Der Neue Merker

ARENA di VERONA Giuseppe Verdi AIDA

Mit

Mit dem Sonnenkraftwerk aus den französischen Pyrenäen im Zentrum Ägyptischem Territoriums in der Arena di Verona

 

ARENA DI VERONA   95.Opera Festival 2017
Giuseppe Verdi AIDA

Wiederaufnahme der Produktion von Fura dels Baus
Erstaufführung in dieser Regie beim Festival 2013
Aufführung vom 24.6.2017

 

Saubere Energie

 

Keine Frage, wer auf das ansonsten üppige Programmheft angewiesen ist, wird von den, von der Regie ausgebreiteten Ideen, nichts erfahren, es ist tatsächlich nichts darin zu finden über dieses, mit Sonnenenergie betriebene Kraftwerk. OnlineMerker war damals bei der Erstauffführung 2013 dabei und ergänzt mit in Erinnerung gebliebenem.

Mit Re dem Sonnengott und mit der Schöpfungsgottheit des alten Ägypten, dem im zweiten Akt der Aida verehrten Gott Phtá haben sich die Herren von Fura dels Baus, die Regisseure Carlus Padrissa und Àlex Ollé schon einiges vorgenommen, ist doch deren Inszenierung und vor allem das riesige Bühnenbild in der Arena geprägt vom Vorbild des französischen Solarwärmekraftwerkes in Odeillo in Font Romeu und dessen Heliostaten, welche die Solarkräfte spiegeln und fokussieren. Und ein kleiner Teil der konkaven Spiegelfläche wird während fortschreitender Handlung des Stücks nachgebaut.

Sonnenkraftwerk

Das Sonnenkraftwerk in den Pyrenäen als Anregung für das Bühnenbild von Fura dels Baus. Sonnengott Phta lässt grüßen im modernen Gewand

Ob damit auch künstlerische Kräfte fokussiert werden konnten?

Es war allerdings immer etwas zu sehen, man war gehörig vom Musikalischen abgelenkt und dazu boten die ersten Akte genug: etwa die Krokodile – Statisten mit auf dem Rücken befestigten Panzern –  die auch herzig mit den Tempeljungfern spielten, ein Ballett mit einer Art menschlicher Glühwürmchen, deren später eine ganze Hundertschaft davon, angetan mit Kapuzenmantel und Leuchtkugel das Arenarund zwischen den Zuschauerreihen überfiel, bewegliche große Plastiktiere haufenweise, darunter Elefanten, Kamele wie aus dem LEGO-Katalog, eine Abordnung ägyptischer Krieger in ihren elektrisch betriebenen Kampfwagen, deren Erscheinen bei der Erstaufführung noch ein heftiges Pfeifkonzert auslöste. Viel Licht und Feuer wurde herumgetragen von den Kriegern, auch der Brustpanzer von Radames war von innen beleuchtet und der oberste ägyptische Krieger sah darin aus, als hätte er einen elektrischen Büstenhalter umgeschnürt. Lagereuer wurde angezündet von Kriegern, deren hungrigste unter ihnen sogar ein Krokodil brieten, wobei nicht zu sehen war, ob der darin steckende Statist mit verzehrt wurde.

Roland Olbeter war für diese überbordende Szene verantwortlich, Chu Uroz für die Kostüme, einer “Reinterprätation antiker Formen”.

Als Vorgeschichte durften auf der Bühne bereits eine Unmenge Englischer Archeologen und deren Sklaven bei lautmalerischen aber extrem lauten Sandsturmgeräuschen werken, sie finden auch prompt Teile eines Grabmonumentes, deren Zusammansetzung zwei überdimensonale Köpfe ergibt, die sehr deutlich von Klimts Kuss inspiriert schienen.

 

Eine Vorahnung von Klimts Kuss als Fund. Sammlung Britisches Museum

Eine Vorahnung von Klimts Kuss als Fund. Sammlung Britisches Museum

Das

Das angebliche Original Klimts schon im Altertum in Stein gehauen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flugs werden diese Trümmer, nach eifrigster Begutachtung in Kisten Richtung Britisches Museum verpackt. Dann beginnt die Story ohne irgendeinen Bezug auf diese Vorgeschichte. Auch Mumien wurden entdeckt und es könnte nach entsprechender Wiederbelebung zu erwarten sein, dass einige von ihnen in der später noch aufzuführenden Originalfassung als SängerInnen eingesetzt werden.

Und das Ende: das Heliostatenbündel senkte sich, bei zugegeben romantischer Beleuchtung der Szenerie, sanft über die Sterbenden – und über einen entbehrlichen Zauber…

Hinsichtlich der musikalischen Umsetzung verlief diese Aida aber sogar positv im Rahmen der Möglichkeiten eines finanzgeschwächten Betriebes, in die das Festival in den letzten Jahren geraten war. Neben Amarilli Nizzas feingesponnener Aida ergänzte Carlo Ventre, der in sie unglücklich Verliebte Radames mit seinem etwas trockenen aber zielgenauen heldischen Material, das sich in der Schlussszene mit dem eher leichten Sopran in einem Abgesang an alles Irdische vereinte.

Violetta Urmana ließ nie einen Zweifel daran, wer in Memphis das Sagen hat. Amneris natürlich, sie meldet ihren Anspruch an, aber auch wenn es manchmal mit hörbarem Tremolo einhergeht, sie bleibt das Machtzentrum, bis ihr die Priesterkaste zeigt, wo ihr Platz ist. Und mit Boris Statsenko erwächst ihr ein auch stimmlich starker Gegenspieler als Äthiopierfürst.

Giorgio Giuseppini vertritt als Oberpriester die religiöse Macht im Staat auch tatsächlich, während der eher politisch schwächelnde König des Deyan Vatchkov sich auch gesanglich entsprechend weniger durchsetzte.

Mit ihren Auftritten brachten sie das Voranschreiten der Handlung weiter in Gang: Antonello Ceron als der schon seit Jahren dienstlich ausgesandte Bote mit der schlechten Nachricht von der äthiopischen Front und Marina Ogli als verläßliche Priesterin.

Auch der Chor hatte wieder seine Hauptattraktion im Triumphmarsch, Vito Lombardi wird allerdings nachdenken müssen, warum diesmal die Publikumsreaktion merklich flauer war als sonst. Lag es an der weniger guten Positionierung seiner Sänger auf der leergeräumten Bühne oder am etwas weniger inspirierte Dirigat von Julian Kovatchev, der ansonsten mit lässiger Eleganz die Sängergarde mit Erfolg durch die Partitur führte. Dirigiergehabe und Outfit scheinen nicht zufällig an jene seines Förderers Herbert von Karajan angepasst zu sein.

Die gute Nachricht, die der Uraufführungs-Aida 1913 von de Bosio nachgebaute Inszenierung wird wieder ab 28.Juli ins Programm aufgenommen und bis Saisonende noch neun Mal gespielt.

 

Peter Skorepa
OnlineMerker

Fotos Aufführung 2013: Fondazione Arena di Verona

 

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