Der Neue Merker

ATHEN/ Onassis Cultural Centre: ERGON ENSEMBLE. Unendliche Klangwelten

Onassis Cultural Centre/ Ergon Ensemble

Besuchtes Konzert am 6. Dezember 2016

 Unendliche Klangwelten

 Das Onassis Cultural Centre bietet regelmässig hochkarätige Konzerte mit zeitgenössischer Musik an. Das Konzert des Ergon Ensembles, das sich in bemerkenswerter Weise der Vermittlung Neuer Musik annimmt, fand im Grossen Saal statt, was auch dem Umstand geschuldet war, dass das einzige Werk des Abends, Georg Friedrich Haas‘ „in vain“ (2000), mit visuellen Lichteffekten arbeitet. Das Publikum war nicht in Scharen erschienen, lauschte der Klangwelt von Haas aber sehr aufmerksam.

 „Wellen von üppigen, schönen Klängen … man konnte nicht glauben, dass diese wie aus einer anderen Welt kommenden Klänge von akustischen und nicht elektronischen Instrumenten erzeugt wurden. … Ein Meisterwerk.“ Diese euphorische Kritik über „in vain“ erschien in der New York Times. In der Tat wohnt der Komposition, die fast schon als Klassiker des zeitgenössischen Repertoires gelten kann, eine starke Sogwirkung inne. Die der Mikrotonalität verhaftete, komplexe Klangstruktur „inszeniert“ Bewegungen, Beschleunigung und Stillstand. Dabei ist die Musik stets farbenreich und energetisch. Beinahe endlose Klangschleifen ziehen den Hörer in ihren Bann. Georg Friedrich Haas hat bereits viele Opern komponiert – so zuletzt in enger Zusammenarbeit mit dem Librettisten und Dichter Händl Klaus die Werke „Bluthaus“ (2011), „Thomas“ (2013) und „Koma“ (2016). Auch mit dem Instrumentalstück „in vain“ erweist er sich als Mann des Musiktheaters. Da spürte man als Zuhörer nicht erst, wenn man von den Lichtzuckungen auf der Bühne geblendet wurde. Eine Stunde Musik verging dank deren ebenso betörenden wie erzählerischen Qualitäten wie im Fluge.

 Das Ergon Ensemble meisterte seine Aufgabe sehr gut. Von den Streichern bis zur Harfe waren alle Positionen bestens auf das aussergewöhnliche Stück vorbereitet. Am Pult des Orchesters stand mit Kaspar De Roo ein in zeitgenössischer Musik sehr erfahrener Dirigent, der die Musiker sicher durch die Partitur führte. Das Ergebnis war ein grossartiges Klangerlebnis, das entschieden Lust auf mehr Neue Musik machte.

Ingo Starz

 

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