Der Neue Merker

ATHEN/ Athens & Epidauros Festival/Odeion des Herodes Attikus: PANZERKREUZER POTEMKIN- Filmscreening mit Livemusik

Athens & Epidauros Festival: Filmscreening mit Livemusik: Panzerkreuzer Potenkim

Vorführung am 5. Juli 2017

Die rote Flagge weht

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 Der wahrscheinlichste schönste, in jedem Fall aber grösste Veranstaltungsort des Athener Festivals ist das Odeion des Herodes Attikus. Dort finden Konzerte und Musiktheateraufführungen statt. Das Athener Staatsorchester pflegt dort auch das Genre Film. Im letzten Jahr boten die Musiker einen reizenden Fellini-Abend dar, nun gab es ein russisches Programm, welches auch ein Beitrag zum Centenarium der Oktoberrevolution von 1917 war. Gezeigt wurde Sergei Eisensteins epochaler Film “Panzerkreuzer Potemkin” aus dem Jahr 1925. Berühmtheit und filmhistorische Bedeutung erlangte der 4. Akt des Werks, welcher das Massaker auf der Treppe zum Hafen von Odessa zeigt. Eisenstein fand dafür eine ungemein rhythmische, spannungs- und detailreiche Komposition: Zaristische Soldaten marschieren gleich Kampfmaschinen die endlos lang scheinende Treppe hinab, während sie auf die vor ihnen fliehenden Menschenmassen schiessen. Bis heute kann man sich der suggestiven Wirkung dieser Szene nicht entziehen. Der Zwischenapplaus des Publikums nach dem 3. Akt, in welchem sich die Bürger von Odessa mit den meuternden Matrosen solidarisieren und auf der Potemkin die rote Flagge gehisst wird – die Kolorierung macht einigen Effekt -, war bemerkenswert. Er gab wohl kund, dass der widerständige Geist der Griechen noch am Leben ist.

Die erste Filmmusik zu Eisensteins Werk schuf Edmund Meisel 1926 für die deutsche Fassung. 1950 komponierte Nikolai Krjukow Musik zur Neufassung des Films. Die Berlinale präsentierte 2005 eine restaurierte, ungekürzte Version mit einer Länge von 70 Minuten, die nun auch in Athen gezeigt wurde. Im Odeion des Herodes Attikus erklang keine der beiden Kompositionen zum Film. Vielmehr griff man auf ein Arrangement zurück, das Ausschnitte aus den Schostakowitsch Sinfonien Nr. 4, 5, 8, 10 und 11 verwendet. Der Ergebnis dieser Kompilation konnte sich hören lassen. Unter der Leitung von Jens Troester bot das Staatsorchester eine rundum gelungene Leistung, wusste mit flexiblem Streicherklang und gut intonierten Bĺäsereinsätzen zu überzeugen. Zudem gefiel die rhythmische Sicherheit, mit welcher der Orchesterapparat agierte. Insbesondere in den Akten 4 und 5 des Filmwerks verschmolzen Bewegtbild und Musik zu einer faszinierenden Einheit. Der Ruf der Revolution kam, so darf man sagen, beim Athener Publikum an. Am Schluss gab es viel Beifall für die Beteiligten.

Ingo Starz

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