Der Neue Merker

ANNABERG/ Buchholz: DIE SIEBEN GEISLEIN von Engelbert Humperdinck. Eine Opernausgrabung

Noch eine Ausgrabung in Annaberg im Erzgebirge: „Die sieben Geislein“ von Engelbert Humperdinck (Vorstellung: 13. 12. 2016)

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Leander de Marel. Copyright: Dirk Rückschloss

Mit einer weiteren Ausgrabung – dem Märchenspiel für die Kleinen „Die sieben Geislein“ von Engelbert Humperdinck – beschenkte das Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz in der Vorweihnachtszeit die Kinder im Erzgebirge. Angekündigt als Opernausgrabung, erzählt das Singspiel in einem Akt die Geschichte von den unvorsichtigen Geislein, dem gefräßigen Wolf und der alles rettenden Mutter.

Engelbert Humperdinck (1854 – 1921), der von 1872 bis 1876 am Kölner Konservatorium bei Ferdinand Hiller studierte, lernte während seines Studienjahres in Italien Richard Wagner kennen, der ihn zu seinem Assistenten in Bayreuth für die Uraufführung des Parsifal berief. Später unterrichtete er Wagners Sohn Siegfried im Tonsatz. Nach längeren Reisen lehrte Humperdinck Komposition an den Hochschulen in Barcelona, Köln, Frankfurt a.M. und von 1900 bis 1920 in Berlin. Mit seiner Märchenoper „Hänsel und Gretel“ hatte er einen großen Welterfolg. Bis heute zählt diese Oper zu den meistgespielten Werken weltweit! Seine Vorliebe für Märchenopern bewies er auch mit den Stücken „Die sieben Geislein“ (1895) und „Dornröschen“ (1902). Seine Oper „Königskinder“ wurde 1911 sogar an der New Yorker Metropolitan Opera uraufgeführt.

Das Libretto für das Singspiel Die sieben Geislein hatte Adelheid Wette, die Schwester des Komponisten, nach dem Märchen der Gebrüder Grimm verfasst. Es war ursprünglich als Stück für den Familienkreis gedacht, das am Heiligen Abend von Kindern vor den Eltern und Großeltern gespielt und gesungen werden sollte.

Das unvollendete Werk wurde am 19. Dezember 1895 – genau 120 Jahre vor der Premiere in Annaberg-Buchholz – am Berliner Schillertheater an der Jannowitzbrücke uraufgeführt. Weil  das Singspiel aber sehr kurz war – Humperdinck widerstand allen Bitten, es zu einer abendfüllenden Oper umzuarbeiten –, wurde es nicht ins Repertoire übernommen. Da das Märchenspiel im Vorjahr in Annaberg großen Erfolg hatte (es wurde am 26. Dezember 2015 als 4. Philharmonisches Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie in voller Instrumentation in der St. Nicolaikirche in Aue aufgeführt), wurde es heuer in der Vorweihnachtszeit wiederaufgenommen.

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Copyright: Dirk Rückschloss

Tamara Korber und Ingolf Huhn, der Intendant des Theaters in Annaberg, inszenierten das Singspiel als Puppentheater mit Klavierbegleitung für die Allerkleinsten (Kinder ab 4 Jahren). Es gelang ihnen so gut, dass viele der Kinder während des Stücks voll mitgingen und beispielsweise der alten Geis mit Zurufen und Winken bei ihrer Suche nach den sieben Geislein aktiv halfen. Auch in den humorvoll gehaltenen Szenen mit dem Wolf lachten die Kleinen aus vollem Hals – sie lebten im Theater einfach mit. Für die praktikabel gehaltene Bühnenausstattung zeichnete Peter Gross verantwortlich, für die köstlichen  Puppen der sieben Geislein Francesca Ciola.

Die alte Geis wurde von der Sopranistin Bettina Corthy-Hildebrandt wunderbar gespielt. Sie hatte von Anfang an die Sympathien der Kinder gewonnen. Den „bösen“ Wolf gab der Bariton Leander de Marel nicht minder humorvoll, wenngleich die kleinen Zuschauer unter  seiner „Gefräßigkeit“ mitlitten. Komödiantisch agierte auch der Pianist Karl Friedrich Winter während seiner Begleitung am Klavier. Der lieblichen Musik Humperdincks tat dies  keinen Abbruch.  

Die sieben Geislein wurden von Ute Bräuer, Amandine Cadé, Anne Mehler, Christine Richter, Verena Rollin, Juliane Roscher-Zücker und Heike Schlott gesungen und gespielt, wobei sie beim „lebendigen“ Puppenspiel mit voller Begeisterung zu Werke gingen. 

Das Publikum – die Kinder waren von Müttern und Großeltern begleitet – dankte am Schluss den Puppenspielern und Sängern sowie dem Pianisten mit starkem Beifall.

 

Udo Pacolt

 

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