Der Neue Merker

ALPBACHTAL/ TIROL: DAS LEBEN PFLEGEN UND SICH BEWEGEN

Alpbachtal/Tirol: Das Leben pflegen und sich bewegen, 17.09.2014

von Ursula Wiegand

Tirol setzt in diesem Herbst auf einen „bewegteren Lebensstil“. Also mit einem feschen Tiroler oder einem hübschen Madel wieder das Blut in Wallung bringen? Nein, so ist das nicht gemeint. Durch etwas mehr Sport sollen wir PC-Hocker und TV-Gucker wieder in Schwung kommen, sollen gesund werden und gesund bleiben.

Reith im Alpbachtal 
Reith im Alpbachtal. Foto: Ursula Wiegand

Solche Pakete zu günstigen Preisen nach dem Motto „Das Leben pflegen und bewegen“ schnürt z.B. das Alpbachtal Seenland vom 28.9.-19.10.2014.

Hotel Pirchnerhof in Reith
 Hotel Pirchnerhof in Reith. Foto: Ursula Wiegand

In einem der Partnerbetriebe dieser Aktion, dem Hotel Pirchnerhof im Blumendorf Reith,  habe ich solch ein Angebot vorab getestet. Also rein ins 30 Grad warme Außen-Schwimmbad zur Wassergymnastik und danach zum Reifenschwingen. Beides kurbelt den Kreislauf an, ohne ältere Gäste zu überfordern. Auch die geführten Wanderungen oder das Nordic Walking bringen niemanden aus der Puste.

Romantik am Reintaler See
 Romantik am Reintaler See. Foto: Ursula Wiegand

Das Alpbachtal ist, wie der Name besagt, nicht das hochalpine Tirol, sondern eine eher sanfte Gebirgslandschaft mit zahlreichen Seen, im Sommer passend zum gänsehautfreien Baden und ganzjährig zum unangestrengtem Umrunden. Der Weg um den Reintaler See erweist sich als ein romantisches Vergnügen. Den schwierigen Klettersteig an der nahen Felswand überlassen wir der Jugend.

Momentan scheint eine sonnige Septemberwoche den goldenen Oktober anzukündigen, doch selbst bei weniger gutem Wetter gibt es hier soviel Sehenswertes, ja Einmaliges, so dass keine Langeweile aufkommt. Nur wenige Minuten sind es von Hotel zum Hildegard Garten, Österreichs erstem Schau- und Erholungsgarten nach Hildegard von Bingen (1098-1179).  

Reith, Irmgard Rendel im Hildegard Garten
Reith, Irmgard Rendel im Hildegard Garten. Foto: Ursula Wiegand

Irmgard Rendel vom Hildegardverein Reith, der den Garten gründete und pflegt, hockt neben einem blau blühenden Busch. „Das ist Ysop, das heilige Kraut der Bibel,“ erklärt sie. Sogar Feigen reifen hier auf rd. 670 m Höhe. Der Quitten- und Mispelbaum hängt voller Früchte.

Aha-Erlebnisse, die animieren, mich morgens – vor Wurst und Käse – mit warmem Dinkel-Habermus zu stärken und beim Abendmenü die durchaus leckeren Hildegard-Varianten zu wählen, die der Pirchnerhof täglich anbietet. Was einer der wichtigsten Frauen des Mittelalters – als Kind stets kränklich – half, das damals biblische Alter von 82 Jahren zu erreichen, soll mich für den Anstieg auf den 1.336 m hohen Reitherkogel fitmachen.

Bergstation Reitherkogel, Wander-Varianten
 Bergstation Reitherkogel, Wander-Varianten. Foto: Ursula Wiegand

Eine bequeme Version gibt’s ebenfalls: die „Card Tirol pur“ zücken und gratis mit der  Reitherkogelbahn hinaufschweben. „8er Familien-Jet“ steht auf den Gondeln. Droben macht den Kleinen der Juppi Zauberwald und der Panorama-Rundweg das Wandern schmackhaft. Danach schnell zurück ins Tal zum Reither Almabtrieb. (Weitere Termine am 20. und 27. September)

Reither Almabtrieb
Reither Almabtrieb. Foto: Ursula Wiegand

Wandern ist für die meisten eher eine Schönwettervariante. Doch es gibt auch zahlreiche Wetter unabhängige Ziele, wie Alpbach, das schönste Dorf Österreichs.  Sämtliche Häuser aus Holz, auf dem Friedhof nur schmiedeeiserne Kreuze – das ist hier Vorschrift.

Alpbach gilt als schönstes Dorf Österreichs
 Alpbach gilt als schönstes Dorf Österreichs. Foto: Ursula Wiegand

Umso mehr überrascht das am Dorfrand in einen Hang gebettete Congress Centrum Alpbach, dass erst beim Näherkommen seine faszinierende Form offenbart. Ein moderner Bau, konzipiert von der Architektenwerkstatt DIN A 4 aus Innsbruck, und ein zeitgemäßer Tagungsort für das alljährliche Europäische Forum Alpbach, das schon seit 1945 Geistesgrößen und Entscheider zusammenführt.

Congress Centrum Alpbach, Architektenwerkstatt DIN A 4, Innsbruck
Congress Centrum Alpbach, Architektenwerkstatt DIN A 4, Innsbruck. Foto: Ursula Wiegand

Wegen der starken Nachfrage wird das Congress Centrum bis zum Sommer 2016 für 10,5 Millionen Euro mit einem 415 qm umfassenden Plenarsaal und drei rund 90 qm großen Seminarräumen aufgestockt. Auch eine zweigeschossige Tiefgarage ist geplant.

Hechahof, Eigner Konrad Kirchmair 
Hechahof, Eigner Konrad Kirchmair. Foto: Ursula Wiegand

Ein Juwel ganz anderer Art ist der im Jahr 1600 erbaute Hechahof, eine beliebte Jausenstation  oberhalb von Brixlegg mit weitem Blick in die Täler. Eigner Konrad Kirchmair verkörpert eine ebenso urige Gemütlichkeit wie der gesamte sonnengedunkelte Bau. Im Keller reifen Schinken und Würste, und nach dem guten Speckbrot spendiert er noch einen Zirbenlikör.

Rattenberg, kleinste Stadt Österreichs, Fußgängerzone
Rattenberg, kleinste Stadt Österreichs, Fußgängerzone. Foto: Ursula Wiegand

Stundenlang könnten wir hier oben bleiben, doch drunten lockt Rattenberg, die kleinste Stadt Österreichs und mit ihren pastellfarbenen Häusern auch eine der charmantesten. Das mittelalterliche, teils barockisierte Stadtbild wird hier nachdrücklich bewahrt und begeistert  Besucher von nah und fern.

Rattenberg, Glasmalerin Bernadette Fliri
 Rattenberg, Glasmalerin Bernadette Fliri. Foto: Ursula Wiegand

Die streifen durch die Fußgängerzone von Laden zu Laden und können wie wir bei „Kissinger Kristallglas“ dem Glasbläser zuschauen, der Glasmalerin Bernadette Fliri über die Schulter  gucken und danach die prächtige Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert bewundern. Die schützt aber nicht vor den Versuchungen, die die Konditorei Hacker – ein 1774 gegründeter und mehrfach prämierter Familienbetrieb – zu fairen Preisen offeriert.

Rattenberg, in der Konditorei Hacker
 Rattenberg, in der Konditorei Hacker. Foto: Ursula Wiegand

Die Prügeltorte muss es nicht sein, ich will sie ja niemandem um die Ohren schlagen. „Nein, nein, nur der Teig wird geprügelt,“ lacht die Verkäuferin und präsentiert eine  Schwarzwälder Kirschtorte. Noch mehr reizt mich die „Rattenberger Augustiner Torte“, eine Köstlichkeit des Hauses. Die Kalorienzufuhr erweist sich beim Gang durch das Augustiner Museum und vor allem bei der Turmbesteigung der ehemaligen Abtei als vorteilhaft.

Augustiner Museum, gotischer Kreuzgang
Augustiner Museum, gotischer Kreuzgang. Foto: Ursula Wiegand

Das Erdgeschoss mit dem restaurierten gotischen Kreuzgang und der prunkvollen barocken Klosterkirche sind echte Highlights. (Museumsöffnung täglich vom 1. Mai bis zum 2. Oktober-Sonntag, im Winter nur für angemeldete Gruppen).

Wallfahrtskirche Mariathal, Marienkapelle
 Wallfahrtskirche Mariathal, Marienkapelle. Foto: Ursula Wiegand

Solche Highlights gibt es auch jenseits des Inn, so die außen schlichte, drinnen jedoch prächtige Wallfahrtskirche Mariathal, bis 1782 ein Dominikanerinnen-Kloster. Wegen seiner überregionalen Bedeutung wurde das Gotteshaus 2008 zur Basilica minor erhoben. Das im November beginnende nächtliche Kurzpilgern findet viel Zuspruch, berichtet der Messner (Küster) Josef Häubler.

Wallfahrtskirche Mariathal, 750 Jahre altes Kruzifix
Wallfahrtskirche Mariathal, 750 Jahre altes Kruzifix. Foto: Ursula Wiegand

Auffällig sind drei bis zu 40 kg schwere Fahnen und vier lebensgroße Figuren – Jesus als Guter Hirte, die Jungfrau Maria, die Rosenkranzkönigin und der Hl. Josef – die bei der Fronleichnamsprozession von kräftigen Männern durchs Dorf getragen werden. Das kostbarste Stück ist ein kleines romanisches Kruzifix an der Wand. „Das ist so genau so alt wie das 1267 gegründete Kloster,“ betont Häubler.

Doch ein weltweites Unikat stellt fast alles in den Schatten: der 1965 gegründete  Museumsfriedhof Tirol in Hagau bei Kramsach, ein lustiger Friedhof ohne Tote. (www.museumsfriedhof.info).

Fein geschmiedete Grabkreuze aus dem 18. und 19. Jahrhundert, wie in den Arkaden nahe dem Eingang, sind auch anderswo zu finden, einmalig ist jedoch die Sammlung bäuerlichen Totengedenkens, die Hans Guggenberger in Nord- und Südtirol, Salzburg und Bayern zusammengetragen hat. Vor allem die oft holprig gereimten Sprüche lassen schmunzeln. Mal nennen sie die Todesursache, mal nehmen sie mit derbem Humor den Lebenswandel des Verstorbenen aufs Korn:

Museumsfriedhof, der versoffene Kupferschmied
Museumsfriedhof, der versoffene Kupferschmied. Foto: Ursula Wiegand

„Unter diesem Rasen liegt die versoffene Kupferschmied Nasen“, ist zu lesen. Aber a bissl beten soll der Betrachter für einen Bauern, der an selbstgebrautem Bier starb. Deutlich herber klingt der Nachruf: „Hier liegt Martin Krug, der Kinder, Weib und Orgel schlug.“ Barbara Moser-Guggenberger, seine Tochter, amüsiert sich jedoch besonders über den „Schwanz-Spruch“:

Museumsfriedhof, Grabkreuz-Inschrift für einen Aktiven
 Museumsfriedhof, Grabkreuz-Inschrift für einen Aktiven. Foto: Ursula Wiegand

Auch im Winter bietet das Alpbachtal Aktivitäten jeder Art im Tal und bei den Abfahrten. Seit der Verbindung mit dem Nachbargebiet nennt man sich stolz „Ski Juwel Alpbachtal Wildschönau“ und zählt mit 145 Pistenkilometern nun zu den 10 größten Skigebieten Tirols. Am 12.12. wird die Skisaison eröffnet, und dafür gibt es bereits buchbare Schmankerl.  

Skilauf, Alpbach aktiv für Kids
Skilauf, Alpbach aktiv für Kids. Foto: Ursula Wiegand

Infos mit den herbstlichen Tiroler Urlaubsangeboten für einen bewegteren Lebensstil finden sich unter www.tirol.at/tirol-bewegt. – Für den Winter bietet das Alpbachtal folgende Pauschalen:

„Ski & Family Alpbachtal“ (http://www.alpbachtal.at/de/unterkuenfte/packages/ski–family-alpbachtal_250), das Wiedereinsteiger-Angebot „Skicomeback Alpbachtal“ (http://www.alpbachtal.at/de/unterkuenfte/packages/skicomeback-im-alpbachtal_434), das Kurzreiseangebot mit 3 ÜN „Ski & More Alpbachtal“  (http://www.alpbachtal.at/de/unterkuenfte/packages/ski–more-alpbachtal_247) sowie die neuen „Freeridewochen für Einsteiger“ (http://www.alpbachtal.at/de/unterkuenfte/packages/freeridewochen-fuer-einsteiger_1176 (U.W.)

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