Der Neue Merker

ATHEN/ Megaro Mousikis: LUCIA DI LAMMERMOOR. Konzertant. Griechisches Belcanto-Fest

Megaro Mousikis, Athen: LUCIA DI LAMMERMOOR

Konzertante Aufführung am 13. März 2017. Griechisches Belcanto-Fest

 Wenn in Drama oder Oper Liebende verfeindeten Familien angehören, bedeutet das nichts Gutes. Es läuft unaufhaltsam auf ein tragisches Ende hinaus, sei es in Shakespeares „Romeo und Julia“ oder in Donizettis „Lucia di Lammermoor“. Die 1835 in Neapel uraufgeführte Oper gehört zu den berühmtesten und gelungensten Beispielen des italienischen Belcanto. Die Aufführungsgeschichte des Werks ist mit grossen Namen wie Callas, Sutherland oder Gruberova verbunden. Wer eine Vorstellung oder konzertante Darbietung der „Lucia“ besucht, erwartet schöne Stimmen. Das Athener Musikzentrum Megaro Mousikis hat nun in Zusammenarbeit mit dem Staatsorchester eine bemerkenswerte konzertante Aufführung auf die Beine gestellt, was in finanziell sehr schwierigen Zeiten schon allein Lob verdient. Noch mehr an Anerkennung ist allerdings den griechischen Sängerinnen und Sängern sowie den Kollektiven auszusprechen. Sie alle haben dem Publikum einen erstklassigen Belcanto-Abend beschert.

 Unter der musikalischen Leitung des erfahrenen Operndrigenten Lukas Karytinos spielte das Athener Staatsorchester klangschön auf. Harfe und Bläser konnten dabei markante, gelungene Akzente setzen. Die Chöre der Rundfunkanstalt ERT und der Stadt Athen boten in der Einstudierung von Dimitris Ktistakis und Stavros Beris eine absolut hörenswerte Leistung. Orchester und Chor fanden von Karytinos inspiriert geleitet zu einer spannungsreichen Interpretation.

 Die Gesangssolisten auf dem Podium waren ausnahmslos Griechen und machten Maria Callas, welcher der Abend zugeeignet war, alle Ehre. Eine Aufführung der „Lucia di Lammermoor“ steht und fällt mit der Besetzung der Titelrolle. Mit Vassiliki Karayianni verfügte man über eine Sängerin, die souverän und geschmackvoll Spitzentöne – das hohe Es durfte man gleich dreimal hören – und Verzierungen setzen konnte. Es fiel dabei nicht ins Gewicht, dass dem Timbre ihrer Stimme das gewisse Etwas fehlt. Karayiannis Leistung war rundum beeindruckend: Da erlebte man wirklich eine Primadonna. Yiannis Christopoulos wusste nicht erst in seiner berühmten Arie „Tombe degli avi miei“ mit seinem schlank geführten, wohlklingenden Tenor zu gefallen. Er bot stilsicheren Gesang auf hohem Tenor. Auch Tassis Christoyannis als Enrico und Tassos Apostolou als Raimondo nahmen mit dem Belcanto ihrer Stimmen ein. Enricos Arie „Cruda, funesta smania“ setzte gleich zu Beginn des Abends den Massstab, der dann auch gelten sollte. Sehr erfreulich und erstklassig auch die Leistungen von Yiannis Kalyvas als Arturo/Normanno, der mit einem sicher geführten, klangschönen Tenor aufwartete, und Eleni Voudouraki als Alisa. Lauter schöne Stimmen also: Was will man mehr!

Das Publikum jubelte.

 Ingo Starz

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