Der Neue Merker

850 JAHRE DOM ZU BRANDENBURG

850 Jahre Dom zu Brandenburg, 17. April 2015

„Beständig neu“ als Motto der Jubiläumsfeiern vom 3.5. bis 31.10.

von Ursula Wiegand

Schon vom weiten schaut der Dom St. Peter und Paul im Städtchen Brandenburg bei Berlin  über die Havel. Von Nordwesten her gesehen überragt er eine Kleingartenkolonie. „Trutzig wirkt er in seiner norddeutschen Backsteingotik,“ sagt Pfarrer Dr. Matthias Fenski, Ökumenebeauftragter des Erzbistums Berlin.

Dom St. Peter und Paul blickt über Kleingärten
Dom St. Peter und Paul blickt über Kleingärten. Foto: Ursula Wiegand

Mit seinem knubbeligen Turm sei er zwar nicht so elegant wie die gotischen Dome in Frankreich. „Doch er passt in die Gegend wie ein märkischer Landedelmann,“ meint Fenski, Mitglied im Kuratorium, das die Feiern zum 850. Domjubiläum vorbereitet.

Hexagramm am Westgiebel des Dom-Hauptschiffes, 1. H. 15. Jh
Hexagramm am Westgiebel des Dom-Hauptschiffes, 15. Jh., Foto: Ursula Wiegand

„Schön, wieder da zu sein,“ denkt Frau Dr. Kerstin Gaefgen-Track, wenn sie, aus Hannover anreisend, den Dom erblickt. Die evangelische Oberlandeskirchenrätin gehört seit 2011 zum Domkapitel. Normalerweise tagt dieses Gremium zweimal jährlich, doch in der Vorbereitung des 850. Domjubiläums, das vom  3. Mai bis zum 31. Oktober gefeiert wird, wurde auch Besonders aus der Taufe gehoben. So das Projekt „Dom am Abend“, eine Reihe mit namhaften Referenten und Autoren. Insgesamt weckt das Festprogramm hohe Erwartungen.

Marienaltar des Doms, 15. Jh., Ausschnitt
Marienaltar des Doms, 15. Jh., Ausschnitt. Foto: Ursula Wiegand

Diese Ehrung hat der Dom verdient, ist er doch die Wiege und Mutterkirche der Mark Brandenburg. Stattlich erhebt er sich auf der Dominsel, war ein Teil der ersten christlichen Burg, die Otto d. Große errichten ließ. 948 gründete er dort das Bistum Brandenburg.

Noch etwa 200 Jahre dauerten die Kämpfe zwischen den Germanen und den slawischen Hevellern. Nach dem Tod von Pribislaw Heinrich, des letzten Fürsten, erbte der Askanier Albrecht der Bär das Gebiet und regierte es von 1157-1170. In seine Zeit fällt die Domgründung im Jahr 1165.

Dom St. Peter und Paul, Krypta, b
Dom St. Peter und Paul, Krypta. Foto: Ursula Wiegand

Beständig neu“ lautet das Motto im Jubiläumsjahr, das am 3. Mai mit einem Festgottesdienst und der Sonderausstellung im Dommuseum beginnt. Eine doppeldeutige Devise, denn der Dom steht auf wackeligen Füßen, d.h. auf den Schutt der zuvor geschleiften Wallanlagen. Das war kein sicherer Grund. Der Stattliche wurde zum Sorgenkind und drohte sogar einzustürzen.

Turmspitze des Doms von Carl Friedrich Schinkel, 1836
Turmspitze des Doms von Carl Friedrich Schinkel, 1836. Foto: Ursula Wiegand

Nach zweijähriger Sanierung durch Carl Friedrich Schinkel, der dem Turm 1836 die achteckige Haube verpasste, wurde der Dom im Beisein von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III am 1. Oktober 1836 feierlich neu geweiht. In den 1960er Jahren waren weitere  Sicherungen fällig. Nun aber haben „pmp architekten“ – Dombaumeister seit 1990 – offenbar das Problem gelöst. In einem Baugrundverdichtungsverfahren wurden Betonstelzen unter das Fundament gespritzt. Die garantieren, so heißt es, die endgültige Standfestigkeit.

Dom, Langhaus mit hohem Chor
Dom St. Peter und Paul, Langhaus mit Hohem Chor. Foto: Ursula Wiegand

Spätestens im bestens restaurierten Kirchenschiff herrschen nur noch Freude und Ergriffenheit. Leuchtend rote Pfeiler und Bögen streben und schwingen sich himmelwärts. Ein großartiger Kontrast zu den strahlend weißen Wänden. „Dieser Dom ist ein Raumwunder. Er regt zum Nachdenken an und zur Zwiesprache mit Gott,“ begeistert sich Frau Gaefgen-Track.

Triumphkreuzgruppe, 15. Jh. vor dem Hohen Chor
Triumphkreuzgruppe, 15. Jh. vor dem Hohen Chor. Foto: Ursula Wiegand

Auch das Triumphkreuz vor dem Hohen Chor erhebt die Herzen, zumal kein Lettner mehr die Gläubigen am Laienaltar von den Priestern trennt. Die Krypta aus dem 13. Jahrhundert ist frei zugänglich. Der karge, kastenförmige Steinaltar stammt wohl noch aus der allerersten, aus Holz gebauten Kirche. Gebet und Geschichte vereinen sich dort.

Kreuzigungsretabel auf dem ehem. Laienaltar, um 1470
Kreuzigungsretabel auf dem ehem. Laienaltar, um 1470. Foto: Ursula Wiegand

„Ich wünschte, ich könnte öfter kommen,“ flüstert Frau Gaefgen-Track. Das auch wegen der Wagner-Orgel von 1725. „Die ist noch zu rund 90 Prozent original,“ betont später Museumsleiter Dr. Rüdiger Freiherr von Schnurbein.

Wagner-Orgel von 1725
Wagner-Orgel von 1725. Foto: Ursula Wiegand

Für den Domkantor Marcell Fladerer-Armbrecht war sie der Hauptgrund für den Antritt der Stelle. In der Konzertreihe „Von Dom zu Dom“ spielen dann Organisten aus aller Welt auf diesem klangreichen Barock-Instrument. Auch renommierte Chöre werden das hohe Kirchenschiff mit ihrem Gesang füllen.

Dommuseum, Grabstein, 12. Jh.
Dommuseum, Grabstein, 12. Jh. Foto: Ursula Wiegand

Und bloß nicht das Dommuseum versäumen! In den mittelalterlichen Räumen, wo einst der Prämonstratenser-Orden zu Hause war, wird ab 3. Mai die Jubiläumsausstellung gezeigt. Auf die freut sich Pfarrer Fenski besonders, „denn die zeigt die gemeinsame Geschichte des Christentums in Brandenburg.“

Zu sehen sind vorreformatorische Kostbarkeiten. Ein schlichter Grabstein aus dem 12. Jahrhundert ist das älteste Stück. Weit mehr her machen die liturgischen Textilien, vor allem die rd. 60 bestickten, gut erhaltenen Chormäntel. „Während der Reformation wurden diese Schätze in Kisten verstaut, dann vergessen und erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt. Das hat ihre Schönheit bewahrt,“ erklärt von Schnurbein. Auch Altäre und Skulpturen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert wurden auf diese Weise gerettet.

Dommuseum, Hungertuch, 13. Jh., Ausschnitt Kreuzigung
Dommuseum, Hungertuch, 13. Jh., Ausschnitt Kreuzigung. Foto: Ursula Wiegand

Der größte Schatz ist jedoch das „Brandenburger Hungertuch“ von 1290. Gab es damals eine Hungersnot? Nein. Mit diesem weißen, 2 x 4 Meter großen Leinentuch wurde in der Fastenzeit (= Hungerzeit) der Altar verhüllt. Am Karfreitag hat man es weggezogen, weil bei Jesu Kreuzestod, wie im Neuen Testament beschrieben, der Vorhang des Tempels zerriss.

Das komplett bestickte Tuch hängt hinter Schutzglas. Eine hochfeine Arbeit. Von Mariä Verkündigung bis zur Auferstehung Christi illustriert es detailgenau das Leben Jesu. Dass Maria neben dem Kreuz stehend weint, ist klar zu erkennen.

Dom St. Marien zu Havelberg, geweiht 1170
Dom St. Marien zu Havelberg, geweiht 1170. Foto: Ursula Wiegand

Zu Füßen zweier Dome beginnt am 18. April die BUGA 2015. Denn erstmalig umfasst diese Bundesgartenschau zwei deutsche Bundesländer, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, und fünf Standorte. Mit 80 km Länge führt sie von Dom zu Dom durch die malerische Havelregion und bietet rd. 320.000 verschiedene Pflanzen, über 8.000 gepflanzte Bäume und 32 Blumenhallen in Brandenburg an der Havel, Premnitz, Rathenow, Amt Rhinow/Stölln und Havelberg.

Je nachdem, wo die 1,5 Millionen erwarteten BUGA-Gäste per Bus und Bahn, per pedes oder mit dem Radl starten, wird der Brandenburger Dom zum Alpha oder Omega. Schön, dass wir hier sind, werden seine Besucher sicherlich sagen.

Infos: Öffnungszeiten des Brandenburger Doms Mo-Sa von 10-17 Uhr, am Mi ab Mai wegen der Konzerte nur bis 12 Uhr, So: von 11.30 – 17 Uhr. Führungen ab Mai täglich um 11 und 15 Uhr, sonntags nur um 15 Uhr.

Sonntagsgottesdienst um 10.30 Uhr, Do 18 Uhr: Vesper mit Abendmahl in der Krypta, Mo-Fr. Mittagsgebet in der Petrikapelle gegenüber.

Im Dom sind die letzten Reihen für Betende gratis. Gäste zahlen als Domerhaltungsbeitrag inkl. Jubiläumsausstellung 5 Euro, erm. 3 Euro (auch die BUGA-Besucher). Freier Eintritt für Kinder bis 15 Jahre, Schüler, Azubis und Studenten.

Generelles zum Dom: www.dom-brandenburg.de, zum Jubiläumsprogramm: www.dom-brandenburg.de.

Zur BUGA: Infotelefon: 0049-(0) 3381 797 2015, Internet: http://www.buga-2015-havelregion.de, Mail: info@buga-2015-infotelefon.de  (U.W.)

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