Der Neue Merker

„A TRIBUTE TO JANET“ Kammermusik mit Oboe und Englischhorn

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„A TRIBUTE TO JANET“ Kammermusik mit Oboe und Englischhorn von Mozart, Britten, Knussen und J. Françaix – NICHOLAS DANIEL, Britten Oboe Quartett; harmonia mundi CD

Nicholas Daniel, der Gründer des Britten Oboe Quartetts (2005) und Solist auf Oboe und Englischhorn, bindet eine tiefe musikalische Freundschaft an seine Lehrerin Janet Craxton, der Widmungsträgerin der vorliegenden Aufnahmen. Ihr unermüdlicher Einsatz für zeitgenössische Musik war das besondere Gütesiegel der früh verstorbenen Meisterin auf der Oboe. So hat sie unter anderem die hier eingespielte Cantata Op. 15 von Oliver Knussen und das Quartett für Englischhorn, Violine, Bratsche und Violoncello von Jean Françaix mit dem London Oboe Quartett uraufgeführt.

Brittens Teenie Phantasy Op. 2 für Oboe, Violine, Viola und Cello sowie das Oboenquartett von Mozart, KV 370, ebenfalls auf der neuen CD zu hören, bilden das Kernrepertoire des Ensembles ab. Mozarts Adagio in C-Dur, KV 580a (die Melodie der Einleitung findet sich in der berühmten Motette „Aver verum corpus“ KV 618 wieder), Fragment geblieben und fertig gestellt von Nicholas Daniel, ergänzt ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm. Es wird dem Motto des Ensembles gerecht, die in den letzten zweihundertfünfzig Jahren geschriebenen großen Werke für Oboe, Geige, Bratsche und Violoncello regelmäßig aufzuführen, sie aufzunehmen (und das Repertoire mit neuen Auftragsstücken zu erweitern).

Solist Nicholas Daniel, der an der Britten-Pears School for Advanced Musical Studies noch mit Größen wie Rostropovich, Carter, Dutilleux, Lutoslawski oder Knussen zusammenarbeiten durfte, ist ein Virtuose auf seinen Instrumenten. Er kann die Oboe je nach Stimmung von jubilierend singen bis wehmütig klagen lassen. Das Mozartsche Oboenquartett bietet hier mit seinen vielfältigen Launen, extravaganten „Koloraturgesangslinien“ und atmosphärischen Gegensätzen die tollsten Möglichkeiten.

Aber auch die freche, energisch akzentuierte, vorwärtsstürmende, an der Klangsprache Stravinskys orientierte Phantasy des  schon als Blutjunger genialen Britten, Oliver Knussens komplex einfallsbunte Cantata (mein Favorit auf der CD) oder das neoklassizistische Quartett von Jean Françaix bieten ausgiebig Gelegenheit für die vier herausragenden Künstler, im Zusammenspiel dynamisch abschattiert und voll eloquentem Musikantentum alle rhythmischen   und klangfarblichen Finessen auszuloten. Dabei ist dem englischen Ensemble jede Effekthascherei fremd, die Musik darf ganz ohne überzogene interpretatorische Eitelkeit ganz aus sich selbst sprechen.

Als Partnerinnen auf Augenhöhe mit Nicholas Daniel musizieren Jacqueline Shave (Violine), Clare Finnimore (Bratsche) und Caroline Dearnley (Violoncello).

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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