Der Neue Merker

ATHEN/ Greek National Opera: EROTOKRITOS von Dimitris Maramis – Romeo und Julia auf Griechisch

Greek National Opera, Athen: Erotokritos
Besuchte Vorstellung am 14. Mai 2017

Τεχνική δοκιμή Ερωτόκριτος_6816- Β. Μακρής
Copyright: National Opera/Makris

Romeo und Julia auf Griechisch

 Die Griechische Nationaloper hat nicht nur ein neues Haus bekommen, sondern ist auch dabei, sich ein grösseres Publikum zu erschliessen. Auf der Alternativen Bühne läuft derzeit ein vom Opernhaus in Auftrag gegebenes Werk: das Musical „Erotokritos“. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman in Versen des kretischen Renaissancedichters Vitsentzos Kornaros (1553-1613/14). Darin wird eine Liebesgeschichte aus dem antiken Athen erzählt. Erotokritos, Sohn des königlichen Beraters, verliebt sich in Aretousa, die Tochter des Herrschers. Der König ist gegen die Verbindung und verbannt den Jüngling. In neuer Identität zurückgekehrt, rettet Erotokritos später dem Herrscher in einer Schlacht das Leben. Der Verbindung der beiden Liebenden steht nun nichts mehr im Wege.

 Der Komponist und Librettist Dimitris Maramis, der auch am Pult steht, hat sehr gute Arbeit geleistet. Nach einem Kompositions- und Klavierstudium in London, hat er bis heute Bühnenmusiken für mehr als 35 Werke geschaffen. Seine Erotokritos-Musik wurde 2012 ausgezeichnet. Maramis führt das neunköpfige Musikensemble sicher und überzeugend durch den Abend. In Libretto und Partitur seines Musicals fokussiert er gekonnt auf Schlüsselszenen des Romans und verbindet Elemente traditioneller kretischer Musik mit Rhythmen des Jazz und Blues. Das Resultat ist eine abwechslungsreiche und süffig daherkommende Komposition, die erfreulicherweise ohne postmoderne Banalitäten auskommt. Die Aufführungsserie im Mai war binnen kurzer Zeit ausverkauft.

Τεχνική δοκιμή Ερωτόκριτος - Σάττι - Βουτσικάκης_7315 - Β. Μακρής
Copyright: National Opera/Makris

 Der Regisseur, Choreograf und Ausstatter Konstantinos Rigos setzt auch Simultanaltionen, Videoprojektionen und verschiebbare Bühnenelemente. Die Handlung wird temporeich und mit starken Bildern erzählt, wobei sich Vergangenheit und Gegenwart  auf interessante Weise verbinden. Kostüme (Giorgos Segredakis) und Lichtführung (Christos Tziogas) setzen dazu passende Akzente. Das achtköpfige, von Mata Katsouli einstudierte Vokalensemble (Vasilis Dimakopoulos, Nikos Ziaziaris, Nikolaos Katsigiannis, Giannis Kontellis, Vasilis Kourtis, Andreas Metaxas-Mariatos, Stamatis Pakakis, Spyros Sokos) vermag in Gesang und Spiel zu überzeugen. Unter den Solisten ragen die Interpreten des Liebespaars hervor: Thodoris Voutsikakis als Erotokritos und Marina Satti als Aretousa warten mit klangschönen Stimmen auf, die traditionelle wie moderne Melodik bestens über die Rampe bringen. Beide sind zudem als Schauspieler äusserst präsent. Gauthier Velissaris als Polydoros, Ioanna Forti als Nena und Kostis Mavrogenis als Rigas tragen wesentlich zum sehr positiven Gesamteindruck bei. Am Ende gibt es für alle Beteiligten viel Beifall und Bravorufe.

 Ingo Starz

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