Der Neue Merker

WIEN / Leopold Museum: FRAUENBILDER

Frauenbilder  Titel~1

WIEN / Leopold Museum:
FRAUENBILDER
VOM BIEDERMEIER BIS ZUR FRÜHEN MODERNE
Vom 7. Juli 2017 bis zum 18. September 2017

Spielarten des Weiblichen

Das Leopold Museum zählt zu jenen „reichen“ Institutionen, die ihre eigenen Bestände mühelos auf Themenquerschnitte durchforsten und daraus Großausstellungen gestalten können. Das gelang kürzlich mit Landschaftsbildern und nun, in noch weit breiteren Rahmen, mit den „Frauenbildern“. Dass man sich – den Schwerpunkten der Sammlung gemäß – mehr oder minder auf das Jahrhundert zwischen 1830 und 1930 beschränkt, engt das Thema nicht wirklich ein. Vielmehr haben die Kuratoren Franz Smola und Birgit Piringer gut 150 hochrangige Gemälde und einige dazu passende Graphiken auch nach Fragestellungen geordnet, die im Zusammenhang dann erhellende Einblicke bieten.

Von Renate Wagner

 Romako  Gesicht~1  Waldmüller Alte Frau~1  Funke Mädchenkopf~1

Frauen – die grenzenlose Möglichkeit     Im ersten Saal sind sie in der ganzen Fülle ihrer Möglichkeiten versammelt: die Biedermeier-Schlichtheit (Waldmüller) und das Pathos (Feuerbach), die Lieblichkeit (Romako) und die Romantik (Makart), der rauere Zugriff (Boeckl). Frauenbilder aller Art. Mit einem Schwerpunkt auf die österreichische Kunst schreitet man dann das ewige und unerschöpfliche Thema „Frau“ aus, von der Realität bis zur Symbolik, von der Verherrlichung bis zur Kritik. Schwerpunkte der Ausstellung sind auch Schwerpunkte der Sammlung, darunter Egon Schieles „Trauernde Frau“, ein Lieblingsbild von Elisabeth Leopold. Mit ungeheurer Intensität sieht die Frau in Schwarz ins Leere, hinter ihr erhebt sich eine halbe Gesichtshälfte – zweifellos der Mann, um den sie trauert. Die Frau als Ausgangspunkt für eine Aussage, die weit über das Porträt hinaus geht. Ähnlich gnadenlos kommt vielleicht nur noch Käthe Kollwitz dem Betrachter entgegen.

Vom Porträt zum Sujet     Die Auswahl der Kuratoren konterkariert manches Vorurteil. Nein, die Biedermeier-Maler haben Frauen nicht nur schön und lieblich, sondern auch streng und persönlichkeitsstark gemalt. Das Sexobjekt kam erst später. Die Mutterrolle, hier in einem Saal zusammen gestellt, ist keinesfalls nur verherrlichend gemeint (wie, auf der Kippe zum Kitsch, bei Feuerbach) – die junge Frau, von Waldmüller gemalt, die sich umgeben von vier Kindern bei der Tür herein quält… keine Idylle. Bei Schiele scheint das Sujet gar existenzielles Entsetzen zu vermitteln.

Lebenslauf und Beruf     Ein natürliches Thema sind die Lebensalter, wobei gerade junge Mädchen und Frauen hier, alte Frauen dort immer wieder gemalt wurden, erstere als Blick voraus voll Hoffnung, letztere als Blick zurück auf ein schweres Leben. Das sich auch in den Berufswelten widerspiegelt, die hier – man muss schließlich mit der Sammlung gehen – entweder das bäuerliche Dasein zeigen oder die Frau als Tänzerin, Künstlerin, immer wieder auch als Modell. Wobei es nicht nur um die Aktbilder geht, sondern es auch mehrere Werke gibt, in denen der Maler bei der Arbeit am Modell gezeigt wird und man hier absolut Neues entdecken kann – beispielsweise ein geradezu ironisches Gemälde von Egger-Lienz, wo ein Bauernmädchen skeptisch auf den Amateurmaler blickt, der sich an der Staffelei mit ihrem Bild plagt, während zwei Alte neugierig dabei zusehen…

Egger Lienz~1

Die Künstlerin als Thema     Wie man weiß, haben sich Frauen Ende des 19. Jahrhunderts in dem Beruf der „Malerin“ durchgesetzt, Tina Blau vor allem, Marie Egner, Olga Wiesinger-Florian oder Broncia Koller-Pinell. Interessant, dass sie – mit kaum Ausnahmen – hier auf Landschaften und Blumenbilder zurückgeworfen schienen, wenn sie es auch in der Naturbetrachtung zu außerordentlicher Meisterschaft gebracht haben. Bemerkenswert und dankenswert, wie viele kaum bekannte Namen auftauchen, wenn sich die Ausstellung der Ausbildung und den Möglichkeiten der Künstlerinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zuwendet. Von den Männern vielfach verhöhnt, haben die Kunstgewerbe-Meisterinnen der Wiener Werkstätte („Wiener Weiber Kunstgewerbe“ nannte es Adolf Loos) nicht nur zu Lebzeiten, sondern auch in der Nachwelt Ruhm geerntet – man steht immer wieder so amüsiert wie fasziniert vor etwa dem Schöpfungen einer Wally Wieselthier. All das ist so aufschlussreich und interessant, dass man nur bedauert, dass es das Leopold Museum für diese Ausstellung mit einer kleinen Broschüre bewenden ließ – Thema und Inhalt hätten einen großen, ausführlichen Katalog verlangt.

In der Tiefe       Die „Frauenbilder“ umfassen das erste Untergeschoß des Hauses und stehen wohl für die besonderen Vorlieben von Elisabeth Leopold. Im zweiten Untergeschoß darf sich der neue Direktor Hans-Peter Wipplinger austoben.

Wobei die Eröffnung des „Grafischen Kabinetts“ des Hauses durchaus als geglückt bezeichnet werden kann. Man besitzt hier eine der größten Kubin-Sammlungen der Welt, und dass der österreichische Autor mit polnischen Wurzeln, Radek Knapp, 41 Werke des Künstlers nahm und zu einer von ihm geschriebenen Geschichte mit dem Titel „Die Stunde der Geburt“ verband, gibt zumindest die Möglichkeit, die immer wieder faszinierenden Kubins wieder zu sehen.

Die Ausstellung „Jan Fabre. Stigmata – Actions & Performances 1976-2016“ schließlich gibt erstmals in Österreich einen äußerst bunten Überblick über das performative Schaffen des Künstlers, und wer mit dergleichen etwas anfangen kann, wird sicher bestens bedient.

Frauenbilder. Vom Biedermeier zur frühen Moderne
Bis 18. September 2017, den Sommer über täglich von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr. Ab September Dienstag geschlossen

Radek Knapp tritt Alfred Kubin. Bis 4. September 2017

Jan Fabre. Bis 27. August 2017

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WIEN / Winterpalais: JAN III. SOBIEKSI

Sobieski Plakat xx~1

WIEN / Winterpalais: 
JAN III. SOBIEKSI
EIN POLNISCHER KÖNIG IN WIEN
Vom 7. Juli 2017 bis zum  1. November 2017 

Der Retter des Abendlands

„Noch ist Polen nicht verloren“, hieß es immer wieder in der Geschichte des so oft zerstückelten Landes. Dass das „christliche Abendland“ 1683 vor Wien nicht verloren ging, dankte man einem polnischen König: Dass er sich mit seinem Heer aufmachte, um sich den Türken entgegen zu stellen, entschied in der Schlacht vom Kahlenberg den Sieg der „Katholischen Liga“, der vereinigten polnischen, kaiserlichen und deutschen Truppen. Doch man weiß von Jan III. Sobieski hierzulande im allgemeinen auch nicht mehr, als dass er „der Retter“ war. Dem hilft eine Ausstellung im Winterpalais ab, die vom Belvedere ausgerichtet wurde – letztmals in diesen Räumlichkeiten, wie es heißt.

Von Heiner Wesemann

Jan Sobieksi    Sobieski, am 17. August 1629 in Olesko, das heute in der Ukraine liegt, geboren, stammte aus einem angesehenen polnischen Adelsgeschlecht. Das hätte in einem Land, das seit Jahrhunderten ein Wahlkönigtum war, nicht unbedingt für das höchste Amt ausgereicht. Doch der glänzend ausgebildete Sobieski, der sich auf Reisen durch Europa zusätzlich bildete, konnte sich im Dienst des damaligen polnischen Königs in vielen Schlachten bewähren. Als Botschafter im Osmanischen Reich lernte er Kultur und Strategien der Türken kennen. Es fehlte nicht an Kriegen, ob gegen die Schweden, gegen die Russen, gegen die Osmanen, und Sobieski stieg dankt seiner Leistungen als Feldherr immer höher in der Hierarchie. Als der polnische Thron 1674 wieder einmal frei wurde, wählte man ihn zum König, ein Amt, das er bis zu seinem Tod am 17. Juni 1696 in Warschau inne hatte. Die Ausstellung zeigt auch die Urkunde seiner Wahl.

Sobieksi Raum 1~1
Fotos: Belvedere

Sein größter Sieg    
Das Zentrum der Wiener Ausstellung, die von den Kuratoren Maike Hohn (Belvedere) und Konrad Pyzel (Museum Schloss Wilanów) mit rund 100 Kostbarkeiten bestückt wurde, ist natürlich die Schlacht um Wien, zweifellos Sobieskis größte Tat. Kaiser Leopold I. hatte in Voraussicht Ende Mai 1683 ein Offensiv- und Defensiv-Bündnis mit ihm geschlossen. Dieses Dokument zählt zu den Kostbarkeiten, die das Haus-, Hof- und Staatsarchiv zur Ausstellung beigesteuert hat, der vorangegangene Brief des Kaisers an den polnischen König kommt aus dem Warschauer Zentralarchiv. Und der Verbündete (von dem es auch Zeichnungen zur Schlachtordnung gibt!) ließ die Stadt Wien, die in mehrwöchiger Belagerung von den Türken fast hoffnungslos eingeschlossen schien, nicht im Stich. Von der Entscheidungsschlacht am 12. September 1683 gibt es nicht nur eindrucksvolle Gemälde von Gonzales Franciscus Casteels und Martino Altomonte, sondern auch eine ganze Serie von Kupferstichen mit Einzelszenen des Kampfes. Und natürlich sind die die Gegner Sobieksi und Kara Mustafa dargestellt, wie auch die Siegesbeute der überstürzt fliehenden Türken – Schilde, Standarten, Sättel, Pulverhorn, Gewänder, alles vom Feinsten. Man sieht auch ein Beispiel der polnischen Ausrüstung: Ein „Hetmanzeichen“ in Sobieskis Arme wirkt mit seinen Schwung- und Adlerfedern wie ein Indianerschmuck…

Sobieski Hetman Sobieski Familie 2

Sobieski privat       Man wird nicht oft Gelegenheit haben, Liebesbriefe aus dem 17. Jahrhundert zu lesen, aber der Computer übersetzt das Original für den Ausstellungsbesucher. Tatsächlich hat es sich bei  Sobieski und Maria Casimire (auf Polnisch: Kazimiera) d’Arquien um eine Liebesehe gehandelt. Die französische Adelige war Hofdame bei der vorangegangenen polnischen Königin gewesen, bevor sie Sobieski heiratete, der sie später zur Königin machte. Es gibt höchst reizvolle Bilder von ihr wie auch von den Kindern des Paares. Maria Casimire hat nicht nur Sobieskis Vorliebe für Frankreich verstärkt, sie war ihm auch eine wichtige politische Verbündete, wobei sich allerdings der Traum der beiden nicht erfüllte, die Krone für die „Dynastie“ zu sichern – nach Sobieski kam nicht einer seiner Söhne, sondern August der Starke, also die Wettiner, die Deutschen.

Die barocke Welt des Geistes und der Künste    Wie übergreifend die künstlerischen Ambitionen barocker Fürsten waren (sofern ihr persönliches Niveau sie dazu prädestinierte), zeigt nicht zuletzt die „Wanderung“ der Künstler durch Europa – Sobieskis Hofmaler Martino Altomonte (1659–1745) kam bald nach dessen Tod um 1700 nach Wien – und nun war es Prinz Eugen, in dessen Dienste er trat… Nicht nur die eindrucksvolle Gemälde- und Porträtsammlung, die in dieser Ausstellung präsentiert wird, auch zahlreiche kunstgewerbliche Objekte zeugen vom Kunstsinn des Herrschers, der auch viele Wissenschaftler um sich versammelte. Jenes Schloss Wilanów, das Sobieski prachtvoll hatte ausstatten lassen und in dem er starb, hat später kein Geringerer als Bernardo Bellotto gemalt.

Das Winterpalais     Wieder einmal passt sich eine Ausstellung ideal in die Räumlichkeiten des Winterpalais des Prinzen Eugen ein. Denn der Savoyer war im Jahr 1683, vom französischen König verächtlich entlassen, noch nicht 20jährige nach Wien gekommen, um den Habsburgern seine Dienste anzubieten. Diese konnten sie angesichts des Türkenkrieges gut brauchen – und so verdiente sich der junge Mann, der später einer der genialsten Feldherren seiner Zeit sein sollte, ohne militärische Erfahrung hier seine ersten militärischen Sporen. Ob er Sobieksi je begegnet ist, weiß man nicht, man möchte es gerne vermuten. Dass die beiden als Militärs und Kunstsammler viel gemeinsam hatten, steht fest. Im Palais des Prinzen Eugen findet sich Jan III. Sobieski für seine Wiener Würdigung jedenfalls im richtigen Umfeld.

 JAN III. SOBIESKI Ein polnischer König in Wien
Winterpalais, 7. Juli bis 1. November 2017  
Täglich 10 bis 18 Uhr, Freitag bis 21 Uhr

 

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WIEN / Belvedere: MARIA THERESIA UND DIE KUNST

MariaTh Kunst  Messerschmidt~1 
(In der Ausstellung fotografiert)

WIEN / Unteres Belvedere: 
MARIA THERESIA UND DIE KUNST
Vom 30. Juni 2017 bis zum 5. November 2017 

Kunst aus Kalkül,

Kunst aus Neigung?

Viele neue Biographien zum 300. Geburtstag haben Maria Theresia längst nicht mehr als die warmherzige, den Künsten zuneigte Landes- und Familienmutter gezeichnet, sondern als Frau, die sich der Schwierigkeiten ihrer Rolle voll bewusst war und ihr eigenes Image kalkulierend prägte. Zur fürstlichen Repräsentation zählte stets die Kunst – aber sie soll diese durchaus auch mit Neigung, nicht nur zur eigenen Macht- und Prachtentfaltung eingesetzt haben. Das zumindest will Kurator Georg Lechner mit der Ausstellung „Maria Theresia und die Kunst“ im Unteren Belvedere beweisen – und es ist ihm gelungen.

Von Renate Wagner

Die Habsburger – eine künstlerisch begabte Familie    Eine Familie, die drei komponierende Kaiser aufwies und von musikalischen „Spectaceln“ nicht genug bekommen konnte, darf als künstlerisch geprägt betrachtet werden. Maria Theresia, die selbst Zeichenunterricht erhalten hatte und diesen auch ihren Kindern angedeihen ließ, die selbst auf der Bühne sang und spielte und tanzte und bei der Musikunterricht selbstverständlich verpflichtend war (ein Gemälde zeigt ihre Tochter Maria Antonia, später Frankreichs Königin Marie Antoinette, am Clavichord), war von Kunst umgeben. Auch von bildender Kunst. Erst in den Generationen nach ihr sind diese Talente (etwa in dem doch eher unmusischen Franz Joseph, der als Kind allerdings auch sehr gut zeichnete!) schwächer geworden. Die Frage stellt sich allerdings, welche Rolle speziell die bildende Kunst – Architektur, Plastik, Malerei – in der Welt Maria Theresias spielte.

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Gemälde zur Repräsentation    Mitglieder der Kaiserfamilie wurden gemalt – die Ausstellung zeigt im ersten Raum, wo die kaiserlichen Ganzkörperdarstellungen und Porträts dominierend, wie überbordend wichtig dies war. Schon von der sechsjährigen Maria Theresia gab es ein entzückendes Kinderbild, und später, als ihre Söhne und Töchter über Europa verstreut waren und es ja noch nicht einmal Fotos (geschweige denn Skype und Selfies…) gab, schickte man Gemälde herum: Der kleine Franz, ihr erster Enkel (später Kaiser Franz II. / I.), kam als Kinderbildnis nach Wien  zur Großmutter… Die offiziellen Repräsentationsgemälde zeigten oft das Kaiserpaar, allerdings ganz, ganz selten gemeinsam, meist in gleich großen, gleich gestalteten Bildnissen und Büsten. Man malte die Kinder, denn sie waren dynastischer Reichtum, sie waren „Heirats- und Bündnismaterial“, sie sollten vor allem der Welt zeigen, dass die Nachwuchsprobleme des Hauses Habsburg unter Maria Theresia gänzlich behoben waren: Schließlich überlebten 10 ihrer 16 Nachkommen das Kleinkind- und Kindesalter, sie konnte drei Söhne und vier Töchter verheiraten, nur zwei Töchter und ein Sohn, dem man den geistlichen Stand zuteilte, blieben „übrig“…

Von steif bis locker     Maria Theresia, die immer kostbar gekleidet auf ihren Gemälden zu sehen ist, aber nie „Mode“ machte (wie später Marie Antoinette in Paris), erscheint auf den Gemälden von Martin van Meytens d.J. und Jean-Étienne Liotard, den geschätztesten Porträtkünstlern ihrer Zeit, ernst und würdig bis zur Steifheit. Interessant als Kontrapunkt sind Gemälde des an sich weniger bekannten Franz Anton Palko, gleich alt mit der Kaiserin, aus Breslau stammend, erst für den ungarischen Adel, dann für den Wiener Hof tätig: Er hatte offenbar den Auftrag, eine posthume Habsburgische Familiengalerie zu erstellen, die Ausstellung zeigt Gemälde von Kaiser Ferdinand I. und Kaiser Matthias, geht also um Jahrhunderte zurück (das Projekt wurde aber offenbar nicht fortgesetzt). Sowohl diese Bilder wie Ganzkörperbildnisse des Kaiserpaares zeigen, um wie viel „lockerer“, fast schon rokokoartig man damals auch schon malen konnte… Denn Maria Theresia im ungarischen Krönungsgewand von Daniel Schmidely (aus Bratislava geliehen) offenbart vergleichsweise wieder die ganze repräsentative Steifheit der Epoche.

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Die Pracht der Schlösser      Es gab zur Zeit Maria Theresias zahlreiche Schlösser auszugestalten, Schönbrunn ebenso wie Laxenburg und jenes Belvedere, in dem nun die Ausstellung stattfindet. Die Kaiserin hatte es bekanntlich aus dem Nachlaß von Prinz Eugen erworben, und später haben sie und ihr Sohn Joseph II. die Kunstsammlung der Familie hier für die Bevölkerung öffentlich gemacht – im 18. Jahrhundert war solch demokratisches Verhalten noch keine Selbstverständlichkeit. Diese Schlösser brauchten prachtvolle Deckengemälde (hier wirkten Franz Anton Maulbertsch, Gregorio Guglielmi, Daniel Gran, von deren Werken man großartige Ölskizzen sieht – die Decken selbst sind dann per Videos zu besichtigen). Die Kaiserin liebte in ihren Schlössern Landschaftsveduten, deren Meister damals Johann Christian Brand war. Viele Akten über Aufträge an Künstler zeigen Bemerkungen und Unterschrift Maria Theresias – sie hat sich wahrlich darum gekümmert. Brand hat sie etwa ebenso mit einem „Naturbild“, eine Reiherbeize in Laxenburg, wie mit einem Schlachtengemälde beauftragt (die Schlacht bei Hochkirch 1758 im Siebenjährigen Krieg war schließlich einer der wenigen österreichischen Erfolge, als Feldmarschall Graf Daun das von Friedrich II. persönlich geführte preußische Heer besiegte…)

Der Donner-Brunnen    Die Originalfiguren des berühmten Brunnens von Georg Raphael Donner zieren heute in ihrer ganzen Pracht und Schönheit den zentralen Saal des Unteren Belvederes – noch nie haben sie so unmittelbar zu einer Ausstellung gepasst. Wobei Kurator Georg Lechner eine berühmte Geschichte neu und nicht mehr zu Ungunsten der Kaiserin erzählen will. Sie habe die Figuren, die ihr zu „unsittlich“ erschienen, vom damaligen Mehlmarkt entfernen lassen, sie sollten sogar vernichtet werden (selbst Wikipedia erzählt es so). Tatsächlich hätte sie wohl nicht von 1739, als der Brunnen errichtet wurde, bis 1773 mit diesem Vernichtungswerk gewartet. Tatsache ist, dass die Blei-Zinn-Legierung der Figuren an Materialermüdung litt und man sie deshalb aus der „freien Luft“ entfernte. Warum es so lange dauerte, bis man die Bronzekopien am Neuen Markt aufstellte und die verräumten Originale im Belvedere einen Ehrenplatz fanden, das weiß man freilich nicht so genau – man findet ja doch nicht alles in den Akten. Selbst eine lebensgroße Marmorstatue, die Kaiser Franz Stephan als römischen Imperator zeigt, gibt Rätsel auf: Wer, wann, wie das Werk in  Auftrag gab, weiß man nicht. Gezeigt wird es in der Ausstellung natürlich.

MariaTh Kunst  Kinder zeigen mTh Bilder~1

Nicht sammeln, beauftragen    Tatsächlich erteilte Maria Theresia, die ja nicht selbst Kunst „sammelte“, viele Aufträge an Zeitgenossen. Sie hatte weder die Zeit noch das Geld, sich wie Prinz Eugen (der noch in den Nächten vor Schlachten Briefe an seine Agenten schrieb und den Kauf von Kunstwerken beauftrage) allseits über den Kunstmarkt zu informieren, was auch manche ihrer fürstlichen Kollegen taten. Ihr Schwiegersohn Albert von Sachsen-Teschen und ihre Tochter Marie Christine, beide extrem kunstsinnig, benützten ihren Aufenthalt als Statthalter der Österreichischen Niederlande, um die damals zeitgenössische, mehr aber noch die auch damals schon „alte“ Kunst zu erwerben, ihre Reisen glichen „Raubzügen“, von denen Österreich heute noch zehrt. Nicht von ungefähr zeigt ein Gemälde von Friedrich Heinrich Füger, „Kaiserin Maria Theresia im Kreise ihrer Kinder“, 1776, wie Albert und Marie Christine der verwitweten Kaiserin Bilder zeigen, die sie mitgebracht haben…

Themenfülle    Die Ausstellung hat mit einer wahren Themenfülle zu kämpfen – zeigt man doch auch Porzellan (die Kaiserin wünschte Figuren als Schmuck auf der kaiserlichen Tafel), Gobelins (gekauft oder geschenkt erhalten), ist doch auch zu erwähnen, dass Canaletto (der Warschauer / Dresdener / Wiener Canaletto namens Bernardo Bellotto, Neffe des „Venedig-Canalettos“) beauftragt wurde, Schönbrunn, Schlosshof und Wiener Veduten zu malen, muss man doch erwähnen, dass Maria Theresia sich nicht nur Offiziere, sondern auch Künstler heranerziehen ließ, nicht zuletzt durch das von ihr ins Leben gerufene „Rom-Stipendium“ (Friedrich Heinrich Füger war einer der Nutznießer).

Denkmäler und der Doppelsarkophag     Es ging Maria Theresia nicht nur um Repräsentations-Porträts und die Innenausstattung ihrer Schlösser, sie hat auch zahlreiche bildhauerische Aufträge erteilt. Sie selbst ist immer wieder als „Büste“ zu sehen (darunter von jenem Franz Xaver Messerschmidt, der hier auf die grandiosen Exzesse seiner berüchtigten Charakterköpfe verzichtete). Dass sie für den Schlosspark von Schönbrunn gleich 36 Statuen bestellte, hat den Bildhauer Wilhelm Beyer so überfordert, dass er 15 weitere Kollegen heranziehen musste… Eines ihrer wichtigsten Projekte war aber der Doppelsarkophag in der Kapuzinergruft, der sie und ihren Gatten aufnehmen sollte und der zu einem Meisterstück ihres bevorzugten Bildhauers Balthasar Ferdinand Moll wurde. Vier der Relief-Seitenplatten hat Moll offenbar für sich kopiert und behalten, sie kamen nach seinem Tod ins Belvedere und sind in der  Ausstellung zu sehen – viel näher, als man sie in der Kapuzinergruft je betrachten kann…

Unteres Belvedere:
MARIA THERESIA UND DIE KUNST
Bis zum 5. November 2017,
täglich von 10 bis 18 Uhr, Freitag bis 21 Uhr

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BAD GAMS/ Skulpturenhaus Hortensia: PRÄSENTATION DER BRONZESTATUE CHRISTINE LAVANT

Skulpturenhaus Hortensia in Bad Gams:

Präsentation  der Bronzestatue Christine Lavant (24. 6. 2017)

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Bürgermeister Mag. Josef Wallner – rechts von der Statue und neben der Bildhauerin Hortensia – begrüßte die Festgäste (Foto: Peter Fussy

Anlässlich der Fertigstellung der Bronzeskulptur der Dichterin Christine Lavant durch die international bekannte Bildhauerin Hortensia fand am 24. Juni 2017 im Skulpturenhaus der Künstlerin  in Bad Gams in der Steiermark in einem festlichen Rahmen eine stark besuchte Präsentation statt.

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Die Festrede mit Grußworten aus dem Lavanttal hielt Bezirkshauptmann Mag. Georg Fejan (Foto: Peter Fussy)

Bürgermeister Mag. Josef Wallner begrüßte die zahlreich erschienenen Festgäste – unter anderen Monsignore Franz Neumüller, Dr. Helmut-Theobald Müller, Bezirkshauptmann von Deutschlandsberg, Landtagspräsident a.D. Franz Majcen, Dr. Manuela Karner, Vizebürgermeisterin von Wolfsberg, und Mag. Franz Bachhiesl, Präsident der Christine-Lavant-Gesellschaft – und wies darauf hin, dass die in Bad Gams seit einigen Jahren beheimatete Künstlerin Hortensia durch die Feier zum 100. Geburtstag von Christine Lavant im Juli 2015 zur Schaffung dieser Skulptur inspiriert wurde. „Es sei zu hoffen, dass dieses wunderbar gelungene Denkmal“ demnächst in der Stadt Wolfsberg auf dem Christine Lavant-Platz oder in St. Stefan, dem Geburtsort der Dichterin, aufgestellt werde.

In seiner ausführlichen Festrede sprach anschließend Bezirkshauptmann Mag. Georg Fejan Grußworte aus dem Lavanttal, wobei er festhielt, „dass der hundertste Geburtstag der Dichterin Christine Lavant zum Anlass genommen wurde, einen neuen Blick auf ihr Werk, auch auf ihr verborgenes, zu werfen. Die Dichterin, ihr Nachlass, erlebten eine nie gekannte Aufmerksamkeit, Bewertung und letztlich Wertschätzung.“ Er wies auch darauf hin, dass „die Abgeschlossenheit des Lavanttales dem dort Gesprochenen eine eigene Sprachmelodie brachte, die sich im allseits bekannten Idiom des Kärntner Dialekts eigentlich kaum wiederfindet, in vielen Orten, Anhöhen und Gräben vielmehr eine Nähe zum manchmal auch recht deftigen Ober- oder Weststeirischen offenbart.“

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Vorderansicht der Kopfes der Christine-Lavant-Skulptur, die insgesamt eine Höhe von 172 cm misst (Foto: Peter Fussy)

 Mag. Fejan ging in seiner Festrede auch auf die Isolation ein, die Christine Lavant am Fuß der Koralpe widerfuhr, die ihr den Blick in die Ferne versagten. Dennoch schuf sie „ein Werk voller Kraft, die sie physisch nie ausstrahlen konnte“. „Das Werk der Dichterin – vielerorts noch verborgen – darf heute gewürdigt werden. Einer zunehmend breiter werdenden Leserschaft bekannt, wird es einen noch breiteren Platz in der Literatur, nicht nur in der Lyrik allein, finden.“

 Nach einem Hinweis auf einen Holzschnitt des Jauntaler Malers Werner Berg, der eine bedeutende Rolle im Leben der Dichterin spielte, sprach Mag. Fejan die Skulptur Hortensias an, die „eine neue, eine zusätzliche Dimension“ schafft: „Es gibt ein Dahinter, ein Umkreisen, Perspektiven, eine Lebendigkeit in gleichzeitig vollendeter Starre, Gedanken, Gedenken und Bedenken der Ewigkeit.“ Der Festredner berichtete danach kurz über die Lesung, die vor zwei Jahren im Heimatort der Christine Lavant, in St. Stefan, stattfand und  dankte hiefür der Christine-Lavant-Gesellschaft.

„Heute finden wir diese Skulptur vor, vollendet in Form und Symmetrie, in der Tradition des Schaffens der Hortensia, die Skulptur, die Figur spricht zu uns und für sich selbst“, begeisterte sich der Festredner. „Bad Gams, welcher Rahmen konnte besser sein als Bühne und Zeuge für die Entstehung einer Skulptur, ein Ort, dessen Name slawischen Ursprungs nichts anderes als Stein bedeutet. Ein Ort, der wie der Heimatort der Dichterin an der Wurzel des gemeinsamen Gebirgszuges der Koralpe liegt, die zwei benachbarte Regionen voneinander trennt, aber aufgrund ihrer Sanftheit an mehreren Orten wieder miteinander verbinden lässt.“

 Am Schluss seiner Rede wandte sich Mag. Georg Fejan an die Künstlerin direkt: „Möglicherweise ist Ihnen, geschätzte Frau Hortensia, noch nicht bewusst, wie groß die Bedeutung dieses, Ihres Werkes ist und vielmehr sein wird. Möge die Skulptur ihren Weg nehmen und ihren Platz finden!“

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Seitenansicht des Kopfes der Christine-Lavant-Statue (Foto: Peter Fussy)

 Mit der Lesung dreier Gedichte von Christine Lavant durch Christian Teissl endete die „Vorstellung“ der Bronzestatue der Dichterin Christine Lavant.

Anschließend wurden von der Funky Jazz Lounge & Hans Lechner heimatliche Musikklänge und ein reichhaltiges lukullisches Büffet des Weststeirischen Hofs geboten.

Noch einige Worte der Künstlerin Hortensia über „ihr“ Christine Lavant-Denkmal: „In Lebensgröße geplant, auf einem flachen Sockel, ist ihr Wesen in ihrer bestimmten, aufrechten Haltung, ihrer blickgeraden Richtung und mittigen Handhaltung in die Skulptur eingegangen. Sie hält sich um ihre eigene Mitte mit der linken Hand und deutet mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf ihr Buch mit der Eingravierung Ich, Christine Lavant. Der Buchkörper, der leicht über den Sockel ragt, führt zugleich in die Diagonale des Quadrates des Grundrisses, auf dem wiederum das Quadrat des Grundrisses ihres Gewandes liegt. Es ergibt sich ein pyramidenförmiger Aufbau bis zum Kopf. Diese Symmetrie und die gezielten Abweichungen ergeben die magische Anziehungskraft der Skulptur von allen Seiten.“

 

Udo Pacolt

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WIEN / Belvedere: KLIMT UND DIE ANTIKE

KlimtAntike  Belvedere Fahnen~1  KlimtAntike Plakat~1

WIEN / Unteres Belvedere / Orangerie:
KLIMT UND DIE ANTIKE
EROTISCHE BEGEGNUNGEN
Vom 23. Juni 2017 bis zum 8. Oktober 2017 

Und Pallas Athene wacht…

Klimt, Antike, Erotik – das sind Begriffe, die man durchaus schon in Zusammenhang gebracht hat. Und außerdem, wie Belvedere-Chefin Stella Rollig meinte, was gibt es über einen so ausrecherchierten Künstler wie Gustav Klimt noch Neues zu erzählen? Eine rhetorische Frage, denn „Klimt und die Antike“ wird unter dem Gesichtspunkt „Erotische Begegnungen“ von Tobias G. Natter ausführlicher, klarer, chronologischer und erkenntnisreicher aufbereitet als je. Wobei den Besucher in der Orangerie nicht nur Klimt-Werke, sondern auch – im kunsthistorisch / archäologischen Criss Cross – herrliche Stücke aus der Antike erwarten. Ein Bad in Ästhetik, intelligent hinterfragt.

Von Renate Wagner

Die Ringstraße und die Antike      Immer schon spielte die Antike als künstlerisches Vorbild eine große Rolle im Unterricht an den Akademien, das ging auch dem jungen Gustav Klimt nicht anders. Dabei musste man gar nicht ins Ausland fahren, um die berühmten antiken Originale aufzusuchen – Klimt arbeitete nach Büchern und nach den Beständen, vielfach Gipsabgüsse, die später ins Kunsthistorische Museum gebracht wurden, sich damals (während dieses noch gebaut wurde – und Klimt Teile des Treppenhauses ausmalen durfte) im Unteren Belvedere befanden, gleich neben jener Orangerie, wo er heute mit dem „Antike“-Thema ausgestellt wird. Und wo man auch Gipskopien jener „Klassiker“ besichtigen kann, die Klimt selbst als Vorlage dienten.

Pallas Athene für die Secession     Klimt, der aus der „konventionellen“ Ringstraßenwelt zum Vorreiter der „Secession“ und damit der Moderne wurde, hat Pallas Athene zur Bannerträgerin der neuen Kunst gemacht, erst als Wächterin der Kunst, später, wie sie empfunden wurde, als „Dämonin der Secession“. Ihren Signetcharakter würde man heute, meint Tobias G. Natter, als „Corporate Identity“ bezeichnen. Auch andere Elemente auf den frühen Plakaten sind – wie Gegenüberstellungen in der Ausstellung zeigen – genau nach antikem Vorbild auf Friesen oder Vasen gestaltet (etwa das Gorgonenanlitz auf dem Schild der Göttin). Klimt, der auch eine Vorliebe für das Alte Ägypten und den Alten Orient hatte, die von den damaligen Professoren geringer geschätzt wurden als das „Griechische“, paraphrasierte die Antike mit geradezu spürbarer Lust.

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Der Beethovenfries       Die Darstellung der „Poesie“ aus dem Beethoven-Fries – die goldene, Kithara spielende Dame – wurde zum  Signet dieser Ausstellung auf Prospekt, Plakat und Katalog. Der 1901 / 02 für die Wiener Secession gestaltete Fries ist in zwei weiteren großformatigen Darstellungen zu sehen: Nicht aus der Secession abgenommen, sondern höchstwertige Kopien, die einst anlässlich der Restaurierung des Kunstwerks angefertigt wurden. Tatsächlich kann man hier zwecks Betrachtung an diese Werke weit näher herangehen als in der Secession selbst… und betrachten, wie hier Klimt die Antike bereits in seinem individuellen Stil „umschlungen“ hat.

Die Hetärengespräche       Klimts Illustrationen zu den „Hetärengesprächen“ des Dichters Lukian, die 1907 in der Übersetzung von Franz Blei erschienen und nach Meinung von Tobias G. Natter „das schönste Buch des Wiener Jugendstils“ darstellen, bilden dann den Höhepunkt der Ausstellung. 15 Gespräche, in denen sich die – hoch gebildeten – Hetären über den Alltag ihres Geschäfts, die Erotik, unterhalten, hier nicht nur mit den Klimt-Zeichnungen (die keine Illustrationen im strengen Sinn sind, weil sie nicht auf die Handlung zugeschnitten sind), sondern auch mit alter attischer Kunst aus vorchristlicher Zeit bestückt: Die Münchner Antikensammlung hat sich etwa zum Thema Frauenliebe sogar von einem ihrer kostbarsten Gefäße, die Dichterin Sappho zeigend, getrennt. Die Betrachtung der Vasen im Konnex mit Klimts Werk sind ein Teil der ungewöhnlichen Rezeptionsleistung, die diese Ausstellung den Zuschauern abverlangt.

„Going Public“ als Erotiker    Für Klimt waren diese „Hetärengespräche“ eine Art Befreiung, hin zur Selbstverständlichkeit der Nacktheit, der Darstellung erotischen Agierens. Es war sein „Going Public“ als „der Künstler als Erotiker“ … Prominente Erstbesitzer der „Hetärengespräche“, von Bahr (der ja auch die „Nuda Veritas“ besaß) bis zu Berta Zuckerkandl, legen im letzten Raum von der Schätzung und Anerkennung Klimts durch die wesentlichen Zeitgenossen Zeugnis ab.

„In memoriam“ Agnes Husslein     Eine Ausstellung wie diese „macht“ man nicht in ein paar Monaten. Es ist  Tobias G. Natter hoch anzurechnen, dass er nicht – wie alle anderen es tun!!! – die frühere Direktorin der „damnatio memoriae“ anheimfallen ließ. Vielmehr erwähnte er ausdrücklich, dass es Agnes Husslein war, die auf Anhieb von dem Projekt überzeugt war und es auf den Weg brachte. Nachfolgerin Stella Rollig hat dann die Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum zustande gebracht, das erkannte, dass man „seinen Klimt“, vom Publikum üblicherweise übersehen, wieder in den Mittelpunkt rücken kann – die Bilder, mit denen er als junger Mann das Stiegenhaus schmückte. Antikisierend, versteht sich. (Und die Kombikarte lässt vielleicht manchen Besucher die Gelegenheit ergreifen, sich im KHM ein bißchen umzusehen…) Übrigens: Der Katalog bietet auch die „Hetärengespräche“ des Lukian, die man nach dieser Ausstellung wohl lustvoll wieder liest…

Unteres Belvedere, Orangerie
Bis zum 8. Oktober 2017,
täglich 10 bis 18 Uhr, Freitag bis 21 Uhr

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WIEN / Nationalbibliothek: 300 JAHRE FREIMAURER

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WIEN / Österreichische Nationalbibliothek / Prunksaal: 
300 JAHRE FREIMAURER
Das wahre Geheimnis
Vom 23. Juni 2017 bis zum 7. Jänner 2018

Und wo ist das Geheimnis?

Freimauer  Schurz~1 
In der Ausstellung fotografiert

Geheimnisse? Die gäbe es nicht, versicherte Georg Semler bei der Pressekonferenz zur großen „Freimaurer“-Ausstellung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Womit der Großmeister der Österreichischen Logen wieder etwas zum „Geheimnis“ beiträgt, das diese Gesellschaft seit 300 Jahren – 1717, im Geburtsjahr Maria Theresias, wurden die „Free Masons“ in England begründet – so beharrlich umgibt. Was am Ende auch ihren Reiz ausmacht. Denn wenn alles so harmlos wäre – wozu das Theater? Und dass es da zu dreihundert Jahren Geschichte viel zu erzählen gibt, keinesfalls immer Harmloses, beweist die Ausstellung der Nationalbibliothek.

Von Renate Wagner

Ein Kind der Aufklärung    Die Wiener Ausstellung, kuratiert von Christian Rapp, bestückt mit eigenen Beständen der Nationalbibliothek und Objekten, die von den Freimaurern selbst zur Verfügung gestellt wurden, übt sich in unspektakulärer Nüchternheit. Um „gesichertes Wissen“ ginge es, erklärte Dr. Johanna Rachinger, die Generaldirektorin der Nationalbibliothek, nicht um Spekulation. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es im Heraufdämmern aufklärerischen Denkens viele neue Formen sozialer Kommunikation. Die Freimaurer unterschieden sich durch ihren idealistischen Anspruch, ihre programmatische Toleranz, die (möglicherweise in Grenzen) soziale und religiöse Schranken aufhob – und durch Rituale, die lange unter dem Schleier des Mystizismus lagen.

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Die Welt der großen Köpfe      Zwei „Litfasssäulen“, die im Zentrum des Prunksaals stehen, sammeln einfach Porträts: berühmteste Mitglieder. Da steht Haydn neben Goethe, Casanova neben Lessing, Churchill neben Franklin D. Roosevelt, Gershwin neben Lindbergh. Österreich hat unter Musikern (Mozart, Zemlinsky, Einem), Schriftstellern (Zweig, Bahr), Schauspielern (Karlheinz Böhm, Fritz Muliar) viele Namen aufzubieten, für die Politiker stehen Helmut Zilk oder Fred Sinowatz. Eine Frau ist in dem ganzen Männer-Reigen aufzufinden – Josephine Baker. Frauen waren in dem Männer-Club nicht vorgesehen, heute haben sie ihre eigenen Logen. Man „mischt“ sich nicht, was Großmeister Georg Semler nicht ohne Verwunderung konstatierte.

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Fülle der Themen      Von den Anfängen, die in die Welt der Dombaumeister zurückführen (aber auch noch andere Quellen kennen – nicht zuletzt das Ägypten, das auch in der „Zauberflöte“ vorkommt), über Rituale, Symbole (Zirkel, Winkelmaß, Auge) und ihre Gegenstände (Schurz, Schärpe, Hammer), kommt man schnell in die Politik: Man hielt die Freimaurer (zumal nach der Französischen Revolution) für Aufrührer und wandte sich gerade in der katholischen Monarchie stark gegen sie (ungeachtet dessen, dass zu Maria Theresias Verzweiflung ihr Gatte und ihr Schwiegersohn Albert von Sachsen-Teschen dem Bund angehörten). Die Verfolgung der Freimaurer, die – angesichts eines starken Anteils jüdischer Mitglieder – auch mit dem Antisemitismus Hand in Hand ging, erreichte unter dem Nationalsozialismus einen Höhepunkt.

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Mozart und die „Zauberflöte“   Eines der berühmtesten Bilder ist nicht als Original, nur als Foto zu sehen: der Blick in die Loge „Zur wahren Eintracht“ zeigt  rechts vorne ganz unverkennbar Wolfgang Amadeus Mozart, an seiner Seite Emanuel Schikaneder, und deren Gemeinschaftswerk „Die Zauberflöte“ hat die Freimaurerei vermutlich berühmter gemacht als alles andere. Die Ausstellung bietet dazu Kupferstiche aus dem Jahr 1794, die ältesten erhaltenen Szenenbilder der „Zauberflöte“. Gleich neben Mozart sieht man übrigens das Bildnis von Österreichs „Parade-Mohren“, Angelo Soliman, der Sklave, der zum anerkannten freien Mann und zum Freimaurer wurde.

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Freimaurer überall?     Eine Collage zu Beginn der Ausstellung fügt vieles zusammen – eine Dollarnote, die (man hat ja seinen Dan Brown gelesen) mit Pyramide und „allsehendem Auge“ eindeutig Freimaurer-Symbole zeigt, und Papst Benedikt, der die Finger zum freimaurerischen „Two Pillar Sign“ spreizt… Absichtlich? Das wird man wohl nie erfahren. Und auch nicht, wo das „wahre Geheimnis“ der Freimauer liegt. Glaubt man der Ausstellung, gibt es gar keines… alles Gerüchte?

Österreichische Nationalbibliothek
300 Jahre Freimaurer. Das wahre Geheimnis
Bis 7. Jänner 2018, täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr

 

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WIEN / Leopold Museum: JOANNIS AVRAMIDIS

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Alle Fotos: Leopold Museum

WIEN / Leopold Museum: 
JOANNIS AVRAMIDIS
Vom 19.Mai 2017 bis zum 4. September 2017 

Als Grieche geboren,
Grieche geblieben

Das Leopold Museum bleibt auf der neuen Linie des Direktors Hans-Peter Wipplinger: Nicht mehr die Lust an der pittoresken Vergangenheit, sondern die Herausforderung der Gegenwart. In diesem Fall setzt man schon im Hof des Museumsquartiers ein Signal: die 13 Meter hohe „Humanitassäule“, nach komplizierten Verschraubungsvorgängen aufgestellt, verweist auf die Ausstellung des im Vorjahr verstorbenen „Österreich-Griechen“ Joannis Avramidis. Bei seinem Tod war die Ausstellung, die er nicht mehr erleben durfte, schon in Planung.

Von Heiner Wesemann

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Joannis Avramidis    Es war eine Lebensgeschichte, wie das 20. Jahrhundert sie geprägt hat: Die Eltern von Joannis Avramidis waren Griechen, die in der Türkei lebten. Von dort emigrierten sie nach Georgien, wo Sohn  Joannis 1922 geboren wurde. Der Vater wurde Opfer der Stalin-Säuberungen, die Mutter ging mit den Kindern nach Griechenland. Dort wurden sie während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen als Zwangsarbeiter nach Wien gebracht (euphemistischere Biographien sprechen von „Gastarbeiter“). Die Stadt, in die er 1943 kam, wurde seine Heimat. Hier studierte er an der Akademie, erst Malerei, dann Bildhauerei bei Fritz Wotruba. Der 40jährige genoß mit seinen eigenwilligen Skulpturen genügend Prestige, um Österreich 1962 bei der Biennale zu vertreten. Teilnahmen an der „documenta“ folgten, desgleichen Professuren und der Große Österreichische Staatspreis. Dennoch suchte er nicht die laute Popularität wie mancher seiner Kollegen. Fast blieben seine Werke Insider-Tipps. Am 16. Jänner 2016 ist er in Wien gestorben.

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Ein Grieche im Geist     Die Säule im Hof des MuseumsQuartiers war von Avramidis als Teil eines Tempels gedacht, ein Verweis auf die griechische Kultur, aus der er stammt und deren Verbindung zu seiner Person (er nannte sich einen „Hellenen“ und widmete seine Werke gelegentlich griechischen Göttern) er immer betont hat. Der Bezug ist auch in vielen anderen Werken zu finden: Figuren aus Kunstharz und Bronze, immer in runder Formation auf den menschlichen Körper verweisend, sind ideologisch an die griechische Philosophie geknüpft, archaisch in ihrer Wirkung. Vertikal und gleichzeitig horizontal strukturiert, stehen Körper und Köpfe in der Ausstellung, nie individuell ausgeformt, immer das große Gleichnis. Der Mensch nicht als Einzelner, sondern als Idee.

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Retrospektive      Die so kurz nach dem Tod des Künstlers erfolgte Retrospektive der Kuratoren Stephanie Damianitsch und Ivan Ristic entfaltet sich in drei Räumen mit Skulpturen, die Köpfe, Körper und Gruppen sowie Entwurfszeichnungen umfassen. Auch gebogene Formen oder stilisierte Metallkonstruktionen, teils in variierter Kreuzform, zeugen von einer Idee allumfassender Harmonie. Alles zusammen erzeugt jene mythisch-magische Wirkung, die dem Werk von Avramidis zu eigen ist.

WIEN / Leopold Museum:  JOANNIS AVRAMIDIS
Bis zum 4. September 2017,
täglich 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr  (Juni bis August,
ab September am Dienstag geschlossen)

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WIEN / Jüdisches Museum: KAUFT BEI JUDEN!

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WIEN / Jüdisches Museum: 
KAUFT BEI JUDEN!
Geschichte einer Wiener Geschäftskultur
Vom 17. Mai 2017 bis zum 19. November 2017

Eine verlorene Welt

Als Paula Wessely in dem Film „Heimat“ den berüchtigten Satz sagte: „Wir kaufen nicht bei Juden“, markierte das ein Ende. Jahrhunderte lang war es anders gewesen. Bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatte man sehr wohl „bei Juden“ gekauft, besonders intensiv in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als es vor allem jüdische Unternehmer waren, die die „Erlebniswelt“ der Großkaufhäuser kreierten. Kaum noch klägliche Reste davon sind in Wien vorhanden. Das Jüdische Museum hat Erinnerungsstücke an eine glanzvolle Geschäftskultur – Kultur im vollsten Wortsinn – zusammen getragen.

Von Renate Wagner

Von der Geschichte verweht…   Welche Namen kennt man noch außer „Gerngross“, und das ist heute ein Kaufhaus-Kramladen wie alle anderen, bar jeder Eleganz. Ältere Wiener werden sich noch daran erinnern, dass es daneben den „Herzmansky“ mit seiner opulenten Fassade gab. Wenn zu Beginn der „Kauft bei Juden“-Ausstellung eine Liste bedeutender Namen ehemaliger jüdischer Geschäfte zu lesen ist, dann existieren gerade noch zwei Etablissements – Knize am Graben und Jungmann & Neffe am Albertina-Platz. Doch wo sind die Zeiten, da am Looshaus noch „Goldmann & Salatsch“ stand. Und als man auf die Frage, wo der Stephansdom sei, antwortete: „Vis a vis vom Rothberger“ – ein prachtvoller Einkaufspalast, der sich über drei Häuser erstreckte. Entstanden in den liberalen Jahrzehnten der Herrschaft von Kaiser Franz Joseph, der Karl Lueger verhindert hätte, wenn es ihm gelungen wäre, hinweggefegt innerhalb kürzester Zeit nach dem Anschluß 1938.

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Einkaufen als Erlebnis       Da so gut wie alle Länder, in denen sie lebten, den Juden Grund und Boden versagten, waren viele von ihnen im Lauf ihrer Geschichte als Händler tätig. Sie hatten dafür ebenso Talent wie für das „Showbiz“ (wie sich später in der Filmbranche zeigte). Im Rausch der Gründerzeit  wurden die großen Warenhäuser geboren, „Paläste des Konsums“ (alte Fotos zeigen, welchen Glanz der riesige offene Innenraum von Gerngross einst ausstrahlte). Einkaufen wurde von der Notwendigkeit zum Vergnügen, zur Freizeitbeschäftigung.

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Jüdischer Unternehmergeist     Viele Wiener Unternehmen dieser Art wurden von jüdischen Familien etabliert – Gerngross, Zwieback, Jacob Rothberger, Braun & Co, Goldman & Salatsch, Jungmann & Neffe oder Knize, um nur einige zu nennen. Unter ihnen gab es faszinierende Persönlichkeiten, die in Ausstellung und Katalog gewürdigt werden, etwa die Unternehmerin in einer Männerwelt – Ella Zirner-Zwieback, die das Luxustextilhaus in der Kärntnerstraße erbte und führte. (Der Schauspieler August Zirner ist übrigens ihr Enkel.)

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Künstlerische Ambitionen     Die Gestaltung der Häuser wie auch die Präsentation der Waren (und diese selbst) zeugten oft von hohen künstlerischen Ambitionen. Leopold Goldmann, unter den Herrenausstattern einer der allernobelsten, beauftragte für sein Grundstück gleich gegenüber der Hofburg den Modernen der Modernsten, Adolf Loos, mit der Gestaltung seines Geschäftsgebäudes… Das Looshaus hat Goldmann & Salatsch überlebt. Einst brachten viele dieser Häuser es zu Hoflieferanten. Heute sind sie vergessen.

Soziales Gefälle     Dass der Prunk, den jüdisches Geld hier entfaltete, immer schon zu Neid Anlass gab, schürte den in Wien latenten und später instrumentalisierten Antisemitismus. Ein interessantes Foto zeigt einen armen Juden mit Bauchladen vor dem Luxusgeschäft Zwieback – das Segment der reichen Juden war vergleichsweise nicht überbordend, aber sie stachen ins Auge. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als diese spezifisch wienerisch-jüdische Kultur verschwunden und zerstört war, reemigrierten Juden wieder in die Stadt – sie bauten dann das „Textilviertel“ und die neue Jüdische Gemeinde auf. Heute gibt es nur noch im Zweiten Bezirk eine gewisse Dichte jüdisch geführter Geschäfte, denen allerdings der Prunk der Monarchie-Epoche abgeht.

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Jüdisches Museum im Palais Eskeles, Dorotheergasse:
Kauft bei Juden! Geschichte einer Wiener Geschäftskultur
Bis 19. November 2017,  täglich außer Samstag 10 bis 18 Uhr

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WIEN/ Kunst – Werk-Galerie des Online-Merker: AUSSTELLUNG MARGARETA VILMA GRAFSTRÖM / PONTUS GRAFSTRÖM

WIEN/ KUNST – WERK-GALERIE DES ONLINE-MERKER: AUSSTELLUNG MARGARETA VILMA GRAFSTRÖM & PONTUS GRAFSTRÖM (zu sehen – und auch zu kaufen bis Mitte Juni 2017)

Preise auf Anfrage

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Atelier von Pontus Grafström in Härnonsand. Foto: Grafström


Pontus Grafström, Margareta Vilma Grafström, Organisatorin/ Kuratorin: Esther Hatzi, Hugo Paulsson. Copyright: Barbara Zeininger

Margarete Vilma Grafström wurde in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, 1922 geboren. Sie war als Lehrerin tätig und heirate nach Härnonsand, fast 900 km östlich von Kiruna.

Sie arbeitete als ethnologische Historikerin für lokale Forschung mit Schwerpunkt „Leben und Sitten 17. und 18. Jahrhundert“ und hat sich auch als bildende Künstlerin in Schweden einen Namen gemacht.

Bemerkenswert ist, dass sich eine 95jährige über tausende Kilometer nach Wien begibt, um dort der Vernissage beizuwohnen. Allein das ist eine außerordentliche Leistung. Die Autofahrt von Härnonsand zum Flughafen Stockholm führt über 500 km.


Margareta Vilma Grafström: Spielen im Schärrahmen. Copyright: Barbara Zeininger

 


Margareta Vilma Grafström: Unterricht im Samizelt. Copyright: Barbara Zeininger


Margareta Vilma Grafström: Das Probierbrot im Backhaus. Copyright: Barbara Zeininger


Margareta Vilma Grafström. Copyright: Barbara Zeininger

Frau Grafström hat vier Kinder und zahreiche Enkelkinder. Einer davon ist Pontus Grafström (geb. 1987), Lehrer für Sport und Gesundheit in einer Schule in Härnonsand, ebenfalls Maler, aber auch Extremsportler. Er war 2007 und 2010 Surf-Champion von Schweden. Er hat mit seiner Großmutter ein gemeinsames Buch verfasst und stellt seine Arbeiten in der „Kunst – Werk-Galerie“ des Online-Merker aus, wie seine Großmutter.


Pontus Grafström: Heller Wendepunkt (Öl auf Leinen , 140 mal 84 cm. Copyright: Barbara Zeininger


Pontus Grafström: Überfluss (Öl auf Leinen, 160 mal 94 cm. Copyright: Barbara Zeininger


Pontus Grafström: Dreamed More North (Öl auf Leinwand. 54 mal 82 cm). Copyright: Barbara Zeininger


Pontus Grafström: Kontemplizierte Fokusstelle (links) und Beim Wunder verwundert (rechts). Copyright: Barbara Zeininger


Pontus Grafström. Copyright: Barbara Zeininger

Bei der Vernissage gab es auch ein umfangreiches Rahmenprogrammm dargeboten von Künstlern verschiedener Nationalität


Myrto Chantziara (griechische Mezzosopranistin und Pianistin). Copyright: Barbara Zeininger


Hugo Paulsson (schwedischer Tenor). Copyright: Barbara Zeininger

 
Marina Moiseeva (georgische Pianistin). Copyright: Barbara Zeininger
 
Diese Künstler werden auch bei der Finissage am 29.5 um 19 h singen und spielen. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt täglich von 15,30 h bis 19 h zu besichtigen. Voraussichtlich bleiben die Werke bis Mitte Juni in unserer Galerie zugänglich.
Es handelt sich um eine Verkaufsausstellung mit Direktverkauf der Künstler. Die Preise liegen bei uns auf!
 
Anton Cupak

 

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WIEN / Literaturmuseum: IM RAUSCH DES SCHREIBENS

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Alle Fotos: Literaturmuseum

WIEN / Literaturmuseum im Grillparzerhaus:
IM RAUSCH DES SCHREIBENS
Von Musil bis Bachmann
Vom 28. April 2017 bis zum 11. Februar 2018

Damit die Maschine rollt

Ein Auto braucht Treibstoff, ein Dichter braucht – Inspiration? Aber woher kommt diese? Nur von Luft und faulen Äpfeln? Oder ist da auch Stärkeres angesagt? Das Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek hat sich eine besonders attraktive Ausstellung ausgedacht. Die sonst verpönten Süchte – pfui Alkohol, Nikotin, Rauschgift – erscheinen hier in geradezu hinreißend verklärter Form. Und man setzt sich nicht nur auf die Spur dieser „verderblichen“ Laster und „bedauernswerten“ Opfer, die ihnen erlegen sind, sondern auch auf jene großer Kunstwerke… 170 literarische Originale bietet das Literaturmuseum für Literaturfexe.

Von Renate Wagner

Wien –  Am 27. April eröffneten Generaldirektorin Johanna Rachinger und Schriftsteller Franz Schuh die neue Sonderausstellung im Literaturmuseum der Österreichische Nationalbibliothek. „Im Rausch des Schreibens“ präsentiert Literatur zwischen Exzess und Askese und zeigt außergewöhnliche Exponate von Musil bis Bachmann.

Zuerst das Schreiben   Im Obergeschoß des Literaturmuseums, einst das k.u.k. Hofkammerarchiv, heute nach dem dort lange Zeit waltenden und schuftenden Dichter und Direktor der Institution „Grillparzer-Haus“ genannt, hat man die ideale Form gefunden, um Papier (darum geht es letztlich) zu präsentieren: In riesigen Stellagen, wo man alles hineinstellen kann, nicht nur Bücher und Manuskripte, sondern auch Schreibmaschinen, wo man Fotos affichiert und Zitate groß druckt. Und wenn man auch auf einem Bild Elfriede Jelinek 1984 vor der Frühform eines Computers erblickt (mit dem Hinweis, dieser sei für sie und ihr Schreiben erfunden worden), so geht es doch noch um die gute, alte Schreibmaschine… und um die Hand. Unglaublich, wie viel Dichter auch herum gekritzelt haben (Jonke tat es exzessiv), wie viele geheimnisvolle Pläne sie zeichneten, wie viele Notizen sie sich machten… Und dann sieht man in einem Film, wie die Bachmann mit einem Kuli in der Hand ein mit Schreibmaschine geschriebenes Manuskript korrigiert. Keine Frage, wer es ernsthaft betreibt, weiß es: Schreiben ist eine Heidenarbeit. Und alles andere als leicht.

Da braucht man Hilfe… Die Stimulanzia sind klassisch (Sex ist ausgespart): das Glas Wein oder Stärkeres, die Zigarette, Zigarre, Pfeife, und schließlich das Rauschgift, geraucht, geschnüffelt, gespritzt, Hauptsache es versetzt den Dichter in jenen „Rausch“-Zustand (wenn’s bis Trance und Ekstase führt, umso besser) in dem ihm etwas Substanzielles, Haltbares einfällt (spätere nüchterne Überarbeitung eingeschlossen). Und das macht die Dichter dann oft so glücklich, dass sie diese Erfahrungen auch in ihren Werken preisen… die Bachmann tat es gern (und wohl sogar dankbar). Ernst Jandl zeichnet seine Bedürfnisse auf, das Glas, die Zigarette, den Bleistift – und wer weiß, welch sonderbare Utensilien noch. Und unter den Rauschgift-Essern, die bekenntnishaft erzählen, finden sich ganz große Namen der Literatur, vom Klassiker der Sucht, Thomas de Quincey, bis Hans Fallada und Aldous Huxley.

 LitMus  rauschgiftesser~1Spaziergang durch die Exzesse   „Ganz Wien is heit auf Heroin“ – das war Falco, der dies „dichtete“, und auch ein Pop-Poet darf sich in die literarische Landschaft fügen. Tatsächlich will man ihn mit seinen Notizbüchern, in denen er Entwürfe zu Pop-Texten notierte, in die österreichische Literatur holen. Zu den „Süchtlern“ gehört er jedenfalls. Räusche aller Arten, die auch Grenzen überschritten, werden hier thematisiert, keinesfalls aber moralisch verurteilt. Robert Musil schrieb über das „wunderbares Gefühl der Entgrenzung und Grenzenlosigkeit“, und wenn dann am Ende der „Mann ohne Eigenschaften“ steht, wer wollte dann mit einem Dichter rechten? Allerdings: So manch einer hat sich auch mit Drogen zugrunde gerichtet (Georg Trakl beispielsweise). Oder mit Alkohol – der göttliche Säufer Joseph Roth. Oder der 35jährig im Rausch erstickte Werner Schwab… Einen kleinen Ausflug zu einem anderen Laster macht man mit Adalbert Stifter: Dessen exzessive Lust war das Essen, oft sechsmal am Tag…

Noch einmal: Das Rauchen… Wenn man nur rauchen könnte, klagte Friedrich Torberg einmal. Ist man am Ende der Ausstellung angelangt, ist die finale Wand voll von Bildern rauchender Literaten, Arthur Schnitzler mit Zigarre ziert die „Österreichische Raucherzeitung“, Doderer war Pfeife rauchend Titelbildheld des „Spiegels“, Thomas Bernhard liegt rauchend am Sofa, Friederike Mayröcker sitzt rauchend an ihrer Schreibmaschine. „Ich lebe, um zu rauchen“, schrieb Robert Musils 1937 in sein Tagebuch. Wie gut, dass die meisten von ihnen tot sind, was täten sie in unserer rauch- und lustfreien Welt?

Literaturmuseum, 1. Bezirk, Johannesgasse 6:
Im Rausch des Schreibens: Von Musil bis Bachmann
Bis 11. Februar 2018, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr,
In den Monaten Juni bis inklusive September täglich geöffnet

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