Königin war. Weiters Joseph Haydn, der allerdings nicht dem Kaiserhof „gehörte“, sondern den Fürsten Esterhazy. Maria Theresias Ausspruch: „Wenn ich eine gute Oper hören will, dann gehe ich nach Esterhaz“ (sprich: zu einem Werk von Haydn), ist ebenso bekannt wie ihr Bekenntnis: „Spectacel müssen sein.“ Am Wiener Hof gab es sie reichlich, wobei Maria Theresia durchaus aktiv in die Wahl der Musik eingriff. Wenn ein Komponist nicht ihren Vorstellungen entsprach, wie der von ihrem Vater geadelte Johann Georg von Reutter, dann setzte sie ihn für Kirchenmusik und nicht für die Opern ein…

Die musikalischen Kinder      Eine eigene Vitrine der Ausstellung ist den Kindern der Kaiserin gewidmet, deren künstlerische Begabungen (übrigens nicht nur für Musik, teilweise auch für Zeichnen und Malen) verbürgt ist. Die bei Festivitäten tanzenden und singenden Kinder des Kaiserpaares wurden oft dargestellt. Jedes dieser 13 Kinder (drei von den 16 waren in frühestem Kleinkindalter gestorben) war auch Anlass für musikalische Ereignisse, die Geburten ohnedies, aber auch Geburtstage, Namenstage, Hochzeiten: Das Trompetenensemble, das zur Geburt des Thronfolgers Joseph 1721 musizierte, wurde in einem Kupferstich verewigt…

MV  Festarchitektur, 1741  Salomon Kleiner, Augsburg 1741_Trompeterchor~1Mozart und die Habsburger    Dass Mozart, das Wunderkind, in Schönbrunn vor der kaiserlichen Familie auftrat (obwohl die Kaiserin die Betriebsamkeit von Leopold Mozart nicht schätzte), ist bekannt. Ebenso wie die wichtige Rolle, die Maria Theresias Opern liebender Sohn, Kaiser Joseph II., dann für den erwachsenen Mozart in Wien spielte. Das zentrale Opernhaus hatte schon seine Mutter für Wien etabliert, ebenso übrigens wie in Mailand – die Scala, 1778 mit einer Salieri-Oper eröffnet, ging auf ihre Aktivität zurück.

Für „Sua Maesta l’imperatice“      Man hat Maria Theresia selbst unzählige musikalische Werke gewidmet, vieles davon ist in der von Archivdirektor Prof. Otto Biba gestalteten Ausstellung zu sehen, die alle gezeigten Objekte – Musikautographe, Manuskripte und Notendrucke, Bücher und Periodika, Akten und Dokumente aller Art –   aus dem eigenen Archiv, der Bibliothek und den Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde holen konnte.

Bis 22. Juni 2017, Montag bis Freitag 9.00 bis18.00 Uhr, Samstag 09.00 bis14.00 Uhr
(Musikverein 2. Stock, mit dem Lift erreichbar, Eingang tagsüber über Künstlereingang Bösendorferstraße 12)

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SALZBURG-MUSEUM: DIE WALKÜRE 1967 . 2017. (bis 18. April)

WALKÜRE 1967 . 2017. Ausstellung im Salzburg Museum  bis 18. April 2017

Wer die Re-Kreation der  WALKÜRE in Salzburg gesehen hat, pilgert selbstverständlich auch in die dazu organisierte Ausstellung im Stadtmuseum – zumal der Eintritt mit ( irgend )- einer Festspielkarte gratis ist. Aber auch ohne den Besuch der  Vorstellung ist die Schau empfehlenswert. Gleich beim Eingang der Raum, der hier zur Zeit wird: die Breite des Ausstellungssaales , die Max-Gandolph-Bibliothek übertrifft mit 36m um 4m  die Bühne im Festspielhaus. Durch die vielen Stell-Wände lässt sich  die Weite aber nur beim bewußten Ausschreiten oder dem Blick auf das schöne Deckengewölbe erfassen.

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Bühnenbild von Günther Schneider-Siemssen. Foto: Erwin Messer

 ZU große Erwartungen , jetzt viele Bilder, Gegenstände, gar Kostüme von der „alten“ Produktion  von Karajan und Schneider-Siemssen zu finden, soll sich niemand machen. Dafür detaillierte Bühnenskizzen, viele handbemalte Glasdias, Modelle, erstaunlich wenige Fotos, nur schwarz weiß, aber viele Zeitungsausschnitte und Briefe, dazu aufschlussreiche Filmdokumente. Doch dafür braucht es Zeit, die sich das Festspielpublikum erst nehmen muss. Eine Art Wohnzimmer im Stil der 60er Jahre lädt zum Erinnern  ein,  mit Zeitschriften, Filmausschnitten, Tondokumenten der Stimmung der Zeit nach zu spüren. Zeitvertreib nicht nur  bei  Schlechtwetter.

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Auch nicht eben billig, für damalige Verhältnisse. Foto: Erwin Messer

 Nothung das Schwert ist noch erhalten, auch die Besetzung und eine Eintrittskarte gibt es zu sehen. Nicht ganz billig ein Platz im Parterre.

 Außerdem erfährt man, dass es durch die frühen Ostern am Premierentag , dem 19.März, arg kalt war , Schneeregen, Matsch  auf den Straßen. Gut, dass die Luxuslimousinen bis zum Eingang vorfahren konnten.

Die originellste Anmerkung  zu Herbert von Karajans Wirken stammt von Joachim Kaiser in der „Zeit“ vom 24.3.67: Die Salzburger Walküre (selbstbesetzt, selbstfinanziert, selbstinszeniert, selbstdirigiert – dass Wagner das Werk komponierte, wirkt fast wie ein Schönheitsfehler).

Ulrike Messer-Krol

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WIEN / Palais Porcia: NASTA ROJC

Nasta Rojc  Eingang~2  Nasta Rojc  Plakat~1

WIEN / Palais Porcia: 
HOMMAGE Á NASTA ROJC
Vom 31. März 2017 bis zum  27. April 2017 

Porträts, Landschaften, Träume…

Man betrachtet es als Höhepunkt des Kulturjahres „Österreich – Kroatien 2017“. Im sonst nicht zugänglichen Palais Porcia in der Herrengasse 23 wird eine mit 53 Werken bestückte Ausstellung über die kroatische Malerin Nasta Rojc (1883-1964) gezeigt, eine der wichtigsten Künstlerinnen ihres Landes. Viele Institutionen haben für dieses Ereignis zusammen gewirkt – der Kunstpavillon Zagreb hat die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Bundeskanzleramt, dem Kulturministerium der Republik Kroatien und der Stadt Zagreb organisiert.

Von Heiner Wesemann

Nasta Rojc       Geboren 1883 in Zagreb, wo sie 1964 auch gestorben ist, hat Nasta Rojc schon in jungen Jahren beschlossen, Malerin zu werden, was damals für eine Frau nirgends leicht war. Entscheidend war auch die frühe Begegnung mit dem kroatischen Maler Branka Senoa, ihrem späteren Ehemann. Es kostete das junge Mädchen Mühe, von ihrem Vater – sie stammte aus einer reichen bürgerlichen Familie –  die Erlaubnis für das Malstudium zu erhalten, das sie in Zagreb begann und in München fortsetzte, bis sie 1902 nach Wien kam, wo sie an der Kunstschule für Frauen und Mädchen studierte. Dort knüpfte sie viele Kontakte, u.a. auch mit der damals schon sehr berühmten Tina Blau: Sie hat Nasta, die selbst bemerkenswerte Pferdebilder schuf, auch eine Zeichnung ihres verstorbenen Gatten, des berühmten Pferdemalers Hans Lang, geschenkt. Die Pleinair-Malerei der Tina Blau war auch für Nasta Rojc wichtig. Sie schuf bemerkenswerte Porträts, Akte, Landschaften, Stadtansichten. 1910 nahm sie endgültig von Wien Abschied (wohin sie nun mit dieser Ausstellung zurückgekehrt ist). Obwohl sie sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlte, heiratete sie daheim in Zagreb Branka Senoa. 1920 gründete sie in ihrer Heimatstadt einen Club von Malerinnen, eine wichtige feministische Initiative. Immer wieder erkrankt, verbrachte sie Jahre zwecks medizinischer Betreuung in England, aus denen sie Dutzende von Werken mitbrachte. Als gefragte Porträtistin konnte sie von ihrer Kunst gut leben. Da sie sich keiner modernen Richtung anschloß, verlor sie an öffentlicher Beachtung. Nun versucht ihre Heimat, die Künstlerin wieder ins rechte Licht zu rücken und auch für ihre internationale Würdigung zu sorgen.

Nasta Rojc  Wand mit Pferdebild~1

Die Werke       Nasta Rocj hat einige bemerkenswerte Selbstporträts hinterlassen, u.a. ihr „Selbstporträt mit einer Waffe“, das zu ihren berühmtesten Werken zählt, ähnlich stark ist das Selbstporträt, das sie neben einem Pferd zeigt. Ihre Aktbildnisse erinnern entfernt an Richard Gerstel, dessen Werk sie in Wien begegnet sein muss. Möglicherweise am stärksten wirken ihre mannigfaltigen Landschaftsbilder, die auch durch die Beleuchtung oft dämonische Stimmung erzielen. Sie malte Felsenriffe am Meer, schottische Hügel, eine nächtlich schimmernde Stadtansicht von Zagreb. Einen besonderen Akzent setzen ihre esoterischen Bilder – teils surreale Visionen, aus Träumen geboren.

Nasta Rojc  Landschaft~1

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WIEN / KHM – Münzkabinett: ZUHANDEN IHRER MAJESTÄT

KHM Plakat~1 
Fotos: Wesemann

WIEN / Kunsthistorisches Museum – Münzkabinett: 
ZUHANDEN IHRER MAJESTÄT
DIE MEDAILLEN MARIA THERESIAS
Vom 28. März 2917 bis zum 18. Februar 2018 

Handlich, haltbar, häufig

Das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums verfügt nur über einen einzigen Sonderausstellungsraum, und der ist nicht groß. Dennoch kann man dort auf engstem Raum oft die größten Schätze auf einem Fleck betrachten. Die aktuelle Ausstellung gilt zum aktuellen Anlass des 300. Geburtstags Kaiserin Maria Theresia – und den Münzen und Medaillen aus ihrer Regierungszeit. Dazu verfügt das Haus über eine besonders hochkarätige Sammlung, die vieles über den kaiserlichen Hof und seine Repräsentation aussagt.

Von Heiner Wesemann

Die Vorzüge von Münzen       Gemälde wurden gemalt, bestenfalls kopiert, ihre Verbreitung war gering. Als Gabe kaiserlicher Huld und Anerkennung waren sie jedenfalls ungeeignet. Ganz anders Münzen und Medaillen, die viele Vorzüge auf sich vereinigten: Sie waren klein, also leicht zu transportieren. Sie waren dank ihres Materials haltbarer als jedes Werk aus Papier. Und sie konnten in großer Auflage hergestellt werden. Solcherart eigneten sie sich als wertvolle kaiserliche Geschenke, sowohl an andere Höfe wie an verdiente Bürger,  und wurden selbstverständlich zu begehrten Sammelobjekten. Prachtvolle Beispiele zeigen, zu welchen Gelegenheiten die kaiserliche Münzwerkstätte in Aktion trat. Im übrigen glänzen auch Medaillen an Orden aus den Vitrinen. Die geschmackvoll gestaltete und exzellent beschriftete Ausstellung bietet auch etwa Bilder der Familienmitglieder mit ihren persönlichen Medaillen affichiert.

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Verherrlichung von Ereignissen     Es gab im Leben Maria Theresias Ereignisse, die alle anderen überragten, beispielsweise ihre drei Krönungen. Jene zum (wohlgemerkt) „König von Ungarn“ 1741 war von besonderer Bedeutung. Matthäus Donner, der jüngere Bruder des großen Raphael Donner, wurde vor allem als „Stempelschneider“ berühmt, obwohl er beispielsweise auch eine Büste Maria Theresias geschaffen hat, die für diese Ausstellung von der Kunstkammer ins Münzkabinett kam. Matthäus Donner hat die Medaille auf die Ungarische Krönung geschaffen, auf der Vorderseite Maria Theresia im Profil, auf der Rückseite der „Ritt auf den Königshügel“, der zum Symbol dieses Ereignisses geworden ist. Ähnliche Medaillen, wenn auch nicht ganz so spektakulär, gibt es zur Böhmischen Krönung.

Die ausgestellten Söhne      In der Fülle der Medaillen finden sich auch Kuriositäten. So hatte Maria Theresia am 1. Juni 1754 den Sohn Ferdinand zur Welt gebracht. Damit waren es vier Söhne, die lebten: der damals 13jährige Joseph, der neunjährige Karl Joseph (der allerdings wenige Jahre später starb), der siebenjährige Leopold und der neugeborene Ferdinand. Dennoch ließ man von Anton Mathias  Domanöck, später Direktor der Gravierschule an der Akademie der bildenden Künste zu Wien, eine Prunkmedaille auf die „vierfach gesicherte Thronfolge“ anfertigen, wo die vier Herren Söhne in vier Profilabbildungen hintereinander weit älter erschienen, als sie waren. Die Rückseite zeigte dann das stolze Elternpaar, den Kaiser im Vordergrund, Maria Theresia im Hintergrund.

„Medienstar“ ihrer Zeit     Noch nie wurde Maria Theresia mit einem so ausgeprägten zeitgeistigen Vokabular apostrophiert wie im 21. Jahrhundert. Das reicht von der  „hard working mom“ bis zum „Medienstar“. Hier bewegen sich auch die Medaillen, die zu Ereignissen aller Art entstanden, etwa auf die „Wiederherstellung der Hofämter in Siebenbürgen“ (1762) oder auf die „Erneuerung der Universität zu Pavia“ (1770). Dergleichen hob auch das Selbstbewusstsein der Kronländer. Ein Besuch in einem Bergwerk wurde verewigt, aber auch Privates wie eine „Genesung von den Pocken“ war eine Medaille wert. Desgleichen die Geburten einzelner Kinder oder wenn ihre Tochter Maria Anna zur Äbtissin ernannt wurde. Und das Ereignis musste nicht freudig sein – der Tod von Karl VI., der gleich darauf erfolgte Kriegsbeginn: Medaille! Der Anlässe waren viele, und die Tendenz ging dahin, zu jedem Ereignis von einiger Bedeutung auch Medaillen herstellen zu lassen, so dass die „visuelle Kommunikation“ nie abriss.

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Spott und Hohn auf Münzen   Zumindest ein Beispiel hat die Ausstellung auch zum Thema „Spottmedaille“ zu bieten, denn so sehr man am Mythos der Kaiserin schon zu Lebzeiten „medial“ arbeitete, gab es doch auch Gegner, die wussten, wie ätzend Spott und Satire sein kann. Dabei wurde Maria Theresia – ebenso wie auf Karikaturen – auch gerne ganz oder halbnackt dargestellt wie auf einer Münze, die sie im Clinch mit Kaiser Karl VII. zeigt: Das war der mit ihrer  Cousine verheiratete Bayernherzog, der nach dem Tod ihres Vaters, Karl VI., die Krone des Heiligen Römischen Reichs erobert hatte. (Erst dessen plötzlicher Tod machte dann den Weg von Maria Theresias Gatten Franz Stephan zur Kaiserkrone frei.)

Das Massenmedium    Was aus den kaiserlichen Werkstätten kam (und man zeigt stolz auch die Arbeitswerkzeuge, die dort benötigt wurden), war meist aus Gold und Silber und hochkarätig. Aber bald gab es auch Billigversionen für Liebhaber und Sammler. Die Ausstellung zeigt dazu ein Beispiel für „Schraubmedaillen“, die zusammenhängende Hohlräume boten, in denen man Bildmaterial aus dem kaiserlichen Leben einfügen konnte – eine „bunte“ Maria Theresia in diesem Zusammenhang wirkt mehr volkstümlich als majestätisch.

KHM Wien, Münzkabinett: Bis 18. Februar 2018; Dienstag bis Sonntag: 10.00 bis 18.00 Uhr

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WIEN / Leopold Museum: CARL SPITZWEG – ERWIN WURM

Leopold Spitzweg Plakat~1  Leopold Spitzweg Wurm kniet~1
Fotos: Wesemann (in der Ausstellung fotografiert)

WIEN / Leopold Museum: 
CARL SPITZWEG – ERWIN WURM
Köstlich! Köstlich?
Vom 25. März 2017 bis zum 19. Juni 2017 

Der Hintergründige und der Vordergründige

Was hätten Carl Spitzweg (1808-1885) und Erwin Wurm (geboren 1954) wohl gemeinsam? Deutsches „Biedermeier“ und aggressive Gegenwarts-Satire? Selbst Erwin Wurm hat den Zusammenhang nicht gesehen, wie er in der Pressekonferenz der Ausstellung eingestand. Aber Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums, war davon überzeugt, dass eine Konfrontation beider Künstler für beide interessante Aspekte ergeben könnten. Und tatsächlich – die Satire bei Spitzweg wird schärfer, der zu bekämpfende „Biedermeier“-Aspekt bei Wurm desgleichen.

Von Heiner Wesemann

Carl Spitzweg – verstreut in alle Welt      Zuerst geht es um Carl Spitzweg und um die größte Ausstellung dieses Künstlers, die in Österreich je zu sehen war. Man hat vieles auch aus Privatbesitz oder entlegenen Regionen geholt: Das Gemälde „Die Ankunft der Postkutsche“ befand sich einst im Besitz von Kaiser Franz Joseph, wurde vermutlich an eines seiner Enkelkinder vererbt, landete in der Eckhart G. Grohmann Collection in Milwaukee und ist für diese Ausstellung wieder (für kurze Zeit) nach Wien zurück gekehrt. Besonders reichhaltig ist das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt bestückt, wo man über 250 Werke von Spitzweg besitzt und – erstmals, wie Hans-Peter Wipplinger betonte, wurde eine große Anzahl von Werken entliehen. Es ist interessant, dass die einzigen Spitzweg-Werke in österreichischem Besitz sich in Salzburg befinden. Das gibt dieser Schau mit ihrem über 100 Werke umfassenden Angebot von Malerei und kommentierender Graphik ihren besonderen Stellenwert: „Der arme Poet“ etwa, ein Sujet von geradezu legendärer Berühmtheit, ist nicht nur als Ölgemälde, sondern auch als (in vielen Details unterschiedliche) Studie vorhanden. Man beachte die Zipfelmütze: Bedeutete sie wirklich „Jakobiner“, bedeutete sie „Widerstand“, oder kann man in nachweltlichem Eifer, jeden Künstler „politisch“ zu machen, auch über-interpretieren?

Leopold Spitzweg Mönche~1  Leopold Spitzweg Kaktusliebhaber~1 

Spitzweg, der Hintergründige     Man steht vor Spitzwegs Hauptwerken, alle übrigens nicht das, was man als „großformatige Gemälde“ bezeichnen kann. Als ob der Künstler die „kleine Welt“, die er schilderte, auch nur im Kleinformat abbilden wollte. Da ist er, der „Bücherwurm“, der alte Mann, der unbequem auf einem Schemel steht. Denn er hat nicht nur ein Buch unter dem Arm und ein anderes zwischen die Beine gequetscht, er hält eines in der linken Hand und steckt die Nase in jenes, das er in der rechten hält. Eine Studie der totalen Konzentration, Verinnerlichung, auch der Isolation. Man kann darüber lachen. Man kann auch darüber philosophieren. Und diese Hintergründigkeit ist so gut wie in  allen seinen Bilder vorhanden. Und wenn vor allem die einsamen Sonderlinge zu dominieren scheinen – wie auch anders, wenn man aus Germering-Unterpfaffenhofen (in der Nähe von München) stammt, lebenslang ein Außenseiter war, Junggeselle zumal, also vielleicht wusste, wovon man malte? Dass er mit ähnlicher, verbohrt glücklicher Konzentration vor seiner Staffelei saß, wie seine Figuren sich in die Objekte ihrer Obsession versenkten?

Leopold Spitzweg Rabe

Der genaue Blick     Aber Spitzweg, leidenschaftlicher Reisender, intensiver Beobachter, sah zwar in erster Linie die Komik im Alltag, die er köstlich umsetzte – ein Kaktusliebhaber, der sich seiner Pflanze so entgegenneigt, wie diese sich ihm… ein Schmetterlingsfänger, der nur in ein erstauntes „Oh“ angesichts eines besonders schönen, großen Exemplars ausbrechen kann… ein freundlicher Herr, der in seiner „Dachstube“ beglückt die paar Pflanzen auf seinem Erker gießt, rund um ihn nur Dächer. Das sind die Sonderlinge, die man nicht a priori für unglücklich halten muss. Aber dass die Mönche keine frommen Herren sind, sondern ganz schön schlemmen, dass die Beamten ein Faulpelzleben führen, die Bürger sich auf der Jagd lächerlich machen, ein Sonntagsspaziergang vielleicht nicht die reinste Idylle ist, ergibt sich bei näherem Hinsehen. Ganz zu schweigen von einem „Raben“, der zwar auf einem Strauch hockt – aber wirkt der Mann unter dem Spitzhut, wieder einmal in ein Buch vertieft, nicht wie eine leibhaftige Poe-Figur? Kaum anzunehmen, dass Spitzweg die Erzählung aus dem Jahre 1845 gekannt hat, aber wer weiß? Eines scheint sicher: Auch wenn er dahingehend rezipiert wurde, Spitzweg hat seinen Blick auf die Welt nicht als Idylle angelegt.

Der Wurm als Kommentar     Die Spitzweg-Ausstellung allein würde jeden Kunstfreund in hohem Maße zufrieden stellen. Aber da ist jetzt noch Erwin Wurm. Auf seinem berühmten Foto, wo er kniend mit einer Zitrone im Mund und betend gefalteten Händen erscheint, bittet der Künstler um Gnade. Er muss es nicht. Er ist zwar alles andere als hintergründig, im Gegenteil, seine Werke knallen ihre Aussage vordergründig auf den Betrachter zu. Aber was er zu zeigen hat, konnte Hans-Peter Wipplinger manchmal geradezu erstaunlich mit Spitzwegs Welt in direkten Zusammenhang bringen.

Leopold Spitzweg schmales Haus innen~1  Leopold Spitzweg Wurm blickt nach links~1

Das enge Städtchen, das enge Haus und andere Beengungen     Vor allem natürlich den „glücklichen Winkel“, bei Spitzweg scheinbare (oder teilweise sicher auch echte) Kleinstadt-Idylle, bei Wurm das „Narrow House“, fast in Originalgröße aufgebaut, nur eben schmal-gequetscht, Sinnbild der Enge schlechthin. Oder die Wurm’schen Gürkchen auf vielen weißen Podesten, wobei er eingestandenermaßen an das männliche Glied in seinen vielen möglichen Ausformungen gedacht hat – ob die Spitzweg-Kakteen phallisch waren? Er wäre nicht der klassische Kalender-Künstler, hätte die Mitwelt je daran gedacht… Und da ist ja auch Wurms „Ärgerbeule“, der kopflose Mann mit dem unter der Hose so ärgerlich erigierten Glied: Will Wipplinger unterstellen, dass der Spitzweg-Witwer, der zwei jungen Mädchen nachsieht, am Ende…?

Zeitverschiebung    Das Staunen, das Spitzweg so oft und wundersam malt, bietet Wurm in zwei pervertierten Figuren: ein lang gedehnter, bäuchlings liegender Ludwig Wittgenstein, ein in Wülste versunkener Adorno-Kopf: Sie haben / hatten beide Sinn für Humor. Die Bücher, die Wurm hinlegt (Adorno, Wittgenstein…) hätte der Bücherwurm noch nicht lesen können, da waltet die Zeitverschiebung, aber im Prinzip geht es darum. Nur in Sachen konkreter Politik ist Wurm geradliniger: Oder empfindet man die amerikanische Polizeimütze angesichts eines Trump-Amerika plötzlich so viel bedrohlicher?  

Leopold Spitzweg Wurm Mütze~1  Leopold Spitzweg Wurms Gurkerln~1

Köstlich! Köstlich?      Am Ende konzediert man dem Ausstellungsgestalter, dass er sein „köstliches“ Konzept erfüllt hat. Auch der Besucher, der für Spitzweg kommt, wird sich Erwin Wurm nicht entziehen können. Und über beide Herren und ihre Kunst lächeln. Und nachdenken.

Bis 19. Juni 2017, täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr

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NÖ / Klosterneuburg: KIRCHE, KLOSTER, KAISERIN

Klosterneuburg  Plakat 1  Klosterneuburg Plakat 2~1

NÖ / Klosterneuburg: KIRCHE, KLOSTER, KAISERIN
Maria Theresia und das sakrale Österreich
Jahresausstellung anlässlich des 300. Geburtstags Maria Theresia
4.
März bis zum 15. November 2017

Fromm und gottesfürchtig

Das Quartett des Jahresausstellungen zu Maria Theresia anlässlich ihres 300. Geburtstags hat das Thema Glauben und Religiosität bewusst schmal gehalten, weil Stift Klosterneuburg natürlich der gebotene Ort ist, Maria Theresia und das sakrale Österreich zu dokumentieren. Allerdings geht es weniger um die Rolle, die die katholische Kirche in ihrem Reich spielte, als vielmehr um die private Beziehung der Kaiserin zu dem Stift, das mit den Habsburgern aufs engste – besonders mit ihrem Vater Karl VI. – verbunden war.

Von Heiner Wesemann

Der heilige Leopold        Stift Klosterneuburg geht auf eine Stiftung des später heilig gesprochenen Babenberger-Herzogs Leopold III. zurück. Die „Schleier-Legende“ zählt zu den berühmtesten Überlieferungen aus der österreichischen Sagenwelt: Hier, wo er den verwehten Schleier seiner Gattin Agnes gefunden hat, wurde das Stift  ab der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet. Hier sind Leopold und Agnes begraben, heute unter dem Verduner Altar, zur Zeit Maria Theresias noch unter einer prachtvollen Gitterkonstruktion, die nicht mehr existiert. Heute Landesheiliger von Niederösterreich, war Leopolds Bedeutung als Heiliger für die Habsburgischen Erblande noch weit bedeutender. Maria Theresias Großvater, der Leopolds Namen trug, veranstaltete alljährlich zum Sterbetag des Heiligen am 15. November eine „Staatswallfahrt“ von Wien nach Klosterneuburg, und selbst, wenn dies nur eine Übernachtung bedeutete, betrug sein Gefolge bis zu 300 Personen.

Klosterneuburg Daniel Gran~1 Klosterneuburg   Klosterneuburg Kaiserliche Tafel~1

Karl VI. und sein Escorial     Es war Maria Theresias Vater, Kaiser Karl VI., der früher König in Spanien gewesen war, der in Klosterneuburg die Möglichkeit sah, sich hier, an Kirche und Kloster angebaut, seinen persönlichen Escorial zu errichten. Die Bauarbeiten gerieten nur bis zu den beiden prunkvollen Kuppeln, es gibt Kaiserappartements (bis heute nahezu unverändert erhalten) und einen Marmorsaal mit einem Deckenfresko von Daniel Gran, das alle Qualitäten des strahlenden Barocks vereinigt. Allerdings hatte Maria Theresia kein Geld, hier den barocken Ausbau des Stiftes weiter zu betreiben (ihr zentrales Interesse galt Schloß Schönbrunn). Die Wallfahrten, die sie seit Kindestagen unternommen hatte, behielt sie lange bei, bis sie diese 1765, im Jahr ihrer Witwenschaft,  beendete – was nicht nur für den Wiener Hof eine finanzielle Erleichterung darstellte, sondern auch für das Stift, das stets eine gewaltige „Hoftafel“ mit Austern und Leckereien auszurichten hatte. Das Stift gab übrigens jedem Pilger, der zu ihnen kann, einen „Leopold-Pfennig“ – einige davon sind in der Ausstellung zu sehen.

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Der Erzherzogshut     So bedeutend der sakrale Rang von Klosterneuburg war und ist, so ist man hier als Hüter des „Erzherzogshuts“ auch für die Monarchie „staatstragend“ gewesen. Da es vor 1806, als Maria Theresias Enkel das „Kaisertum Österreich“ konstituierte, nur ein „Erzherzogtum“ gab, für das zwar eine Krönung, allerdings unter dem Namen „Erbhuldigung“ vorgesehen war, ist dieser Erzherzogshut die erste „österreichische Krone“ und durfte das Kloster nur für die Feier der Erbhuldigung in Wien verlassen. Es war das erste große Zeremoniell, das Maria Theresia am 22. November 1740 – nur einen Monat nach dem Tod des Vaters am 20. Oktober 1740 – als Nachfolgerin konstituierte, obwohl sie „nur eine Frau“ war. Die Ausstellung in Klosterneuburg stellt einen Teil des Erbhuldigungszuges, mit Maria Theresia in einer Sänfte nach (sie war mit ihrem vierten Kind schwanger, es sollte – was damals noch niemand wusste – der erste Sohn und damit der heiß erwartete Thronfolger sein). Der Hut (die Krone) wird samt Szepter und Apfel feierlich voran getragen. Es ist nur eine „Puppen-Prozession“, aber man kann dahinter auch noch einen Dokumentarfilm über den Erzherzogshut betrachten.

 

Die Pracht der Paramente    Die Ausstellung beginnt in der Schatzkammer des Stifts, die berühmt ist für ihre Reliquiare und liturgischen Gerätschaften, vor allem aber für ihre Paramente, also die reich bestickten und geschmückten Ornate, von denen einige direkt auf Maria Theresia Bezug nehmen. Sie hat dergleichen kostbare Stücke – oft von den „Englischen Fräulein“ in St. Pölten hergestellt – besonders gerne verschenkt. Der so genannte Maria Theresien-Kasel mit reichem Blumenschmuck ist nur eines von vielen Meisterwerken sakraler Stickkunst. Maria Theresia galt als große Verehrerin einer berühmten stehenden Kinder-Jesus-Statue, des so genannten „Prager Jesulein“ (die Schatzkammer zeigt eine Kopie aus dem 18. Jahrhundert), von dem Wundertaten überliefert sind und dem sie auch ein Gewand gestiftet haben soll. Wenn man später in die Kaiserlichen Gemächer kommt, findet man gleich nach dem Marmorsaal prominent einen so genannten „Thronus“ ausgestellt, das erste bekannte Geschenk Maria Theresias an Klosterneuburg aus dem Jahre 1740. Der reich bestickte Behälter war dazu gedacht, die Monstranz zu „ummanteln“.

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Aus eigener Hand    Von ähnlicher Bedeutung für das Stift ist im gleichen Raum ein Dokument, in dem Maria Theresia die Rechte des Stifts bestätigte – was sich die Äbte von jedem neuen Herrscher erbaten. Zur Sicherheit. Das Stift besitzt auch noch andere Originale, etwa ein Kondolenzschreiben aus eigener Hand der Kaiserin. Besonders bedeutend ist das Schreiben, in dem sie um Überlassung des Erzherzogshuts für ihre Erbhuldigung „bittet“.

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Auf Maria Theresias Spuren     Man schreitet im zweiten Teil der Ausstellung, den Kaiserzimmern, durch Maria Theresias „fromme“ Geschichte – sie war eine gläubige, praktizierende Katholikin, die auch noch im Tod bewusst ihrem Gott entgegengehen wollte. Allerdings ist es durchaus nicht klösterliche Bescheidenheit, sondern imperialer Prunk, dem man in diesen Räumen begegnet – eine gedeckte Tafel vermittelt den Eindruck, wie man zwischen Gobelins und Kandelabern speiste. Man sieht reichlich kostbares Porzellan, und prunkvolle Möbel und Gemälde geben einen Eindruck der damaligen Lebensform. Viele Bilder und Ausstellungsobjekte beziehen sich dabei naturgemäß auf Maria Theresias große Familie, Jubelschriften zeigen, mit welchem „Frohlocken“ jedes einzelne Kind begrüßt wurde. Immerhin haben zehn ihrer 16 Kinder das Erwachsenenalter erreicht, davon vier Söhne: der jüngste, Maximilian Franz (1756-1801), schlug, wie es in Fürstenfamilien oft der Fall war, die geistliche Laufbahn ein und wurde Erzbischof und  Kurfürst von Köln.

Klosterneuburg   Locke~1 Klosterneuburg a  Blumenschere und Schreibfeder~1

Eine Locke, eine Blumenschere    Den persönlichsten Zugang zu Maria Theresia findet man im Eckzimmer, wo in einer Vitrine, die von einer weißen Porzellanbüste der Herrscherin gekrönt wird, „Devotionalien“ zu finden sind: Offenbar hat sie einmal eine Haarlocke gespendet, und man hat ein Glas, eine Blumenschere und eine Feder, die sie während ihres Klosterneuburger Aufenthalts benützte, sorglich aufbewahrt. Daneben befindet sich ein opulent ausgestattetes Nähkästchen, das in Form einer Orgel gestaltet ist…

Am Ende weiß man, dass das Stift seine eigene Beziehung zur frommen Kaiserin schön und würdevoll thematisiert hat. Die religiösen Spannungen, die dieses 18. Jahrhundert kennzeichneten, hat man ausgeklammert. Klosterneuburg ist für die positiven Seiten des Katholizismus zuständig.

Stift Klosterneuburg:
Kirche, Kloster, Kaiserin
Vom 4. März bis zum 15. November 2017
täglich 10.00 – 17.00 Uhr, Sommersaison ab 1. Mai, täglich 9.00 – 18.00 Uhr

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NÖ / Niederweiden: MARIA THERESIA zum Vierten

Maria Theresia  Niederweiden x~1
Alle Fotos: Wesemann

NÖ /  Niederweiden:
300 JAHRE  MARIA THERESIA
„STRATEGIN MUTTER REFORMERIN“
Modernisierung und Reformen 
Vom 15. März 2017 bis zum 29. November 2017  

Taferlklassler und Daumenschrauben

Ein „Taferlklassler“  zu sein und „Daumenschrauben“ angesetzt zu bekommen – beides besteht in der Realität nicht mehr, aber die Begriffe sind lebendig geblieben. Zumindest ersterer geht ausschließlich auf das Zeitalter Maria Theresias zurück, die die Unterrichtspflicht als staatliche Aufgabe sah. Sie sorgte dafür, dass möglichst jedes Kind in der Monarchie mit Hilfe einer mit Buchstaben beschriebenen, etwas mehr als handgroßen Tafel das Lesen und Schreiben lernte. Eine von vielen Reformen ihrer Epoche, die Karl Vocelka in der Ausstellung „Modernisierungen und Reformen“ auf Schloß Niederweiden dokumentiert hat.

Von Heiner Wesemann

 Maria Theresia Denkmal Messershmidt x~1Umgeben von klugen Männern      Maria Theresia selbst steht als Statue, die sie als Königin von Ungarn zeigt, im kleinen zentralen Kuppelraum von Schloß Niederweiden. Franz Xaver Messerschmidt hat sie einst so gestaltet (die Ausstellung zeigt eine Kopie), und ausnahmsweise ganz ohne die Grimassen, die seine Charakterköpfe kennzeichnen… Man liest Maria Theresias Satz, wie viel sie ihren ausgezeichneten Beratern verdankt, und sie sind es dann auch, die die Ausstellung in Niederweiden beherrschen. Ohne die Souveränität und Aufgeschlossenheit etwa von van Swieten, von Sonnenfels und Born, von Kaunitz und Haugwitz, wäre vieles in ihren Ländern nicht so nachdrücklich von der Stelle gekommen. Die Folter allerdings wurde auf Drängen von Sonnenfels erst spät (drei Jahre vor ihrem Tod) und unter ihren Bedenken abgeschafft – und eine genaue bildliche Darstellung in einem Buch, wie Daumenschrauben anzulegen seien, darf nicht fehlen, wenn sie auch niemandem zur Ehre gereicht. Unter Maria Theresias Beratern wird übrigens auch ihr Gatte Franz Stephan aufgeführt: Er hat sich mit dem Regieren nicht abgegeben, aber sehr viel von Finanzen und Naturwissenschaften verstanden.

Zuerst die Schule       Der größte Raum der Ausstellung ist in Form einer altmodischen Schule mit Pulten gestaltet. Reiches Unterrichtsmaterial in Form von Tafeln und Büchern zeigt, wie gründlich man schon in pre-aufklärerischem Geist vorging. Es war auch eine Welt der Bücher, die Ausstellung ist reich an Publikationen, die damals neue Themen auch in aufwendiger Pracht behandelten (etwa das Buch über die aus Amerika stammenden Pflanzen, das Nikolaus von Jacquin herausbrachte, nachdem er im Auftrag von Franz Stephan die Karibik bereist und auch Pflanzen für die kaiserlichen Gärten gesammelt hatte).

 

Maria Theresia Klassenzimmer x~1  Maria Theresia Schulbuch x~1

Ärzte, Soldaten, Künstler, Diplomaten     Maria Theresia und ihre Berater wussten, dass sie in Zukunft Fachleute auf allen Gebieten brauchten, was zu einer weitgreifenden Reform der höheren Bildung führte. Allein das Wissen und die Fortschrittlichkeit von van Swieten verhalf Wien zu einer „Ersten medizinischen Schule“ von Rang. Auch Tierärzte wurden gebraucht, noch war der Kupferstich das einzige Mittel, Bildmaterial zu vervielfältigen, also wurde eine Kupferstichakademie gegründet. Die Theresianische Militärakademie gibt es noch heute, acht Bilder „aus dem Leben der Zöglinge“ zeigen sportliche Übungen, aber auch Schlittschuhlauf und Tanz… Vor allem aber brauchte man Diplomaten, die viele Sprachen beherrschten. Ein Kupferstich trägt den Titel „Ein Glück für jeden fremden Mann, der selbst mit Türken sprechen kann“ – man wollte angesichts der Diplomatie mit dem Osmanischen Reich nicht immer auf die wohl kaum allzu verlässlichen Dolmetscher des Sultans angewiesen sein…

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Die Organisation der Monarchie    Der Prunk des Adels und des Hofs und die Armut eines großen Teils der Bevölkerung: In der Wirtschaft musste so viel geschehen wie im Rechtswesen. (Die Leibeigenschaft hat erst Joseph II. nach dem Tod seiner Mutter aufgehoben.) Der bis in unsere Tage legendäre Maria Theresien-Taler war Zahlungsmittel in der Monarchie und nahm den Weg nach Afrika und den Nahen Osten. Volkszählungen (nur Männer und Vieh, nicht die Frauen) und eine erstmalige Festlegung von Adressen (die Häuser erhielten Nummern) waren darauf ausgerichtet, die wehrfähigen jungen Männer zu finden. Was immer in der Welt Maria Theresias geschah, war zweifellos auch von Idealismus, aber in weit höherem Ausmaß noch vom Pragmatismus geprägt. Und der besagte, dass ein funktionierendes Staatswesen einfach leichter zu lenken ist als ein desolates. Vieles, was man erst Joseph II. zuschreibt, so Karl Vocelka, war bereits im Zeitalter Maria Theresias angelegt.

Niederweiden: „Maria Theresia – Modernisierungen und Reformen“
Bis 29. November 2017, täglich 10 bis 18 Uhr

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NÖ / Schloßhof: MARIA THERESIA zum Dritten

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Alle Fotos: Heiner Wesemann

NÖ /  Schloßhof:
300 JAHRE  MARIA THERESIA
„STRATEGIN MUTTER REFORMERIN“
Bündnisse und Feindschaften
Vom 15. März 2017 bis zum 29. November 2017  

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Kriege und Krönungen

Seit Prinz Eugen von Savoyen sie 1725 im gleichen Jahr erwarb, befinden sich die beiden Marchfeldschlösser Schlosshof und Niederweiden stets unter „einer“ Hand: Maria Theresia kaufte sie von der Erbin des Prinzen, Schlosshof – an sich schon eine ungewöhnlich große Anlage – wurde noch erweitert, Niederweiden vom Hofarchitekten Nikolaus Pacassi umgestaltet. Nach einigem Hin und Her (später bedeuteten die Schlösser den Habsburgern nicht mehr so viel, und die Republik wusste nicht viel damit anzufangen) stehen sie heute unter der Verwaltung der Schloß Schönbrunn Kultur-und Betriebsges.m.b.H., die es allerdings noch nicht geschafft hat, die Marchfeld-Schlösser zu einer ähnlichen Touristenattraktion auszubauen wie etwa die Loire-Schlösser (obwohl das Potential vorhanden wäre). Jedenfalls sind Schlosshof und Niederweiden heuer Schauplätze von zweien der vier Maria Theresia-Ausstellungen, die Schönbrunn und KHM veranstalten. Behandelt man in Wien eher die „private“ Seite Maria Theresias, so geht es in Niederösterreich um Politik – Außen- und Innenpolitik. Allerdings hat Gestalter Karl Vocelka dem Thema eine überaus sinnliche und fassbare Aufbereitung angedeihen lassen.

Von Heiner Wesemann

Krieg und Frieden     Es waren zwei große Kriege, die Maria Theresia auszufechten hatte, der erste, später so genannte „Österreichische Erbfolgekrieg“, begann unmittelbar nach ihrem Regierungsantritt 1740 und dauerte bis 1748. Und es ging dabei nicht nur um die Ansprüche der (verschwägerten) Bayern und Sachsen auf die Habsburgischen Länder, sondern auch um jenen Krieg, den Friedrich II. von Preußen um Schlesien führte – und eine Landkarte zeigt, wie sehr ihm dieses reiche Gebiet vor der Nase lag und seinen Großmachtbestrebungen entgegen kam. Es gibt nicht übertrieben viele Schlachtenbilder, aber man sieht die Ausstattung auch der preußischen Soldaten, man denkt an das Elend der Krüppel und Verwundeten, die digital projiziert werden – nur die Säge, mit denen man verletzte Gliedmaßen abschnitt, ist echt…

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Frieden und Krieg   Der zweite Krieg, später der „Siebenjährige“ genannt, 1756 bis 1763 geführt, fand dann schon auf breiterer Ebene statt, Preußen hatte sich mit England (das auch in Amerika Krieg führte) zusammen getan, Maria Theresia hatte erfolgreich Bündnisse mit Frankreich, Russland und anderen deutschen Staaten geschlossen. Damals wurde anlässlich der siegreichen Schlacht von Kolin 1757 der Maria Theresien-Orden gestiftet, aber das Kriegsziel wurde verfehlt, Schlesien blieb preußisch, die Verluste waren gewaltig. Als prachtvolles Dokument kann man die Ratifikation des Friedens von Hubertusburg betrachten, der nichtsdestoweniger für Österreich nichts gebracht hat.

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Die Multi-Kulti-Monarchie   Tatsächlich konnte Maria Theresia bedeutende Gebietserweiterungen am Verhandlungstisch gewinnen: Das türkisch geschriebene Dokument, das nach wieder einmal einer Polnischen Teilung den Erwerb der Bukowina bestätigt, ist ebenso in der Ausstellung zu sehen wie Stücke kostbarer dortiger Folklore: Der Vielvölkerstaat der Habsburger wurde immer bunter. Als man Bayern das Innviertel abgewann – ein prächtiges bayerisches Zollamtschild zeugt von früheren Grenzen – , war kein wirklicher Krieg nötig: Da hat Maria Theresia mit Friedrich II. (die beiden sind einander allerdings nie begegnet) den Frieden von Teschen ausgehandelt.

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Die großen Krönungen    „Außenpolitik“ ist auch, was sich an Imperialem in Österreich begab, denn es richtete sich letztendlich an die Umwelt: die Pragmatische Sanktion, die Erbhuldigung, die Krönung in Ungarn, die Krönung in Böhmen, und die Krönungen von Gatten und Sohn: Franz Stephan von Lothringen wurde 1745 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Maria Theresias ältester Sohn Joseph schon 1764 „römischer König“.  So hielten sich in Maria Theresias 40 Regierungsjahren, in denen sie die Zügel auch als Witwe nicht aus der Hand gab, die Niederlagen und Erfolge gewissermaßen die Waage: Jedenfalls hatte Habsburg sein Bestehen gesichert und seine Zukunft als Haus Habsburg-Lothringen auf feste Beine gestellt (wenn auch nur bis 1918, wie allerdings erst die Nachwelt weiß).

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Schloßhof als Witwenresidenz   Die Ausstellung in Schlosshof bezieht sich nicht allein auf die zahlreichen Räume, die das „Bündnisse und Feindschaften“-Thema in vielen Details und teils spektakulären Objekten aufsplittern. Man kann anschließend auch das Schloß selbst mit den Prunkräumen besichtigen, die von Prinz Eugen eingerichtet und von Joseph II. teils umgestaltet wurden. Maria Theresia, die das Schloß so sehr liebte, dass sie die Hochzeit ihrer Lieblingstochter Marie Christine mit Albert von Sachsen-Teschen hier ausrichtete, hat sich ein Witwen-Appartment einrichten lassen, gedämpfte Farben, klassizistisch, mit einem riesigen Himmelbett. Und in einem Raum ist in vier Riesengemälden die Nachkommenschaft versammelt – Leopold in der Toskana mit seinen Kindern (darunter der später Kaiser Franz II./I.), Marie Antoinette in Frankreich, Maria Carolina in Neapel-Sizilien, Maria Amalia in Parma mit Gatten und Kindern. Maria Theresia hat keine ihrer ins Ausland verheirateten Töchter je wieder gesehen.

Schloßhof: „Maria Theresia – Bündnisse und Feindschaften“
Bis 29. November 2017, täglich 10 bis 18 Uhr

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WIEN / Wagenburg: MARIA THERESIA zum Zweiten

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Alle Fotos: Wesemann

WIEN / Wagenburg:
300 JAHRE  MARIA THERESIA
„STRATEGIN MUTTER REFORMERIN“
Frauenpower und Lebensfreude
Bis 29. November 2017  

Auf Hufen, Kufen und Rädern…

Das Kunsthistorische Museum „bespielt“ nur einen Schauplatz von vieren, aber darüber hinaus hat man zu den Maria Theresien-Ausstellungen viel beitragen: KHM-Direktorin Sabine Haag betonte, dass man aus den einzelnen Abteilungen des Hauses reichlich Objekte beisteuerte – aus der Gemäldegalerie, der Kunstkammer, der Musiksammlung, der Hof-, Jagd- und Rüstkammer, und das Münzkabinett wird Ende des Monats noch eine eigene Ausstellung zum Maria-Theresia-Reigen des 300. Geburtstags bieten. Im übrigen gehört die Wagenburg des Schlosses Schönbrunn in den Verband des KHM, und dort hat die Direktorin dieser Abteilung des KHM, Monica Kurzel-Runtscheiner, „Frauenpower und Lebensfreude“ lebendig gemacht.

Von Heiner Wesemann

Wagen Prozession x~1

Der familiäre Wagenpark     Man betritt die Wagenburg immer noch durch den Raum, der Kaiser Karl, dem letzten Kaiser, gewidmet ist und der schon mit „richtigen“ Autos fuhr. Der gewaltige Leichenwagen, an dem man vorbeigeht, galt nicht Maria Theresia, sondern damit wurden Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph in die Kapuzinergruft gebracht. Aber schon links davon hat man eine wahre Wagen-Prozession aufgestellt, jeweils von sechs geschmückten Pferden gezogen, und so hat sich die Familie vermutlich oftmals durch Wien bewegt, um der Bevölkerung etwas zum Schauen zu bieten. Und natürlich auch, um sich selbst in Szene zu setzen. So, wie heute die Kinder der Reichen ihre Luxusautos geschenkt bekommen, erhielten die Söhne und Töchter Maria Theresias ihre eigenen Kutschen, die so genannten Prinzen- und Damenwägen. Einer davon wurde für die Ausstellung restauriert und erstrahlt „wie neu“. Der erste Wagen ist übrigens jener, mit dem Kaiser Franz I. mit seinem Sohn Joseph 1764 in Frankfurt eingezogen ist – dessen Krönung zum „Römischen König“ galt als sichere Vorbereitung auf dem Kaisertitel. Dass dieser allerdings so bald folgen wollte (Franz Stephan von Lothringen starb im Jahr darauf), konnte damals noch niemand ahnen.

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Feste als politische Demonstration     Zwei der vielen Feste, die es in der Welt Maria Theresias gab, sind besonders populär geworden, weil sie in großformatigen Gemälden festgehalten wurden. Das so genannte „Damenkarussell“ am 2. Jänner 1743 sollte die Wiedergewinnung Böhmens feiern („draußen“ wurde nämlich ein brutaler Erbfolgekrieg gekämpft) und wurde von Reiterinnen (Maria Theresia selbst saß zu Pferd) und Wagenlenkerinnen bestritten: Ihre Schwester Maria Anna fuhr einen der goldenen Karussell-Wägen, der hier vor dem Gemälde aufgestellt ist. Ähnlich berühmt wurden die Schlittenfahrten, die sich im allgemeinen zwischen der Hofburg und Schönbrunn hin- und herbewegten. Ein Riesengemälde zeigt die Schlittenfahrt, die der Hof 1765 anlässlich der zweiten Hochzeit von Joseph II. mit seiner bayerischen Cousine veranstaltete, und auf einem weißen („Schnee“)-Hügel davor hat man die goldenen Schlitten samt Pferden aufgestellt… Dass solche Veranstaltungen eine ausgefeilte (und wohl auch geprobte) Choreographie benötigten, damit nicht jeder wahllos hin- und herfuhr, versteht sich. Die Ausstellung zeigt Skizzen mit genau vorgegebenen Anweisungen der zu nehmenden Wege.

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Vor allem in der Staatskarosse      Maria Theresia hatte für die ungarische Krönung ihre bis dahin nicht besonderen Reitkünste aufgefrischt, denn sie wollte sich beim Ritt auf den Königshügel in Pressburg natürlich nicht blamieren. Danach wurde sie eine so leidenschaftliche Reiterin, dass sie bei den Damen des Hofes eine wahre Mode auslöste, über die die Herren nur den Kopf schütteln konnten. Sie ritt sogar während mancher Schwangerschaft – aber man besitzt auch einen Gala-Tragsessel, wie er im höheren Stadium der Schwangerschaft nötig wurde. Immer ein Glanzstück der Wagenburg war und ist der vergoldete Imperialwagen, der von einem Kaiser zum nächsten weitergereicht wurde, jeder ließ dann seine Insignien darauf applizieren: Maria Theresia ließ Hera gegen Poseidon darauf setzen – sie gegen Friedrich II. von Preußen. Die goldene Karosse diente als Beförderungsmittel zu allen festlichen Anlässen – wie ein Staatswagen im Autopark der Republik.

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Der eigene Orden der Königin         Maria Theresia konnte vieles, aber nicht alles: Sie konnte nicht selbst, in persona, Kaiserin des Heiligen Römischen Reichs werden (nur als Gattin und wird auf vielen Dokumenten auch als „Römische Kaiserin“ bezeichnet), und sie konnte nicht Großmeister des Goldenen Vlieses werden, weil dieser Habsburgische Hausorden nur Männer aufnahm. Aber sie konnte als „König von Ungarn“ ihren eigenen Orden gründen: Man sieht die Ornate des „St. Stephans-Ordens“, den sie als Verdienstorden gründete, was bedeutete, dass sie in diesem Fall Leistung vor Geburt stellte. Nur dass sie hier auch Frauen aufgenommen hätte, so weit ging sie nicht – sie wusste, wie viel sie der Mitwelt zumuten konnte. Doch dafür, dass sie in der damaligen Welt „nur eine Frau“ war, hat sie das Optimum aus ihrer Stellung und ihren Möglichkeiten gemacht.

Wagenburg: „Maria Theresia – Frauenpower und Lebensfreude“
Bis 29. November 2017, täglich 10 bis 18 Uhr

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WIEN / Hofmobiliendepot: MARIA THERESIA zum Ersten

Maria Theresia Ausstellungsplakat

WIEN / Hofmobiliendepot: 
300 JAHRE MARIA THERESIA
„STRATEGIN MUTTER REFORMERIN“
Familie und Vermächtnis 
Bis 29. November 2017  (Heiner Wesemann)

Visualisiert und verschriftlicht

Auch im Vorjahr haben sich die Schloß Schönbrunn Kultur-und Betriebsges.m.b.H. und der KHM-Museumsverband zusammen geschlossen, um damals den 100. Todestag von Kaiser Franz Joseph mit vier Ausstellungen zu begleiten. Heuer geschieht Gleiches anlässlich des 300. Geburtstags von Maria Theresia. Es gibt allerdings eine kleine Änderung – das Schloß Schönbrunn mit seinen buchstäblich Millionen Besuchern jährlich trägt den zusätzlichen Ansturm von Besuchern nicht so gut. Also sind es in Wien nur noch zwei Ausstellungsorte – das Hofmobiliendepot und die Wagenburg -, während man in Niederösterreich die beiden Marchfeldschlösser Schlosshof und Niederweiden „bespielt“. Dabei hat man sich in Wien eher auf die „private“, in Niederösterreich auf die „politische“ Maria Theresia konzentriert.

Von Heiner Wesemann

Was war sie wirklich?    Als übergreifende Schlagworte einer „300 Jahre danach“ aktuellen Maria Theresia-Betrachtung hat man die Begriffe „Strategin Mutter Reformerin“ gewählt. Strategin war sie gewiß, vor allem in Bezug auf ihre Selbstdarstellung (was ihre Mitmenschen betraf, war sie Diplomatin hohen Ranges). Die Rolle der Mutter kann man ihr nicht absprechen, wenn der Kindersegen auch mit einiger Sicherheit nicht der Befriedigung mütterlicher Instinkte, sondern dem politischen Kalkül diente. Die „Reformerin“ ist ihre unangefochtenste Rolle, hier hat sie mit Intelligenz, Umsicht und natürlich auch Strategie agiert, sowohl die organisatorischen wie die finanziellen Notwendigkeiten fest im Blick. Jeder heutige Blick auf Maria Theresia differenziert frühere Urteile, und auch gegenwärtige Fragestellungen (wie die Betonung von Antisemitismus und religiöser Intoleranz) folgen dem Zeitgeist.

Maria Theresia Blumenstrauss aus Edelsteinen

Visualisiert und verschriftlicht    Die schön gestaltete Ausstellung versucht erfolgreich, das Zeitalter Maria Theresias visuell zu versinnlichen – mit Möbeln, Geschirr, Kostbarkeiten (ein „Blumenstrauß“ als Diamanten als Geschenk für den Gemahl). Man hat sogar einen ausgestopften Schoßhund aus dem Naturhistorischen Museum geholt, weil diese Tiere offenbar zum Alltag der Kinderstuben gehörten. Tatsächlich geht es aber um Bilder und um Dokumente. Und an diesen Bildern kann man klar machen, wie gezielt die Selbstdarstellung Maria Theresias und ihrer Familie betrieben wurde. Vor allem die Darstellungen der Kinder war doppelt nötig – um zu den Untertanen eine „familiäre“ Beziehung zu den Habsburgern aufzubauen, wie auch, um den Ausland (den Feinden zumal)  zu zeigen, dass die Situation, die eine Frau auf die Throne der Habsburgischen Erblande brachte (!), sich nie mehr wiederholen würde… Die Verschriftlichung zeigt sich an einer Überfülle von Dokumenten aller Art, die erst mit der Hand geführt (und aufbewahrt wurden), von der Geburt bis zur peniblen Schilderung des Sterbens. Der schier ungeheure Verwaltungsaufwand des Hofes, der sich auch auf Sitzordnungen bei Staatsdiners und auf Poststationen bei Reisen bezog, ist in seiner Logistik nachzuvollziehen, viele Aufzeichnungen wurden auch gedruckt. Ein Beamtenstaat dokumentierte alles – nicht zuletzt sich selbst.

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Familie, Familie, Familie   Die Ausstellung im Hofmobiliendepot ist dem Lebensüberblick gewidmet, wobei im ersten Stock das Leben abläuft, eingebettet in Porzellan, Schmuck und Silber –  und eine Unzahl von Verwandten, in prunkvollen Stammtafeln oder Medaillon-Sammlungen zu bewundern. Im Mittelpunkt immer wieder Maria Theresia und ihr Gatte Franz Stephan, selten gemeinsam auf einem Gemälde, meist in repräsentativen Doppelbildnissen, die zwar getrennt sind, aber in Größe und Stil eindeutig zueinander gehörig gestaltet wurden. Daneben wird man von den Kindern überschwemmt, ihren Bildern, aber auch ihren Talenten – die Habsburger waren begabt, nicht nur in Musik, einige Töchter zeichneten sehr gut, erzählen der Nachwelt „Familienszenen“. Auch unter „privat“ fallen Ereignisse wie Erbhuldigung, Ungarische Krönung (besonders wichtig in der medialen Verwertung damals), Franz Stephans Kaiserkrönung, Hochzeiten. Das alles vermittelt einen ungetrübten, wenn auch für die Beteiligten wohl etwas „anstrengenden“ Eindruck…

Maria Theresia Asiatisches Zimmer

Ein Schloß und eine Herrscherin   Nach dem Tod ihres Vaters in der Favorita (dem heutigen Theresianum) wollte Maria Theresia diese Sommerresidenz nicht mehr benützen. Sie kümmerte sich sehr um die Ausgestaltung von Schönbrunn, und hier konnten die Ausstellungsmacher dann auch schwelgen, wenn sie etwa Blumenecken oder Indisches oder Chinesisches (Maria Theresia schwärmte für asiatischen Exotismus) nachstellen.

Und drei Karikaturen     Da die Hagiographie schon zu Lebzeiten festgeschrieben wurde, stets Stück für Stück ergänzt und dauernd daran gearbeitet, wird man von Widerstand oder Unzufriedenheit nichts erfahren, möglicherweise drang dergleichen auch nicht in die familiäre Welt. Und die Karikaturen, die über Maria Theresia erschienen, konnten nur von ausländischen Blättern vertrieben werden – zwei niederländische, eine englische greifen der Herrscherin unter die Kleider. Dass man dergleichen in ihrem  Reich nicht zu sehen bekam, dafür sorgte die Zensur…

Bildnis in Witwentracht an einem Schreibtisch sitzend. Aquarell auf Elfenbein, unbekannter Künstler um 1770.  Wien, Hofburg, Präsidentschaftskanzlei.

Das Nachleben begann schon früh     Im Parterre der Ausstellung ist das Ende auch ein Anfang: Maria Theresia im Witwengewand, das sie die letzten fünfzehn Jahre ihres Lebens nicht ablegte, wurde ebenso populär wie die großen Repräsentationsgemälde der Kaiserin. Man hat ihren Tod und ihr Begräbnis genau dokumentiert, neben der berühmten Sterbeszene von Löschenkohl ist sie auch im Sarg liegend zu erblicken. Und dann begann das Nachleben, das für die Habsburger-Dynastie so wichtig war wie ihr Leben. Die Denkmäler, die Romane, Theaterstücke, Operetten, Filme. Nicht übertrieben viel, aber stets signifikant. Zu den beliebtesten Mythen, weil hier Maria Theresia mit einem ebenso großen Namen gekoppelt werden konnte, zählte der Auftritt des kleinen „Wolferl“ Mozart in Schönbrunn, der „der Kaiserin auf den Schoß sprang“. Lesebuchgeschichten für die Popularität, aber auch der „staatstragende“ Mythos: Hugo von Hofmannsthal lobte mit hohen Worten, Leopold Figl nannte sie 1945, als die österreichische Identität wieder dringend gesucht wurde, die „Mater Austriae“. Genügend Fotos aus der Republik beweisen, dass man Politikersärge vor ihrem Gemälde aufbahrte – und dass auch Bruno Kreisky im Schatten von Maria Theresias Bildnis stand, die lange Zeit unangefochten gewissermaßen „das beste Österreich“ repräsentieren durfte und hier eine geradezu „rauschhafte“ Darstellung findet.

Hofmobiliendepot: „Maria Theresia – Familie und Vermächtnis“
Bis 29. November 2017, täglich 10 bis 18 Uhr

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