Der Neue Merker

ATHEN/ Greek National Opera: Ballettabend: GALAXIAS

Greek National Opera: Ballettabend: Galaxias. Besuchte Vorstellung am 17. November 2016

Γαλαξίας του Αντώνη Φωνιαδάκη_DSC1047_photo 14studio - Dimitris Kapnorizas
Copyright: Dimitri Kapnorzias

 Wunder des Lebens

 Andonis Foniadakis, der seit diesem Jahr Ballettdirektor der Griechischen Nationaloper ist, nimmt sich in seinem jüngsten, rund einstündigen Tanzstück „Galaxias“ den Zusammenhängen des Weltalls an. Ein Satz von Albert Einstein, der neben anderen Zitaten bedeutender Wissenschaftler im Programmheft abgedruckt ist, steht dem Abend gleichsam als Motto voran: „Man könnte leben entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines.“ In der Tat hat sich der Choreograf von Beobachtungen, Formeln und Aussagen der Naturwissenschaften zu seinem Werk anregen lassen. Die inspirierende Lektüre wird im ersten Teil des Stücks von zwei Schauspielern des Nationaltheaters mit entsprechenden Zitaten auch hörbar gemacht. An dieser Stelle muss angefügt werden, dass es sich bei dieser Produktion um eine Zusammenarbeit mit dem Athener Nationaltheater handelt, zu deren Ensemble die auf der Bühne sprechenden Akteure Leoni Xervasila und Konstantinos Georgalis gehören. Zudem findet die Aufführung an einem der beiden Spielorte des Nationaltheaters statt, im Theater Rex.

 Welchen Zugang hat nun Foniadakis zum gewählten, naturwissenschaftlich fundierten Thema gefunden? Der erste Teil des Tanzstücks mutet wie eine Exposition oder Versuchsanordnung an. Die vorgetragenen Grundsätze und Ideen der Wissenschaft werden von fragmentierten Bewegungsabläufen der Tanzenden ergänzt und „verkörpert“. Es scheint, als würden hier Konstellationen erprobt, Sinnbilder für mögliche Figurationen der Gestirne in den Raum gesetzt. Im zweiten Teil, wo die fluoriszierenden, vom Choreografen entworfenen Kostüme die Tänzerinnen und Tänzer im Halbdunkel des Bühnenraums aufleuchten lassen, nimmt das Geschehen merklich an Fahrt auf und es gewinnt an Poesie. Dann zeigt sich, wie gekonnt Foniadakis sein Ensemble in dynamischen, vielfach variierten Gruppenbewegungen zu formen vermag. Die Szene scheint beim freien Spiel der Gestirne angekommen zu sein. Bühne und Licht von Sakis Birbilis und die Musik von György Ligeti und Julien Tarride, der auch für die Videos verantwortlich ist, sind perfekt darauf abgestimmt. Der dritte und letzte Teil, der zu Percussionmusik von Jannis Xenakis getanzt wird, bringt nochmals eine Steigerung. In eruptiven Bewegungen greifen die Gebärden ineinander – an Werden und Vergehen erinnernd: das Wunder des Lebens in ekstatische Bilder übersetzend.

 Andonis Foniadakis gelingt mit „Galaxias“ ein eindringliches Werk, das die Balance zwischen Rechercheprojekt und tradierter Tanzsprache sehr gelungen meistert. Die beteiligten Tänzerinnen und Tänzer machen ihre Sache ausgezeichnet. Vom Ballettensemble der Nationaloper sind dies: Magda Koukou-Ferra, Stelios Katopodis, Michael Doolan und Thanassis Solomos. Dazu kommen die Modern Dancer Ioanna Papaskevopoulou, Maro Stavrinou, Yannis Lavner und Pierre Mazenti. Das Publikum spendet allen Beteiligten begeisterten Applaus.

 Ingo Starz

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