Der Neue Merker

ATHEN/ Onassis Culture Center: OPEN DAY: DIE MUSIK DER NEW YORKER SCHULE. Sound als Performance

Onassis Cultural Centre, Athen
Open Day: Die Musik der New Yorker Schule
Konzertprogramm am 5. März 2017

Sound als Performance

Bereits zum fünften Mal öffnete das Onassis Cultural Centre für einen musikalischen Open Day seine Tore. Nach der Musik des Minimalismus im Vorjahr standen nun Werke der New Yorker Schule auf dem Programm. Bespielt und beschallt wurden weite Teile des Gebäudes, die Grosse und Kleine Bühne sowie die Foyers. Die Veranstaltung ist Teil eines mehrjährigen Projekts des Netzwerks Interfaces, welches es sich zur Aufgabe macht, mit neuen Konzertformen das Publikum für zeitgenössische Musik zu erweitern. Neben dem Open Day beteiligt sich das Athener Haus u.a. mit Kompositionsaufträgen, einem pädagogischen Programm und Musikerresidenzen an diesem internationalen Vorhaben, an welchem auch das Pariser IRCAM und das Klangforum Wien beteiligt sind. Der Open Day bietet bei freiem Eintritt die grossartige Möglichkeit, ein weites Spektrum an moderner und zeitgenössischer Musik kennenzulernen. Hinsichtlich der Zuhörerzahl gibt es, wie man bei der aktuellen Ausgabe sehen konnte, noch Luft nach oben.

Das vielstündige Programm vereinte einige Dutzend Musiker. Darunter waren Miquel Bernat, Michael Weilacher und Tom De Cock vom Ictus Ensemble, das Athens Percussion Ensemble, das Ensemble Continuum oder Gareth Davis (Bassklarinette). Die Gesamtleitung des Projekts lag bei Anargyros Deniosos, die musikalische Leitung bei Andreas Levisianos. Der Ablauf des Programms klappte reibungslos, nur Aufmerksamkeit und Verhalten des Publikums liess bisweilen zu wünschen übrig.

Der Open Day bot grosse Namen auf wie John Cage oder Morton Feldman, brachte aber auch Werke von hierzulande weniger bekannten Komponistinnen und Komponisten wie Julia Wolfe oder David Lang zu Gehör. Man bespielte etwa zu Beginn mit James Tenneys „Swell Piece No. 3 ‚for La Monte Young“ (1965-71) übergreifend die Foyers, was zu einem wunderbaren Hörerlebnis geriet. Dazu kamen inszenierte szenische Aktionen in Durchgangsräumen, wie z.B. John Cages „Sonnekus2“ (1985). Gerade hier zeigte sich die bedeutsame Erweiterung der Musik um das Geräusch. Die Musiker um Gareth Davis liessen sich mit grosser Lust auf Improvisationen nach Bildkarten ein, wie es Christian Marclays Stück „Shuffle“ (2007) vorsieht. Das Ictus Ensemble setzte virtuose Akzente mit Steve Reichs Kompositionen „Marimba Phase“ (1967) und „Nagoya Marimbas“ (1994). Die Aufzählung an spannenden Programmpunkten liesse sich noch lange fortsetzen. Die musikalischen Leistungen bewegten sich, das kann zusammenfassend festgehalten werden, allesamt auf hohem Niveau. Beschlossen wurde der Open Day von einem Konzert auf der Grossen Bühne, welches Ensemblemusik von John Cage, Christian Wolff, Morton Feldman und Earle Brown – teils in zwei Aufführungen resp. Varianten – erklingen liess. Die Vielfalt der musikalischen Formen wusste hier wie schon zuvor die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Am Schluss verliess man bereichert, aber auch etwas erschöpft den Ort des Geschehens.

Ingo Starz

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