Der Neue Merker

ATHEN / Greek National Opera, Athen / Ballett der Griechischen Nationaloper. TOPIA / LANDSCAPES

Greek National Opera, Athen / Ballett der Griechischen Nationaloper. TOPIA / LANDSCAPES

Besuchte Vorstellung am 2. April 2017. Tanz, der Raum vermisst

ΜΠΑΛΕΤΟ ΕΛΣ ΤΟΠΙΑ - THE SHAKER LOOPS_φωτο Β. Μακρής 6433
Copyright: Ballett der Griechischen Nationaloper

 Nicht das Opernensemble ist es, sondern das Ballett der Griechischen Nationaloper, welches die Grosse Bühne des neuen, zum Stavros Niarchos Kulturzentrum gehörigen Opernhauses erstmals bespielen darf. Wie gut die Akustik im architektonisch gelungenen Saal wirklich ist, wird sich darum erst ab 23. April erweisen, wenn mit Verdis „Macbeth“ die Oper Einzug hält. Es ist in jedem Fall eine Freude, im Haus Platz nehmen zu können. Für den Beginn der neuen Ära hat Ballettdirektor Andonis Foniadakis unter dem Titel „Topia / Landscapes“ einen Abend zusammengestellt, dessen drei Choreografien die Formenvielfalt des neoklassischen Tanzes vor Augen führen. Der Ballettabend stösst auf regen Zuspruch.

Douglas Lee, der als Tänzer beim Stuttgarter Ballett engagiert ist, hat seit 1999 reichlich Erfahrung als Choreograf gesammelt. Sein neu geschaffenes Stück „Fortress“ basiert auf Ezio Bossos Klaviersolo „The 12th Room“. Der Choreograf entwarf zusammen mit Evdokia Veropoulou auch die Kostüme. Lee kehrt die individuellen Züge der sieben beteiligten Tänzerinnen und Tänzer hervor, zeigt wie sich die Einzelnen in der Gruppe behaupten. Popi Sakellaropoulou, Anna Fragou, Elena Kekkou, Agapios Agapiadis, Stelios Katopodis, Yannis Lavner und Thanassis Solomos machen ihre Sache gut, können aber dem konventionell anmutenden Bewegungsrepertoire nicht wirklich viel Leben einhauchen. Was es mit der Idee der „Festung“ auf sich hat, bleibt eher unklar.

Interessanter gerät die „Sarabande“ von Benjamin Millepied, die 2009 in New York uraufgeführt wurde. Der Franzose, welcher von 2014-16 Ballettdirektor an der Pariser Oper war, greift dafür auf Musik von Johann Sebastian Bach zurück, auf Solo-Werke für Flöte und Violine, die von Nikolaos Nikopoulos (Flöte) und Haris Chatzigeorgiou (Violine) vom Orchester der Nationaloper live dargeboten werden. Die Choreografie arbeitet gekonnt mit Geschlechterrollen und ironischer Brechung und weiss, gelungene, klassisch anmutende Tableauxs zu bilden. Yannis Benetos, Dimitris Ferras, Ariadni Filippaki und ganz besonders Fotis Diamantopoulos sind den Herausforderungen des heiteren Spiels vollauf gewachsen.

 Die Choreografie „The Shaker Loops“ von Andonis Foniadakis wurde 2014 vom Ballet de Lorraine uraufgeführt. Auf der gleichnamigen, geradezu hypnotisch daherkommenden Musik von John Adams basierend, zeigt das Stück die Qualitäten des Griechen, seine Fähigkeit eine rhythmische Vielstimmigkeit zu schaffen, deren Körperbilder immer wieder zu überraschen vermögen. Den nötigen Drive erhält das Werk durch das überzeugende Ensemble, welches neben den bereits zuvor aufgetretenen Tänzern noch folgende aufweist: Evrydiki Isaakidou, Natasha Siouta, Komi Kloukina, Magda Koukou-Ferra, Margarita Kostoglou, Magda Lagoyanni, Eleftheria Stamou, Zoi Schinoplokaki, Vicky Tsiroyanni, Danilo Zeka, Antonis Koroutis, Michael Doolan, Michalis Kriebardis, Nikos Moschis, Esmeraldo Bitro, Elton Dimrochi und Ilir Sipri.

 Ingo Starz

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