Der Neue Merker

ATHEN/ Athens & Epidauros Festival/ Odeion des Herodes Attikus: SISTEMA EUROPE YOUTH ORCHESTRA

Athens & Epidauros Festival/ Odeion des Herodes Attikus
Sistema Europe Youth Orchestra
Konzert vom 1. August

Ein musikalisches Fest

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Bruno Campo. Copyright: Greece-Press

Es war die Schlussveranstaltung des Athener Festivals und es war ein Fest. Zum Abschluss seines zehntägigen Sommercamps in der griechischen Hauptstadt spielte das Sistema Europe Youth Orchestra im Odeion auf. Seit den 70er Jahren bewährt sich El Sistema als soziale Bewegung im Feld der Musik in Venezuela. Das von José Antonio Abreu ins Leben gerufene musikpädogische Programm hat längst Nachahmer in vielen Ländern der Welt gefunden. In Athen kamen diesen Sommer 190 junge Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen zehn und zwanzig Jahren aus 27 Nationen zusammen, dazu dreissig Lehrpersonen. Nach Sommercamps in Österreich, der Türkei und Italien war nun Griechenland an der Reihe, wo El Sistema Greece als Gastgeber fungierte. Schon vor Beginn des Konzert war die internationale Musikerschar auf dem Vorplatz des Odeions anzutreffen. Angeführt wurde diese im Konzert von sieben sich abwechselnden Dirigenten: Bruno Campo, Samuel Matus, Etienne Abelin, Juan Carlos Maggiorani, Félix Briceo, Ron Davis Álvarez und Faidra Giannelou.

Das Programm des Abends teilte sich in drei Sektionen. Es begann mit der Orchestergruppe der Jüngeren die kurze Stücke präsentierten: einen Ausschnitt aus Georg Friedrich Händels „Wassermusik„, Georges Bizets Toreador-Lied aus „Carmen“ und den „Ungarischen Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms. Das klang nun freilich nicht perfekt, war aber mit lebhafter,spürbarer Musizierlust vorgetragen. Der emotionale Funke sprang schnell aufs Publikum über, insbesondere bei den temperamentvollen Werken von Bizet und Brahms. Die Gruppe der fortgeschrittenen Musiker bot anspruchsvollere Stücke, welche nicht minder mitreissend dargeboten wurden. Insbesondere im ausgewogeneren, präziseren Streicherklang wurde der Fortschritt zur vorigen Besetzung deutlich. Der „Danse Bacchanale“ aus Camille Saint-Saëns‘ Oper „Samson und Dalila“ glich einem musikalischen Hexenkessel. Beim vierten Satz aus Peter I. Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 hätte man sich vielleicht mehr strukturelle Klarheit gewünscht. Die drei Ausschnitte aus Giannis Konstandinidis „Suite Dodekanese“ gelangen schön.

Der dritte und letzte Teil des Konzerts brachte Musiker beider Gruppen sowie einen Chor aus jungen Flüchtlingen, die in einem griechischen Flüchtlingslager untergebracht sind, zusammen. Eine Uraufführung eröffnete diesen: Alexandros Markeas „Taxidis“, welches die gefährliche Reise von Flüchtlingen thematisiert. Das Stück überzeugte in seinem rhythmischen Gestus (Perkussion!) und im Einsatz des Chores, der mit Durcheinanderreden begann und mit einer anmutigen Melodie endete. Arturo Marquez‘ „Conga del Fuego“ befeuerte das Auditorium mit lateinamerikanischen Rhythmen, während Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ aus seiner Neunten die Idee von Europa in den Raum stellte. Dies alles wurde mit hinreissendem Engagement dargeboten und war berührend, weil hier die Grenzenlosigkeit und die verbindende Kraft der Musik ganz anschaulich wurden. Bei den Zugaben – vor allem lateinamerikanische Musik – glich die grosse Bühne einem Tollhaus: Die tänzelnden Musiker und Choristen, denen die Lebensfreude ins Gesicht geschrieben war, sorgten für Gänsehaut und einige Freudentränen im Publikum. Grosser Jubel für alle Beteiligten.

Ingo Starz

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