Der Neue Merker

ATHEN/ Athens & Epidauros Festival: ST. PETERSBURGER PHILHARMONIKER / RUSSISCHE RHYTHMEN

Athens & Epidauros Festival

St. Petersburger Philharmoniker

Besuchtes Konzert am 7. Juli 2017

st
Copyright: Temirkanov Press

Russische Rhythmen

 Sinfoniekonzerte gehören für gewöhnlich im griechischen Kulturleben nicht zu den vielbesuchten Veranstaltungen. Umso erfreulicher ist es, dass das Athens & Epidauros Festival die St. Petersburger Philharmoniker für zwei Konzerte nach Athen geholt hat. Das traditionsreiche Orchester trat an zwei Abenden im Odeion des Herodes Attikus auf. Auf dem Programm standen, was kann überrascht, nur Werke russischer Komponisten. Im zweiten Konzert, das hier besprochen wird, erklang Musik von igor Strawinsky und Pjotr Iljitsch Tschaikowski. In grosser Orchesterbesetzung lieferten die St. Petersburger Philharmoniker unter der souveränen und rhythmisch ungemein präzisen Leitung von Nikolai Alexeev mustergültige Interpretationen ab.

Strawinskys Ballettmusik “Petruschka” gehört zu den Klassikern des Repertoires. Das Bühnenwerk wurde 1911 in Paris von den Ballets Russes in der Choreografie von Michel Fokine und unter der musikalischen Leitung von Pierre Monteux uraufgeführt. Vaslav Nijinsky war in der Titelrolle zu erleben. Das Orchester aus St. Petersburg brachte Strawinskys spezifische Form der Komposition, in welcher sich Motive und Rhythmen aus einem Klangteppich hervorheben präzise zur Geltung. Bläser wie Schlagwerk zeigen sich in sehr guter Form. Noch eindrucksvoller geriet freilich der zweite Teil des Konzerts mit Tschaikowskis vierter Sinfonie. Bemerkenswert war die rythmische Strenge, mit der Alexeev die Musiker aufspielen liess. Das Werk klang so ungemein modern und befreit von jeglicher spätromantischer Süsse. Dies wurde insbesondere in den Ecksätzen manifest. Die Soli von Klarinette und Oboe im ersten bzw. zweiten Satzen gelangen erstklassig. Die an ein Volksfest erinnernde Musik des letzten Satz war von grosser struktureller Klarheit. Das Publikum lauschte der grossartigen und intensiv vorgetragenen Interpretation aufmerksam und spendete begeisterten Applaus.

Ingo Starz

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