Der Neue Merker

ALOIS MÜHLBACHER – die Kindheit wurde dem Gesang gewidmet und das weitere Leben wohl auch

ALOIS MÜHLBACHER: Die Kindheit wurde dem Gesang gewidmet und das weitere Leben auch.

Peter Dusek und Elena Habermann im Gespräch mit Alois Mühlbacher am 15.5.2017

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Alois Mühlbacher beim Online-Merker. Copyright: Barbara Zeininger

Für den Sopran–Kinderstar Alois Mühlbacher gab es nichts Schöneres, als in den höchsten Tönen zu singen, auf der Bühne zu stehen, als Solist an der Wiener Staatsoper oder auch in seinem Stammchor, den „St. Florianer Sängerknaben“. Die haben auch einen Erwachsenen-Chor, und dort tritt er als Countertenor – Solist immer noch sehr gerne auf.

Das sehr nette, aufschlussreiche und launige Gespräch wurde mit einer Arie seines Lieblingskomponisten Händel aus dessen Oper „Alcina“ eingeleitet. Am Klavier wurde er von Rugiada Lee von der Wiener Staatsoper begleitet.

Alois begann bereits als sehr junger Bub zu singen. Er war der einzige in der sehr musikalischen Familie, der das „Singen“ dem Instrumentalen vorzog. (Nun, die menschliche Stimme ist allerdings das kostbarste Instrument.) Als Kind lachte er immer über diese Countertenöre und zog schöne Frauenstimmen immer vor. Sein Wunsch war, später Tenor zu werden, wie der von ihm sehr verehrte Johan Botha. Er konnte unwahrscheinlich lang diese hohe Sopranlage der Knabenstimme halten, auch als bereits die Sprechstimme bereits mitten im Stimmbruch war. Es wurde aber immer schwieriger und die Stimme wanderte langsam in die baritonale Lage. Aber welcher junge Mann kann von sich sagen „Die Königin der Nacht“ als Kind gesungen zu haben, und das mit einer Perfektion, wie es die größten Sängerinnen können. Auch wirkte die Stimme nie knabenhaft, sondern wie ein weiblicher Koloratursopran. 

Die Volksschule besuchte er in seinem Heimatort Hinterstoder (ein beliebter Urlaubsort, speziell für Schifahrer, in Oberösterreich), wo seine Eltern eine Konditorei und eine Pizzeria betreiben. In der Volksschule wollte er nie singen, zuhause sang er sofort alle Koloraturen und das noch dazu sehr laut. Eine Lehrerin überzeugte ihn, den Sängerknaben vorzusingen. So sang er dort „O du fröhliche, Oh Du selige …“mitten im Sommer und wurde zu einem Schnupperwochenende eingeladen. Der Erfolg war überwältigend, der Ehrgeiz wuchs in Unermessliche und die Schule trat ab sofort total in den Hintergrund. Nur was unbedingt sein musste, wurde gemacht. Seine Idole wurden Christa Ludwig, Elisabeth Schwarzkopf, Diana Damrau und natürlich Edita Gruberova.

Rasch wurde er Solist der St. Florianer Sängerknaben und sang viel Spieloper, nachdem man bei einem Krippenspiel sein außergewöhnliches schauspielerisches Talent erkannte. Bei einer „Zauberflöte“ sang er nicht nur die „Königin der Nacht“, sondern auch „Pamina“ und „Erste Dame“. Genauso viel Spaß bereitete auch die „Rosalinde“ in der „Fledermaus“. Mit dreizehn Jahren spielte er seine erste CD ein. Der Ehrgeiz,  immer noch besser zu werden stieg noch mehr, dennoch fühlte er sich nie gestresst, weil ihm die Musik immer wichtiger war als alles andere. Somit gab es nie das, was Andere „Verzicht“ nennen würden.

Als Kind das „hohe F“  mühelos zu erreichen, machte kein Problem. Als Countertenor – Altus wird dies nur noch bei Übungen angestrebt. Der Längstzeitdirektor der Wiener Staatsoper hielt die Berichte über diese extreme Überbegabung für eine Übertreibung und vermeinte darin einen Schwindel zu erkennen. Ioan Holender ließ sich aber durch ein Vorsingen überzeugen und bot ihm dann den Hirten im „Tannhäuser“ an. Auch sein dirigierender Landsmann Franz Welser Möst glaubte zuerst nicht an diese Wunderbegabung. FWM dirigierte später die Premiere des „Tannhäuser“. Der Maestro schwärmte später von dieser unglaublich langen Stimme, die auch in der Tiefe schön klingt. So kam das Debüt an der Staatsoper zustande. Der Erfolg war für den Knaben enorm und der Wunsch, Opernsänger zu werden, wurde fixiert. Aber der kluge junge Mann hielt sich immer noch die Option eventuell Schauspiel offen. Auf alle Fälle musste es die Bühne sein.

Der Plan, auf das Musikgymnasium zu gehen, wurde wieder verworfen, heute ist auch Schauspiel nicht mehr interessant, weil es die Stimme beeinträchtigt. Die Matura wurde in einer Abendschule nachgeholt, der Weg zur Universität ist somit frei. Seine Eltern waren sehr tolerant gegenüber seinen großen künstlerischen Ambitionen, machten aber keinen Druck wie so manche „Eislauf- oder Ballettmütter“. Auch wurde nie vorausgesetzt, dass er das Geschäft der Eltern übernehmen wird. Was übrigens auch seine Schwestern nicht machten, eine davon ist in der Wissenschaft der Medizin unterwegs.

Nach dem „Tannhäuser“ folgte in kurzer Zeit die zweite Produktion an der Wiener Staatsoper, bereits in der Direktionszeit des Dominique Meyer „Alcina“ von Händel. Dominique Meyer hat er nun als angehender Countertenor erneut vorgesungen. Es ist etwas im Gespräch, also man darf neugierig sein.

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Alois Mühlbacher singt Händel, Rugiana Lee begleitet. Copyright: Barbara Zeininger

Mit den St. Florianer Sängerknaben war er natürlich immer auf vielen Reisen wie in Amerika, China, Russland und Mexiko. Schon allein dadurch ist eine solche Kindheit nicht der normale Weg, in dem man vielleicht das ‚Abenteuer sucht. Die Abenteuer kommen oft von selbst, wie zum Beispiel ein ‚Tornado in Mexiko. Das Hotel wurde verwüstet und die Jugend musste im Bus übernachten. In dieser Zeit war er bereits auch bei den Konzerten, wo er immer solistisch auftrat, ein Publikumsliebling und genoss natürlich diese Position. Hauptsächlich waren diese Reisen mit den Kollegen wie ein Urlaub und Ferienlager, das viel Freude bereitet. In seinem „Kinderrepertoire“ fehlt ihm die „Zerbinetta“, die er nie live singen konnte. Zur Popmusik und ähnlicher Musik hatte und hat er überhaupt keinen Bezug.

Heute singt er immer noch mit seinen Florianer Kollegen, das ist seine musikalische Heimat. Mit Baritonstimme singt er auch bei einem Schlager der Comedian Harmonists („Kaktus“) mit anderen gereiften Kollegen gerne mit, die ein ganzes Programm dieser legendären Gruppe erarbeitet haben.

An der Musikuniversität in Wien studiert er weiter Gesang bei Uta Schwabe. Außerdem muss auch an den Sangessprachen wie Italienisch, Französisch und auch natürlich Deutsch gearbeitet werden. Seine große Liebe gilt neben den Barockkomponisten dem großen Deutschen Lied, das er erarbeiten will. Von Britten ist der „Oberon“ sehr interessant, als Traumrolle sieht er den „Cherubino“. Oratorien und Passionen sind für dieses Fach natürlich unumgänglich.

Seine Vorbilder sind Carlos Mena, Bejun Metha, Andreas Scholl, und Max Emmanuel Cencic, diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit       

Jetzt ist auch als zweites Standbein das Dirigieren leicht ins Auge gefasst. Das Ziel ist und bleibt aber immer das Singen auf der Bühne.

Seine diversen CD – Aufnahmen verkaufen sich zwar sehr gut. Das macht zwar nicht reich, aber bekannt. Die Aufnahmekosten sind enorm und die Exklusivverträge werden immer seltener.

In der kargen Freizeit geht er gerne im Winter in der Heimat zum Schifahren, schätzt die gute Küche und macht sich Gedanken über den Klimawandel.

Die Musik ist eine herrliche Inselwelt, die völkerverbindend sein sollte, so will er seinen Beitrag für ein besseres Leben leisten. Der Illusion, die Welt retten zu können, gibt er sich gar nicht hin, er konzentriert sich auf das Machbare.     

Elena Habermann

Peter Dusek

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