Der Neue Merker

ATHEN/ Greek National Opera: LA TRAVIATA – Der Vater als Star des Abends

Greek National Opera: La Traviata

Besuchte Vorstellung am 25. November 2016

 Der Vater als Star des Abends

 Die Griechische Nationaloper, die noch bis zur nächsten Saison mit dem Umzug ins neue Haus warten muss – da der Staat noch Zeit braucht, die nötige Finanzierung zu sichern -, bestreitet die Spielzeit 2016/17 mehrheitlich mit Wiederaufnahmen. Wie schon im Mai 2015 (bereits damals besprochen) steht wieder die Inszenierung von Nikos S. Petropoulos auf dem Programm. Diese bietet eine reichlich traditionelle Sicht auf das populäre Werk mit akzeptabler, aber kaum überraschender Personenzeichnung. Die vom Regisseur entworfene Ausstattung erfreut immerhin das Auge mit einiger Opulenz, was beim zahlreich erschienenen Publikum in der Alexandra Trianti Hall des Megaro Mousikis gut ankam.

 Das Opernorchester unter der Leitung von Lukas Karytinos bot eine tadellose Leistung und auch der von Agathangelos Georgakatos einstudierte Chor präsentierte sich in guter Form. Star des Abends war – und dies überraschte kaum – Dimitri Platanias als Giorgio Germont. Sein klangreicher und nuanciert geführter Bariton wusste in jedem Moment zu überzeugen. Die erste Szene des zweiten Akts geriet so zum Höhepunkt der Aufführung. Dies auch, weil Elena Moşuc als Violetta just dann zu grosser Form auflief und ein bewegendes Rollenporträt zeichnete. Sass im Finale des ersten Akts noch nicht jede Verzierung, so überzeugte die Sopranistin nun mit beachtlicher Stimmkultur. Dabei gelangen ihr, wie später auch im letzten Akt, sehr schöne Piani. Unbefriedigend blieb die Leistung von Antonis Koroneos als Alfredo, welcher der Partie einige Spitzentöne schuldig blieb und mit einer wenig schönen Stimmfarbe aufwartete. Eine Entdeckung hingegen war Alexandros Tsilogiannis als Gastone. Insgesamt durfte man eine erfreulich gute Aufführung erleben.

 Ingo Starz

Diese Seite drucken