Der Neue Merker

ANDECHS: CARMINA BURANA. Neuinszenierung

ANDECHS / CARL ORFF FESTSPIELE: CARMINA BURANA – NI am 21.7.2013

 Mittlerweile sind die Carl Orff Festspiele auf dem Heiligen Berg von Kloster Andechs am schönen Ammersee fester Bestandteil des bayerischen Musiksommers. Seit fünf Jahren ist Marcus Everding ihr künstlerischer Leiter. Mit ihm haben die Festspiele als eines der drei großen Komponistenfestspiele in Bayern neben Bayreuth und Garmisch ihren Ruf weiter gefestigt. Seit 1998 wurden hier mit großem Erfolg u.a. „Der Mond“, „Die Kluge“, „Carmina Burana“, „Die Bernauerin“, „Antigonae“, „Trionfo di Afrodite“, Shakespeares von Carl Orff vertonter „Sommernachtstraum“, sowie „Der Goggolori“ des Orff-Schülers Wilfried Hiller im Floriani-Stadl aufgeführt.

Das ist ein alter Heuschober, der nach den anfänglichen Erfolgen 1997 zu einem rustikalen Konzertsaal umgebaut wurde und eine ausgezeichnete Akustik aufweist. Die Konzerte hier sind meist ausverkauft. Auch die „Carmina Burana“ war es trotz größter Hitze an diesem Sommernachmittag. Sie bildete in diesem Jahr mit der „Bernauerin“ – in Andechs besonders beliebt – den Kern der Festspiele und wurde mit einer Lichtkonzeption von Marcus Everding gewissermaßen halbszenisch sieben Mal aufgeführt. Für die Lichtgestaltung war Georg Boeshenz verantwortlich.

Die musikalische Leitung hatte Christian von Gehren, der das Orchester der Andechser ORFF-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters dirigierte, ein Kooperationsprojekt des Klosters Andechs mit dem Bayerischen Rundfunk.

 Carl Orff hatte mit der Uraufführung der „Carmina Burana“ am 8. Juni 1937 in Frankfurt seinen Durchbruch als Komponist geschafft. Er schuf damit ein neuartiges Musiktheater und sagte selbst: „Mit den Carmina Burana begannen meine gesammelten Werke“. Everding ist, wie er im Programmheft schreibt, gegen eine szenische Einengung der Stücke der „Carmina Burana“, da es dem Geist des Werkes die Luft abschnüren und dem Zuhörer Assoziationsmöglichkeiten nehmen würde. Carl Orff hatte „Mit magischen Bildern“ auf die Partitur geschrieben. Diese Anmerkung nahm Everding zum Anlass, die den einzelnen Stücken und Versen innewohnende Magie durch fantasievolle und meist farbige Lichtprojektionen auf eine große Leinwand über dem Chor auf dem Orchesterpodium metaphorisch und assoziativ mit der Musik zu zeigen. Beim tongewaltig beginnenden „O Fortuna“ mit vollem Choreinsatz wurden Rottöne und Mondelemente sichtbar. Beim Bariton-Solo „Alles macht die Sonne mild…“ sah man Sonnen-Assoziationen auf der Leinwand. Grüntöne und Baumäste, nie ganz konkret, immer nur angedeutet und stimmungsverstärkend, bildeten den Hintergrund zum Chorsatz „Es grünt der Wald…“ Bei „Stand da ein Mägdlein…“ des Soprans sah man oben den Scherenschnitt eines jungen Mädchens in anmutiger, kontemplativer Bewegung. Nicht immer passten allerdings die Bilder ganz zur Musik, manchmal wurde es auch etwas zu viel. Aber die Idee war gut und ermöglichte eine Reihe von magischen Momenten – ganz im Sinne von Carl Orff…

Dazu trugen aber ganz entscheidend auch der von Stefan Wolitz hervorragend einstudierte Carl-Orff-Chor Marktoberdorf, verstärkt durch den Unterstufenchor des Rhabanus Maurus-Gymnasiums St. Ottilien (Theresia Busen) bei, die das Stück mit großartiger Rhythmik, Stimmkraft und Prägnanz gestalteten, sowie die drei Solisten von entsprechendem Format. Herdis Anna Jónasdóttir sang mit einer wunderschönen klaren und leuchtenden Sopranstimme mit perfekter Intonation und Spitzentönen. „In trutina mentis dubia…“ wurde auch mit der entsprechenden Verinnerlichung so zu einem der Höhepunkte dieser „Carmina Burana“. Manuel König fand in dem berühmten Solo „Cignus ustus cantat…“ vom armen Schwan, der gebraten auf der Schüssel landet, mit der für diese Nummer so speziellen Timbrierung zu großem Ausdruck. Mit seinem klangvollen hellen Tenor konnte er die Qualen des Schwanes beklemmend vermitteln. Wolfgang Newerla sorgte mit seinem gut artikulierenden und ausdrucksstarken Bariton für kraftvolle Dynamik, auch in den Nummern mit dem Chor. Sein Solo „Alles macht die Sonne mild…“ sang er mit weichem Timbre klangschön und phrasierte auch ansonsten sehr gut bei bester Wortdeutlichkeit.

Last, but surely not least, ist die ausgezeichnete Leistung des Dirigenten Christian von Gehren zu würdigen, der zu jedem Moment ganz offenbar die Musiksprache der „Carmina Burana“ verstanden hat, für die nötige Rhythmik in exzellentem Zusammenspiel mit dem Chor sorgte und auch eine gute Hand für die kontemplativen Momente hatte. Sowohl die Holz- wie die Blechbläser hatten einen ganz starken Tag, aber auch die Streicher bestachen durch intensive Klanggebung. Man spürte die Begeisterung der Musiker für dieses Stück. Kurz, eine ganz bemerkenswerte Aufführung der „Carmina Burana“ auf dem heiligen Berg von Andechs! Das Publikum war begeistert und wollte die Künstler gar nicht gehen lassen. Es ist zu hoffen, dass die Festspiele dieses Ereignis auf CD oder gar DVD gebannt haben.

 (Fotos in der Bildergalerie)

 Klaus Billand

 

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