Der Neue Merker

ALIEN: COVENANT

FilmPoster  Alien Covenant~1

Filmstart: 18. Mai 2017
ALIEN: COVENANT
USA  /  2017 
Regie:  Ridley Scott
Mit: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup u.a.

Es beginnt mit einem Androiden. Wer den Vorgänger-Film gesehen hat, kennt ihn: Dieser David war auf dem Raumschiff „Prometheus“, das Regisseur Ridley Scott vor fünf Jahren ins All geschickt hat, um seine berühmte „Alien“-Welt neu zu beleben. Der Film war kein Meisterstück, aber glücklicherweise ist die Fortsetzung, die nun in unsere Kinos kommt, eine solche.

Nicht zuletzt, weil die Androiden eine so große Rolle spielen: David, im ersten Film auf einem fremden Planeten verschollen, und Walter, der nun wieder auf dem Weg ins All ist. Beide werden (sie sind schließlich Roboter eines Typs) von Michael Fassbender gespielt, der diesen Film mit dieser prächtig differenzierten Doppelrolle mühelos auf seinen schmalen Schultern trägt. Gleiches Aussehen und dennoch unverkennbar zwei verschiedene – Menschen? Androide? Oder doch mehr?

Scott thematisiert hier ein Problem, das die Menschen von heute beunruhigt – die Geister, die wir schufen, werden wir sie auf Wunsch wieder los? Oder wird es menschengleiche Maschinen geben, die auch denken, fühlen und Böses tun können? David jedenfalls, der seinem menschlichen Schöpfer zu Beginn des Films ganz cool Widerpart bietet (und am Klavier Wagner spielt), ist ein recht unheimliches Geschöpf…

Und dann ist man schon wieder im Raumschiff (ohne große Vorgeschichte, die in „Prometheus“ so mühsam war): „Convenant“, wo der Android Walter als gute Seele waltet,  reist zu einem neuen Planeten, zweitausend Menschen, als Kolonisten vorgesehen, schlafen in ihren gläsernen Särgen, bis man ihre neu zu besiedelnde Welt erreicht. Nur die Crew wird unsanft geweckt, als Stürme ihr Raumschiff ramponieren. Es gibt Verluste in der Besatzung, es muss einen neuen Kapitän geben, und Billy Crudup spielt diesen Christopher Oram so, dass man weiß: Der wird dem Job nicht gewachsen sein…

Über sieben Jahre soll es noch zum Zielplaneten dauern. Aber aufgefangene Signale von einem nahen Planeten, der offenbar Lebensbedingungen wie die Erde bietet, sind einfach zu verlockend. Gegen die starken Bedenken seiner Stellvertreterin Daniels (sympathisch und ganz unspektakulär „normal“: Katherine Waterston) begibt das Kapitän sich mit einem Großteil der Crew (nur wenige bleiben am Raumschiff zurück) auf den verlockenden Planeten, wo es Wasser und Wälder und Getreide gibt… und Aliens.

Wie diese sich diese zuerst als Bakterien-Staub in die Menschen hineinfressen und dann als Monster wieder aus ihnen herausbrechen, ist – bei aller Vorhersehbarkeit – ungemein spannend, technisch brillant, scheußlich anzusehen, nichts für schwache Nerven und dennoch ein dramatisches Zentrum des Films, der überraschend viele von seinen Protagonisten (die man durchaus gern gehabt hat) opfert.

Wenn die Crew sich in einen Riesenbunker flüchtet, stehen sie David gegenüber (der den Prometheus-Androiden Walter als „Bruder“ begrüßt): Was David denkt und getan hat, wird langsam klar, und wenn er und Walter einander letal gegenüberstehen (wenn der scheinbar tote Walter aufersteht und David erneut angreift, erklärt er nur: „Es gab ein paar Updates seit deiner Zeit“), dann weiß man, dass dieser Kampf für die Zukunft (und möglicherweise auch für die Fortsetzung des Films…) entscheidend ist.

Ridley Scott, der diesmal nach einem klar-stringenten Drehbuch verfahren kann, das auch konventionelle Handlungselemente nicht scheut (wie befreien sich jene, die ins Raumschiff zurück gelangt sind, von einem tödlichen Alien, das sich eingeschmuggelt hat…), tut es mir aller Spannung, vor allem aber mit größter Selbstverständlichkeit: Man ist mitten drin in dieser Welt der Aliens, nicht im Kino bei Sci-Fi, und diese Nähe macht aus, dass der Reiz dieses Covenant-Raumschiffs so ungleich größer ist als einst jener von „Prometheus“…

Ein Einwand. Wenn am Ende der Befehl ertönt „Einzug der Götter in Walhall, Rheingold, 2. Akt“, dann muss der Opernfreunde leider korrigierend eingreifen – „Rheingold“ hat keine Akte, sondern vier pausenlos in einander übergehende Szenen, der „Einzug der Götter in Walhall“ ist das Finale der Oper, also bestenfalls in der vierten Szene zu verorten. Dass sich das bis Hollywood noch nicht herumgesprochen hat und auch nicht zu dem immerhin in Deutschland befindlichen Synchon-Institut… eigentlich eine Schande, oder?

Übrigens: Sir Ridley Scott (so viel Zeit muss sein), war 42, als er im Jahr 1979 den ersten „Alien“-Film drehte und Filmgeschichte machte. Heuer im November wird er 80. Dennoch hat er eine weitere Fortsetzung angekündigt. Wenn diese noch einmal die Kraft und Spannung dieses Films hat, freuen wir uns darauf.

Renate Wagner

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