Der Neue Merker

7. OKTOBER 2017

HEUTE Wiener Staatsopern-Stream „Der Spieler“. Misha Didyk, Elena Guseva. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Das ist für Sie eine wohl einmalige Chance, denn gar so oft werden Sie nicht die Gelegenheit haben, dieses Prokofjew-Werk in einer erträglichen Inszenierung zu erleben. Start des Streams ist 19,3oh, das Vorprogramm läuft ab 19 h. Melden Sie sich bei

http://www.staatsoperlive.com/de/ an! 

Die Oper „Der Spieler“ ist – im Gegensatz zur Romanvorlage – eine etwas spröde „Kost“. Wie oft bei Romandramatisierungen verliert der Stoff an Konsistenz. Zwar enthält Dostojewskis Text sehr viel an direkter Rede, die sich leicht in eine dramatische Form bringen lässt, aber Prokofjew, der sich das Libretto selbst eingerichtet hat, musste natürlich auswählen und zusammenfassen. Die Opernhandlung endet beispielsweise früher als der Roman – und die Ich-Perspektive (Dostojewski erzählt die Geschichte aus der Sicht des 25 Jahre alten Hauslehrers Alexej) gibt dem Text ohnehin eine ganz spezifische, schwer auf das Theater zu übertragende Sichtweise…

…Das Publikum spendete bei der Premiere rund 10 Minuten langen, starken Schlussapplaus. Die Regie wurde ohne Missfallensbekundung zur Kenntnis genommen. 

Zum Bericht von Dominik Troger

OPER GRAZ: Schon die zweite „Trovatore“-Vorstellung musste umbesetzt werden.

 

Besonders spannend wird es an einem Opernhaus immer dann, wenn schnelle Lösungen für plötzlich auftauchende Probleme gefunden werden müssen. Umbesetzungen in letzter Minute, eingeschobene Proben: Da stehen gewiss dem ein oder anderen Schweißperlen auf der Stirn. Erst kurzfristig wurde klar, dass Lana Kos, die Premierenbesetzung für die Neuinszenierung von Il Trovatore unter der Regie von Ben Baur, die Vorstellung am Folgetag aufgrund einer Erkrankung nicht singen könne.

Doch für den Ersatz musste man nicht in die Ferne schweifen, denn man konnte der jungen (erst 27-jährigen!) Sopranistin Sonja Šarić die Chance geben, in der Rolle der Leonora zu debütieren. Šarić  hatte den Studienauftrag für die Rolle der Leonora, was bedeutet, dass sie die Rolle zu Übungs- und Ausbildungszwecken ebenfalls einstudiert und erarbeitet hat. So kann man jungen Sängern am Anfang ihrer Karriere die Gelegenheit geben, ihr Repertoire auszubauen und so viel wie möglich kennen zu lernen. Für die Rolle der Inez, die Šarić in der Premiere verkörperte, sprang der Neuzugang im Opernstudio der Oper Graz, die Mezzosopranistin Andrea Purtić, ein und konnte nicht nur ihr Debüt in dieser Rolle sondern auch ihren Einstand auf der Bühne des Grazer Opernhauses feiern.

Zum Bericht von Konstanze Kaas

DRESDEN/ Semperoper: LES TROYENS. Ein Triumph für Christa Mayer und auch für den Sächsischen Staatsopernchor


Christa Mayer “einsame Spitze“ als einsame, verlassene Königin Didon.
Copyright: Forster

Die amerikanische Regisseurin Lydia Steier macht ein halb modernes, halb historisches Drama mit Kostümen und typischen Verhaltensweisen zwischen Pariser Weltausstellung, Jahrhundertwende in Sachsen, sozialistischem Russland mit Hammer und Sichel, national Spezifischem verschiedener Völker, Exotischem, Operetten- und Revueartigem und sehr Volkstümlichem bis hin zum bayrischen Bierfass-Anstich durch den König daraus. Folkloristische Kostüme, vom Balkan und Griechenland und – wie es schien – auch von der Ukraine und Russland inspiriert, machen das bunte Treiben komplett, bei dem auch ein bisschen (volkstümlich) getanzt wird (als minimaler „Ersatz“ für die ursprünglichen Ballett-Einlagen?) – keine Spur von J. J. Winckelmanns Antikenbegriff der „edlen Einfalt und stillen Größe“, die auch Berlioz‘ im Sinn gehabt haben soll…

…Es sollte vielleicht effektvoll, revueartig und unterhaltsam sein. Diese Art „Unterhaltsamkeit“ erinnert aber eher an die Worte des Literaturpapstes Reich-Ranitzki: „… ja, ich habe mich unterhalten, aber unter Niveau“. Die Regisseurin hatte sich offenbar einen sensationellen Erfolg erhofft und war sichtlich enttäuscht über die massiven Buh-Rufe aus dem Publikum, gegen die die wenigen Bravo-Rufer nicht ankamen.

Ganz anders wurde die großartige Christa Mayer als Königin Didon mit ihrer Bühnenpräsenz, ihrer wunderbar klingenden Stimme und faszinierenden Ausdrucksfähigkeit zu Recht vom Publikum mit einhelligem Applaus und wiederholtem „Bravo-Regen“ gefeiert. Sie war das sängerische Glanzlicht des Abends und überstrahlte alle anderen 16 Sänger-Darsteller…

Zum Bericht von Ingrid Gerk

Riccardo Muti bricht eine Lanze für Verdi
Der Meisterdirigent gibt seine Wissensschätze grosszügig weiter. Nebst einem Jugendorchester hat er eine Akademie ins Leben gerufen, wo junge Künstler sich mit grossen Opernwerken auseinandersetzen.
Neue Zürcher Zeitung

München/ Gärtnerplatztheater: Josef E. Köpplinger freut sich auf die Wiedereröffnung
Münchner Abendzeitung

Theater Nordhausen: 100 Jahre Theater Nordhausen: „Otello“ intensitätsstiftend
Neue Musikzeitung/ nmz.de

Wiener Symphoniker verschwenden Steuergeld

Zu viel Personal, zu wenig Leistung, finanzielle Verluste: Der Stadtrechnungshof spricht wörtlich von Missständen bei dem Orchester, das die Vorwürfe zurück weist.
Die Presse

Die Vorwürfe des Rechenamts der Stadt Wien sind massiv:

Kritische Finanzen. Der StRH hält fest, dass der Verein Wiener Symphoniker ohne die Förderungen der Stadt Wien nicht weiter existieren kann – die finanzielle Situation also kritisch ist. Am Jahresende 2015 fehlten im Budget 1,3 Millionen Euro, insgesamt gab es einen Bilanzverlust von rund 64 Millionen Euro.

    Mangelnde Auslastung. „In einzelnen Monaten lag die Auslastung einzelner Instrumentengruppen bei nur rund 12 Prozent“, wird auf Seite 37 des Berichtes kritisiert. Als Extrembeispiel wird aufgelistet: Im April 2015 leisteten drei Musiker nur zehn von 83 möglichen Diensten. Ein Musiker bestritt (bei vollem Gehalt) keinen einzigen Dienst im gesamten Monat. Dazu hält der StRH generell fest: „Ein Großteil der Instrumentengruppen musste im Beobachtungszeitraum von neun Monaten keine Dienste im Ausmaß von ein bis zwei Monatsverpflichtungen leisten.“ Anders formuliert: Bis zu 20 Prozent der vorgeschriebenen Dienste wurden nicht geleistet. Der StRH ortet deshalb zu viel Personal und empfiehlt eine Reduktion von 122 auf 100 Musiker über den natürlichen Abgang (Pensionierungen etc., keine Nachbesetzungen)…

Anstatt zu dementieren sollten die Orchesterchefs auch nachdenken, was an der Rüge „dran ist“. Immerhin geht es um Steuergeld.

Der Umstand, dass viel zu viele junge Musiker ausgebildet werden, ohne dass sie auf die Risken des Berufs aufmerksam gemacht wurden, steht natürlich auch im Raum. Ein Orchester ist keine „Geschützte Werkstatt“.

HEUTE IM PLEYEL-MUSEUM IN RUPPERSTHAL/ NÖ

Sa, 7.10.2017, 18h bis 01h: Herzliche Einladung zum 377. Konzert der IPG im Rahmen der Langen Nacht der Museen mit drei Musikschulen! Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
 
Geschätzte Pleyel Verehrerinnen und Verehrer!
Mit dem nachstehenden Link senden wir Ihnen das Programm der „Langen Nacht der Museen 2017“ mit Musik & Kulinarik „Schmankerl aus der Region“ am Samstag, dem 7. Oktober 2017 von 18h bis 1h im Pleyel Kulturzentrum, 3701 Ruppersthal 137:

https://www.dropbox.com/s/5shv20n7twg4cip/Programm-15-2017-z-Druck.pdf?dl=0

HEUTE in Österreich: DIE LANGE NACHT DER MUSEEN

Mumien und Raffael bei langer Nacht der Museen

Bereits zum 18. Mal findet am Samstag die „ORF-Lange Nacht der Museen“ statt. An 129 Orten in Wien finden Besucher neben klassischen Gemälden dabei auch Zaubershows oder gefrorene Hundewelpen aus der Eiszeit.

Von 18.00 bis 1.00 Uhr können Interessierte erneut auf eine kulturelle Entdeckungsreise gehen. Die Sonderschau „Hund & Katz“ samt der Eismumien im Naturhistorischen Museum (NHM) dürfte ein Besuchermagnet werden. Zum ersten Mal werden die gefrorenen Tiere laut Museum im Rahmen einer Ausstellung getzeigt. Dafür wurde extra eine Kühl-Vitrine angefertigt.

Besonders ist auf die Raffael-Ausstellung in der Albertina in Wien hinzuweisen!

http://wien.orf.at/news/stories/2870729/

WIEN/ Merker Kunstsalon: JONGMIN PARK SINGT IN „I PURITANI“ (am 16.10/ Gatterburggasse)

Der Merker-Kunstsalon ist – wie jedes Opernhaus – zu Umbesetzungen gezwungen. Mit Jongmin Park singt nun einer der vielversprechendsten Sänger aus dem Ensemble der Wiener Staatsoper beim Kunstsalon. Wie macht das bloß die Haberfrau (Frau Habermann)?

Jongmin Park singt im „Merker-Kunstsalon“

Anstelle von Apostol Milenkov singt die Rolle des Giorgio in I PURITANI am Montag, 16.10. der aus der Wiener Staatsoper bekannte und auf dem Sprung zur ganz großen Karriere stehende Bassist Jongmin Park

Filme der Woche

FimPoster  Blade Runner  2049~1
Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Als der erste „Blade Runner“ 1982 in die Kinos kam, spielte er in scheinbar ganz ferner Zukunft – im Jahre 2019. Das ist uns ja nun schon sehr nahe gerückt, und ungeachtet der Digitalisierung stellen wir fest, dass wir doch noch nicht von „Replikanten“ (künstlichen Menschen, von uns kaum zu unterscheiden) überschwemmt sind. (Oder erkennen wir sie bloß nicht?)

Das war die Grundidee des Klassikers von Ridley Scott, nach einer Geschichte von Philip K. Dick, und er zeigt uns die seit langem schwelende, nun viel näher gekommene Sorge der Menschen, dass sie eines Tages von den „Maschinen“, in welcher Form auch immer, abgelöst, verdrängt, ausgerottet werden…

Der neue Blade Runner, der nun 35 Jahre nach dem ersten in die Kinos kommt (in dem gelungenen Bestreben, „die Geschichte weiter zu erzählen“), spielt 30 Jahre nach dem ersten, basiert wieder auf den Ideen von Dick, hat sich der Beratung von Ridley Scott versichert. Denis Villeneuve ist dem neuen „Blade Runner“ ein ingeniösen Regisseur. Das Problem der Geschichte ist inetwa dasselbe geblieben, nur dass es eine neue Generation von Replikanten gibt, die „braver“ und fügsamer sind als die alten – und ausersehen, unkontrollierbare frühere Modelle, vor denen man sich fürchtet, aus dem Weg zu schaffen…

Österreich: Der Wahlkampf versinkt im Sumpf der Schuldzuweisungen
Kurier

Flightright: Niki ist unpünktlichste Airline Europas
Inkassodienstleister veröffentlicht neue Negativliste.
http://www.austrianaviation.net/detail/flightright-niki-ist-unpuenktlichste

Fußball
WM-Quali: Österreich besiegt Serbien

Wenn es für uns um nichts mehr geht, sind wir stark da. Ein Sieg gegen Serbien ist aber trotzdem wichtig, spielen doch sehr viele junge Serben in österreichischen Vereinen, bis hinunter in die letzten Klassen. Wenn deren Nationalmannschaft Österreich in Wien besiegt hätte, glauben unsere „österreichischen Serben“ vielleicht, dass sie kicken können (und halten die Hand auf – das weiß ich aus jahrelang geübter Praxis)!
Die Presse

Für den Teamchef gibt es – ein Sieg am Montag gegen Moldawien vorausgesetzt – somit einen versöhnlichen Abschluss, nachdem er in den letzten Tagen persönliche Enttäuschungen hinnehmen musste. Spieler, auf die er gebaut und die er protegiert hat, gaben ihm für diese „Abschiedsspiele“ einen Korb. Deshalb freue mich mich, dass elf österreichische Kicker einem zwölften, dreizehnten und vierzehnten gezeigt haben, dass es ohne ihm sogar besser geht!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

Diese Seite drucken