Der Neue Merker

ATHEN / Onassis Cultural Centre: MARIA HASSABI: STAGED. Pygmalion revisited

Onassis Cultural Centre, Athen

Maria Hassabi: Staged?

Besuchte Vorstellung am 9. April 2017

 Pygmalion revisited

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Copyright: Maria Hassabi

Maria Hassabi gehört zu den gefragtesten Performance-Künstlerinnen unserer Tage. Ihr Interesse gilt den Schnittstellen zwischen Tanz, Skulptur und Theater. Wie einst Pygmalion erweckt sie in ihren performativen Arbeiten skulptural anmutende Körper zum Leben und erkundet räumliche Zusammenhänge. Oft arbeitet sie dabei in Museumsräumen oder mit Festivals zusammen. Erwähnt sei nur ihr Mitwirken am Wiener ImpulsTanz-Festival 2006, 2011 und 2013, an der Biennale in Venedig 2013 oder am Steirischen Herbst 2014. Das Athener Onassis Cultural Centre hat Maria Hassabi, die auf Zypern geboren wurde, nun pünktlich zur Eröffnung der Documenta 14 nach Athen geholt. Maria Hassabi, Jessie Gold, Hristoula Harakas und Oisín Monaghan präsentieren die Arbeit „Staged?“.

 Die Tänzerinnen wie das Publikum finden Raum auf der Grossen Bühne des Kulturzentrums. Auf kreisförmig verteilten Podien haben etwas mehr als 100 Besucher Platz. Man ist nah am Geschehen, die Tänzerinnen verharren, wenn das Publikum eintritt, regungslos, in verschiedene Richtungen ausgestreckt am Boden. Sehr langsam beginnen sich die Körper auf- und auszurichten, entspinnt sich eine Korrespondenz der Glieder. Das Ganze mutet, insbesondere zu Beginn, wie eine hellenistische Figurengruppe an, die von allen Seiten unterschiedliche Ansichten bietet. Sound und unterschiedliche Lichtstärken (gestaltet von: Zack Tinkelman und Maria Hassabi) begleiten und strukturieren die Bewegungschoreografie. Neben der Aufwärtsbewegung der Körper ist es das Überkreuzen derselben, welches den Ablauf bestimmt. Am Ende finden die Tänzerinnen in die Ruhelage zurück. Die Choreografie ist für eine Weile interessant anzuschauen, über eine Dauer von rund 85 Minuten verliert die Arbeit jedoch an Dichte und das „In Szene setzen“ tritt allzu deutlich hervor – weniger als Frage, denn als Gewissheit. Es ist bedauerlich, dass man als Zuschauer nicht im Raum umhergehen und unterschiedliche Blickpositionen einnehmen kann. Dies hätte die Seh-Erfahrung deutlich bereichert.

 Ingo Starz

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