Der Neue Merker

Apropos: Meyer, Föttinger, Struppeck (29.09.2017)

zzzz  Apropos  Renate ipse 300

Orban, Putin, Erdogan…
Meyer, Föttinger, Struppeck….

An sich gehöre ich noch zur der Generation, die Privates privat hält. Aber hier geht es um Grundsätzliches. Ich weiß natürlich, dass niemandem etwas abgehen wird, wenn ich nicht in den „Tanz der Vampire“ gehe und nicht darüber schreibe. Aber warum tue ich das nicht? Weil die Pressedame der Vereinigten Bühnen mir die schon zugesagte Premierenkarte weggenommen hat, mit der Versicherung, man werde mich nie wieder einladen.

Und warum das? Weil in meiner Kritik zu „I am from Austria“ gestanden ist: Man sollte es doch endlich als Nepotismus verdammen, wenn die Chefs sich selbst besetzen, um ein Zubrot zu kassieren, zumal, wenn Qualität und Erfolg so beharrlich ausbleibt.

Ich gebe zu, das ist nicht freundlich, hatte aber mit der fast körperlichen Übelkeit zu tun, die diese geschmacklose Torte, mitverfasst von Intendant Christian Struppeck, mir bereitet hat. Nun, er schrieb mir: Auch kassiere ich kein „Zubrot“; ich beziehe für meine Tätigkeit als Autor keine Tantiemen, sondern stelle diese ganz im Gegenteil dem Theater zur Verfügung.

Gut, das muss ich ihm glauben (muss nicht, aber will), in diesem Fall ist er ja nur Co-Autor. Die Bücher für „Der Besuch der alten Dame“ und „Schikaneder“ hat er voll und ganz geschrieben. Auch das wurde, wie die Rechtsabteilung der Vereinigten Bühnen erklärt, nicht extra honoriert. Das bedeutet, dass sich die Vereinigten Bühnen einen Autor / Intendanten engagiert haben und solcherart bei dessen Doppeltätigkeit noch sparen.

Tatsache bleibt ja wohl, dass Dominique Meyer und Karin Bergmann die einzigen Direktoren Wiens sind, die sich ausschließlich darum kümmern, ihre Häuser zu führen. Die anderen Herrschaften inszenieren da zumindest, wenn sie nicht auch noch als Darsteller auf der Bühne stehen. Alles im Rahmen der Intendanten-Verträge oder „Zubrot“? Und wo beginnt die „Nepotismus“-Betrachtung ? (Laut Wikipedia: …bezeichnet eine übermäßige Vorteilsbeschaffung durch bzw. für Familienangehörige, Familienmitglieder bzw. Verwandte (oder auch Freunde) und, wie ich hinzufügen will, für sich selbst, wenn man die Macht dazu hat).

Wobei ich die fraglichen Herren auf derselben Ebene erleben dufte wie Herrn Struppeck. Als ich Volksopern-Direktor Robert Meyer darauf aufmerksam machte, dass er absolut nicht konsequent sein „Nur auf Deutsch“ durchzöge und ihn an Adenauers „Was gebe ich auf mein Geschwätz von gestern“ erinnerte, entzog auch er mir die Pressekarten. Als Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger eine Rolle in Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang“ mit einem Schwarzafrikaner besetzte, obwohl er ein Dutzend „weißer“ Schauspieler dafür hatte, und ich das vermerkte, schimpfte er mich „Rassistin“ und entzog mir auch die Pressekarten.

Das heißt, wir sollen jetzt blind und blöd sein und nichts mehr sehen, hören und sagen wie die bekannten drei Affen? Theater ist nicht naturgegeben so multikulti-vielgesichtig wie die Oper, wo man ohne die Sänger aller Länder, Kulturen und Hautfarben gar nicht mehr existieren könnte. Im Theater hat es sich hier weder um eine notwendige noch um eine sinnvolle Besetzung gehandelt, sondern einzig um ein Signal des Direktors, wie politisch korrekt (sprich: Wir sind die Guten!) man sei. Wagt man auf die Billigkeit solchen Vorgehens aufmerksam zu machen (das ja auch seine politisch positiven Folgen hat), wird abgestraft. Dass eine andere Meinung gesagt werden darf – nein, das ist nicht mehr drin.

Bitte, mich nicht falsch zu verstehen: Ich bin weder wehleidig noch beleidigt (nicht einmal geschmeichelt nach dem Motto „Viel Feind, viel Ehr’“), und wahrscheinlich würde ich auch zurückschlagen, wenn man mich attackiert. Aber ich bestehe darauf, dass ich in allen Fällen einfach auf fragliche Sachverhalte hingewiesen habe – und das sind unsere Theaterleute überhaupt nicht mehr gewöhnt. Dialektisches Denken (Dinge von beiden Seiten zu betrachten, oder vielleicht von noch ein paar möglichen mehr) ist völlig verloren gegangen. Es gibt nur noch eine Wahrheit, so verlogen die auch sein mag, und wird diese nicht bedient, schreit man auf und schreitet zu Sanktionen. Alles darf sein, solange es unter dem Teppich bleibt und niemand die Frechheit hat, das  auch laut zu sagen (schreiben)…

In meinem Fall hat man mir Pressekarten gestrichen, sei’s drum. In anderen Fällen verlieren die Betroffenen viel Geld (nicht, dass mir Wolfgang Fellner leid täte, aber übel bleibt die Sache schon, nicht nur auf seiner Seite) – oder sie landen im Gefängnis wie bei unseren östlichen Nachbarn. Diese Macht haben Theaterdirektoren noch nicht. Vermutlich hätten sie sie gerne, um unerwünschte Meinungen aus dem Weg zu schaffen. Hoch lebe die Demokratie, die Meinungsfreiheit, die Meinungsvielfalt und alle unsere schönen Errungenschaften.

Renate Wagner

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