Der Neue Merker

ATHEN/ Megaro Mousikis: ORGELREZITAL OURANIA GASSIOU – Klangkathedralen

Megaro Mousikis, Athen
Orgelrezital Ourania Gassiou
Konzert am 26. Dezember 2017

Klangkathedralen

Orgelkonzerte sind in Griechenland nicht so häufig, weil Orgeln in der Lithurgie der orthodoxen Kirche keine Rolle spielen und somit nicht allzu viele Instrumente existieren. Das Athener Konzerthaus verfügt seit 1993 über ein schönes, 6080 Orgelpfeifen umfassendes Instrument. Es stammt aus der renommierten Werkstatt der Johannes Klais GmbH & Co. KG mit Sitz in Bonn. Der rheinländische Orgelbauer hat in seiner mehr als 130 Jahre währenden Tätigkeit zahlreiche Kirchen und Konzerthäuser mit Instrumenten ausgestattet, so den Frankfurter Dom, die Bonner Beethovenhalle, den Würzburger Dom oder die Kölner Philharmonie. Leider kommt die imposante Athener Konzertorgel selten zum Einsatz. So ist es umso erfreulicher, dass man nun zu Weihnachten ein Orgelrezital angeboten hat. Und das Publikum strömte: Mehr als 1000 Menschen lauschten dem von der jungen Griechin Ourania Gassiou vorgetragenen Programm.

Bereits die Lektüre des Programms versprach einen ungewöhnlichen, weil überaus modern tönenden Konzertabend. Gassiou gab erwartbaren, der Weihnachtszeit geschuldeten Klassikern nur knappen Raum. Die kurzen Stücke von Johann Sebastian Bach (Das alte Jahr vergangen ist), Johann Pachelbel (Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her) und Johannes Brahms (Es ist ein Ros‘ entsprungen) blieben denn auch etwas unscheinbar. Höhepunkte des Konzerts waren vielmehr drei grossartige Orgelwerke von Olivier Messiaen: „La Vierge et l’enfant“, „Les enfant de Dieu“ und „Dieu parmi nous“. Der französische Komponist, der jahrzehntelang als Organist an der Pariser Kirche La Trinité tätig war, wusste die Möglichkeiten des Instruments zu nutzen. Seine Werke reichen von intimen, ätherisch entrückten Klängen bis bin zu orchesterähnlicher Fülle. Dabei weisen die Stücke ein reiches rhythmisches und harmonisches Spektrum auf. Ourania Gassiou brachte Messiaens Musik mustergültig zur Aufführung. Der Fokus auf moderner Musik setzte sich auch im zweiten Teil des Konzerts fort, wo beispielsweise Kompositionen von David Willcocks, Richard Purvis oder Pierre Cochereau zu hören waren. Die Organistin nahm sich auch diesen Werken mit grosser Klangsensibilität an.

Die Vorzüge des Instruments im Athener Megaro Mousikis kamen dabei hervorragend zur Geltung. Und so belehrte das Konzert alle diejenigen eines besseren, die das Orgelspiel für eine eher der Vergangenheit angehörende Kunst halten. Ourania Gassiou, die man gerne bald wieder erleben möchte, demonstrierte vorbildlich, wie modern und zeitgenössisch Orgelmusik sein kann. Das Publikum spendete starken Beifall und Bravorufe.

Ingo Starz

Diese Seite drucken