Der Neue Merker

ATHEN/ Greek National Opera: RIGOLETTO – eine Geschichte aus Mailand

Greek National Opera, Athen
Rigoletto
Besuchte Vorstellung am 29. Oktober 2017

Eine Geschichte aus Mailand

Ριγολέττος - Δημήτρης Πλατανιάς3_c-STEFANOS
Dimitri Platanias in der Titelrolle. Copyright: Stefano

Die Griechische Nationaloper steigert mit Beginn der ersten Saison im neuen Haus die Frequenz der Aufführungen. So gelangen nun einige erprobte Kassenschlager auf die Bühne, welche das Haus füllen und, was eher von Interesse ist, ein mehr an unterschiedlichen Stimmen zu Gehör bringen. Die letzte Serie der „Rigoletto“-Inszenierung von Nikos S. Petropoulos liegt noch nicht lange zurück. Man kann beim besten Willen nicht sagen, dass deren Übersiedlung ins Stavros Niarchos Kulturzentrum die Attraktivität der Produktion steigern würde. Die Idee des Regisseurs, die Handlung ins faschistische Mailand des Jahres 1938 zu verlegen und damit eine neorealistische Filmästhetik anzustreben, scheitert an dessen Unfähigkeit, der Szene mehr als konventionelle Operngesten beizusteuern. Das Ergebnis ist und bleibt unbefriedigend und hat mit der Filmkunst des italienischen Neorealismus nun wirklich nichts zu tun. Leider schlägt der Sound, der aus dem Orchestergraben kommt, auch nicht wirklich Funken. Das Dirigat von Elias Voudouris ist routiniert und zweckdienlich. Der von Agathangelos Georgakatos einstudierte Chor hat nicht seinen besten Abend und verpasst mehr als einmal den richtigen Einsatz. Auch in Punkto Klangvolumen ist bei den Choristen noch Luft nach oben.

Auf der Bühne wird generell, wie schon angedeutet, darstellerisch zu wenig geboten. Auch ein Dimitri Platanias, der die Partie des Rigoletto schon vielerorts gesungen hat, baut zu sehr auf den Ausdruck seiner kraftvollen und klangschönen Stimme. Seine Rolleninterpretation könnte mit eindringlicherem szenischen Spiel nur und noch gewinnen. In jedem Fall ist sein Gesangsbeitrag der Höhepunkt des Abends. Christina Poulitsi als Gilda macht eigentlich nichts falsch, vermag aber zu keiner berührenden Rollendarstellung zu gelangen. Ihr Sopran verfügt über eine bemerkenswerte Höhe, weist aber ein gewisses Manko an Farben resp. Gestaltungsmitteln auf. So klingt ihr Gesang ziemlich gut, berührt aber nicht. Yannis Christopoulos hat zwar (mehr oder weniger ) die Töne für die Partie des Duca di Mantova, lässt aber Farben und Details in seinem Porträt vermissen. Man nimmt ihm ausserdem den skrupellosen Frauenhelden nicht ab.

Gute Leistungen finden sich in den kleineren Rollen, von denen nur folgende genannt seien: Dimitri Kavrakos als Sparafucile, Irini Karaianni als Maddalena und Dimitris Kassioumis als Monterone. Es ist, das lässt sich bilanzierend festhalten, ein Abend, der gemischte Gefühle hervorruft.

Das Publikum spendet am Schluss kräftigen Applaus mit zahlreichen Bravo-Rufen für Platanias und Poulitsi.

Ingo Starz

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