Der Neue Merker

ATHEN/ Greek National Opera: PRINZ IWAN UND DER FEUERVOGEL von Thodoris Abazis

Πρίγκιπας Ιβάν και Πουλί φωτιάς - Μαύρο Δάσος 3 - Β.Ζαχαροπούλου- φωτό Γερ. Δομένικος
Copyright: Greek National Opera

Greek National Opera, Athen
Prinz Iwan und der Feuervogel
Besuchte Vorstellung am 2. Januar 2018

Im Land des Feuervogels

Innerhalb der jüngst ausgeweiteten Aktivitäten der griechischen Nationaloper nehmen Produktionen für ein junges Publikum einen wichtigen Platz ein. Aktuell wurde ein Auftragswerk auf die Bühne gebracht, das Klein und Gross erfreute: „Prinz Iwan und der Feuervogel“. Das Werk hat (mit Abweichungen) nur die Geschichte, aber nicht die Musik mit dem berühmten Ballett von Igor Strawinsky gemein. Die Erzählung vom Zarensohn, der dem goldene Eier stellenden Feuervogel eine Feder entreisst und so in eine Reihe von Abenteuern gerät bis er schliesslich seine Braut Yelena alias der Feuervogel findet, wird im Libretto von Sofianna Theofanous kindgerecht aufbereitet. Die Musik von Thodoris Abazis bedient sich verschiedener Genres und pendelt zwischen Spieloper und Rap. Bisweilen könnte das Ganze etwas mehr Tempo haben, es funktioniert aber alles in allem sehr gut. Der täppische Zar, die gerissenen Brüder von Iwan, der Purzelbaum schlagende Zauberer Koschei, der schlaue Wolf und die anmutige Yelena: Sie alle sorgen für rechte Märchenstimmung.

Thodoris Abazis, der auch als Regisseur fungiert, und Kenny MacLellan (Ausstattung) haben ebenso simple wie überzeugende Bilder für die Inszenierung gefunden. Das Bühnenbild konzentriert sich wesentlich auf einen überdimensionalen Schrank, dem die handelnden Figuren entsteigen. Das Innere des Möbels gleicht je nach Bedarf dem Zarenschloss oder einem anderen Handlungsort. Alle Akteure schlüpfen in mehrere Rollen und tragen als Personal am Hof oder als Bäume zur gelungenen Darstellung der Geschichte bei. Das kleine Orchester ist in einem zweigeteilten, leicht versenkten Graben plaziert und in das Spielgeschehen integriert. Da und dort greift das Geschehen auch in den Zuschauerraum über, was für ein Mehr an Kommunikation mit dem Publikum sorgt. Kindernah sind bei alledem insbesondere die Figuren des Wolfs und des Zauberers in Szene gesetzt. Sehr gelungen, weil zeitgenössisch ist eine Szene, in der Iwans Brüder Vasily und Dimtri an der Bühnenrampe rappen. Die Inszenierung enthält viele schöne Details und weiss sein kleines und grosses Publikum zu verzaubern.

Die Oper für ein junges Publikum weiss auch musikalisch zu überzeugen. Michalis Papapetrou führt seine sechs Musiker sicher durch die Aufführung. Die Sängerinnen und Sängern agieren lustvoll und bieten allesamt erfreuliche vokale Leistungen. Besonders hervorgehoben seien Yannis Kalyvas als Prinz Iwan, Vassia Zacharopoulou als Feuervogel/Yelena, Dimitris Nalbandis als Zar und Panagiotis Athanassopoulos als Wolf. Daneben treten auf: Vassilis Dimakopoulos als Zauberer, Yannis Filias als Vasily, Nicolas Maraziotis als Dimitri, Lito Messini als Nina und Maria Katrivesi als Apfelbaum. Das Publikum spendet allen Beteiligten grossen Beifall.

Ingo Starz

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