Der Neue Merker

3. JÄNNER 2018

So wollen wir die Oper künftig haben: Frau erdolcht Mann, nicht umgekehrt. Gleiches Recht für alle!

Renate Wagner, die viel mehr Zeit in Theatern verbracht hat als die „Normalverbraucher“, ist geschockt. In der „Nach Harvey Weinstein-Zeit“ ist nichts mehr, wie es früher war. Sogar Opern-Handlungen müssen umgeschrieben werden:

Cristiano Chiarot, der Intendant des Florentiner Theaters, hat meine Phantasie vor ungeheure Herausforderungen gestellt. Seine dezidierte Anweisung an den (anfangs selbst erschrockenen) Regisseur nach einer „feministischen“ Umdeutung des „Carmen“-Finales eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für die Opernliteratur. Wenn Carmen nun Don José erschießen darf, weil sich die Frauen solche Behandlung einfach nicht mehr gefallen lassen können, dann gilt das ja auch für andere Ladies der Opernliteratur?

Also: Gilda erdolcht den Herzog und Desdemona erwürgt Othello – das ist leicht. Aida könnte mit Radames (wir sind ja nicht grundsätzlich männerfeindlich) aus ihrer Totenkammer schleichen und Amneris dort einsperren (es gibt ja auch böse Frauen, die bestraft gehören). Azucena freilich wird sich schon schwerer dabei tun, den Grafen Luna ins Feuer zu schleudern… Und wem kann Violetta ihren Schwindsucht-Tod anlasten? Natürlich dem fortgesetzten Missbrauch durch die gesamte Männerwelt. Nur – wie macht man das jetzt?…

Die Liste könnte man endlos fortsetzen, die gängigsten Opern-Finali hat Renate Wagner in unseren „Infos des Tages“ „bearbeitet“:

...Und bei Mozart? Da fährt der Weiber-Benützer und Weiber-Vernichter Don Giovanni ohnedies in die Hölle – aber hoppla, wie wäre es denn, ihn am Leben zu lassen? Dann kann er nämlich zum Schluß-Sextett hereinschleichen und Zerlina (oder Anna oder Elvira oder alle drei?) in den Hintern kneifen. Die kreischen dann auf, möglichst mit ein paar Koloraturen, und jodeln „#metoo“! Dann wäre die Sache doch noch feministisch auf den Punkt gebracht…

Ich bezweifle gar nicht, dass wir der einen oder anderen Möglichkeit irgendwann auf einer Bühne begegnen werden. Und dass sich Journalistenkollegen finden, die dergleichen schönschreiben. Ist ja auch nicht schwer. Könnte ich auch. Jederzeit. Ich will nur nicht.

Ja, Frauen wehrt Euch! Vor allem gegen den Unsinn, der da in Eurem Namen unternommen wird.

Den gesamten Beitrag von Renate Wagner finden Sie in unseren heutigen „Infos des Tages“

Gegen Frauengewalt: Florenz inszeniert „Carmen“ mit neuem Finale
„In einer Zeit, in der die Plage der Frauenmorde akut ist, wie kann man bei der Ermordung einer Frau klatschen?“, fragt Intendant Cristiano Chiarot – und zeigt eine neue Version der Oper.
Die Presse
Gewalt gegen Frauen. Oper Carmen mit neuem Finale
http://orf.at/#/stories/2420942/

Passend dazu: Nun Missbrauchsvorwürfe gegen den Chef des New York City Ballet

In diesem Fall regen sich aber nicht nur Frauen auf, Tänzerinnen und Tänzer (!) erheben die Vorwürfe gegen den Mann, der das Ballett seit 30 Jahren leitet. Der will sich gegen die Vorwürfe wehren!

Missbrauchsvorwurf gegen Chef des New York City Ballet
Wiener Zeitung

Schüttet Bogdan Roscic die (Staatsopern)Suppe weg und kocht sich eine neue?

 

Die Audienz, die das designierte Staatsopernduo Roscic/Jordan beim berühmten Selbstdarsteller Ioan Holender gewährt bekam, bietet Stoff für mehrere Betrachtungen. Nun hat sich Renate Wagner des Themas angenommen:

Üblicherweise dienen die Gespräche, die Ioan Holender für Servus TV führt, ihm selbst: Sie beweisen ihm und den anderen, dass er noch kein „Has been“ ist, der unbeachtet am Altenteil sitzt. Diesmal allerdings hat er Wiens Opernfreunde mit einer wichtigen Information versorgt. Er hat uns gezeigt, wer die beiden Herren sind, die in ziemlich genau zwei Jahren und neun Monaten die „Herrschaft“ in der Wiener Staatsoper antreten werden…

Positiv fiel auf, dass die beiden sich offenbar wirklich gut verstehen. Bedenkt man, wie sich der vorige GMD hinausgemobbt fühlte, weil man nie mit ihm redete, ihn nie zu Entscheidungen heranzog, ihn Dinge aus der Zeitung erfahren ließ, dann wird das bei Roscic / Jordan vermutlich nicht passieren. Die reden miteinander und liegen offenbar auf einer Wellenlänge...

Wobei sie auch geschickt genug waren, sich jeden Seitenhieb auf die gegenwärtige Direktion zu schenken. Vielleicht denken die beiden wie Martin Kusej, der im Hinblick auf seine künftige Burgtheaterdirektion sagte: „Ich schütte da sicher mal die Hälfte oder zwei Drittel von diesem Suppentopf aus und koche mal eine neue Suppe auf“, aber sie waren wirklich nicht so geschmacklos, es auszusprechen. Sie werden sicherlich einiges ändern – knapp drei Jahre davor Details zu nennen, wäre unverantwortlicher Wahnsinn…

Lesen Sie die gesamten Ausführungen von Renate Wagner in unseren Staatsopern-Reflexionen  und heute auch in unseren „Infos des Tages“.

Theaterdirektor werden, ist nicht schwer (wenn man politisch entsprechend vernetzt ist), Theaterdirektor sein hingegen sehr! Was sich der Herr Kusej da geleistet hat, ist eigentlich unglaublich – wenn man für den Posten des Burgtheaterdirektors ein gerüttelt Maß an Intelligenz voraussetzt. Die Formulierung mit der auszuschüttenden Suppe, die durch eine neu gekochte ersetzt werden muss, war mäßig intelligent! Natürlich wird die neue Staatsoperndirektion einiges ändern, aber sie ist klug genug, das zum gegenwärtigen Zeitpunkt (und noch lange darüber hinaus) nicht in die Opernwelt zu posaunen. Deshalb bremse ich auch Mitarbeiter ein, die unbedingt ein Interview mit Bogdan Roscic machen wollen. Sinnlos, Leerkilometer. Der Mann wird dann reden, wenn er es für taktisch richtig hält!

Zum Staatsoper-Stream „Die Fledermaus“ (es war nur die „Totale“ einstellbar).

Info der Wiener Staatsoper: Bei unserem technischen Partner Ooyala hat einer der beiden Kanäle nicht gespielt, nämlich der Regiekanal (die Totale hat funktioniert), der als erstes geöffnet wird, wenn man die Übertragung startet. Es wurde umgehend so vielen Kunden wie möglich (eben über FB und Culturall) die Info gegeben, dass man auf die Totale umschalten soll. Es wird nun geprüft, was Auslöser dieses Fehlers war – und es soll morgen ein „Restream“ der „Fledermaus“ geben (Infos folgen so rasch wie möglich).

Das Opernjahr 2018 – ein Ausblick: Geballte Star-Power
Neo Rauch inszeniert „Lohengrin“ in Bayreuth, Georg Baselitz bringt gemeinsam mit Pierre Audi in München den „Parsifal“ auf die Bühne. Neue Opern von Toshio Hosokawa und Heinz Holliger werden uraufgeführt. Und natürlich sind große Stars zu erleben: von Anna Netrebko bis Plácido Domingo. Und auch sonst hat das Opernjahr 2018 einiges zu bieten.
https://www.br-klassik.de/themen/oper/opernjahr-2018-ausblick-100.html

Silvester/Neujahrs-Nachwehen

Hamburg/Laeiszhalle: Die Neunte, die die Herzen öffnet
Mit der traditionellen Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie haben die Symphoniker Hamburg und der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg e.V. dem Jahr 2018 in der Laeiszhalle einen prachtvollen Empfang bereitet. Schillers Ode „An die Freude“ ist ein Appell an die Menschlichkeit, Beethovens Musik ein Ohrenschmaus.
Leon Battran berichtet aus der Laeiszhalle in Hamburg
Beethovens Neunte – klassik begeistert

Wien/ Konzerthaus: Alle Jahre wieder zünden die Symphoniker den „Götterfunken“
Die Presse

St. Pölten/Festspielhaus. Neujahrskonzert auch im Zeichen der NÖ-Wahl

Am Montag, 01. Jänner 2018, 18.00 Uhr fand im Festspielhaus St. Pölten das traditionelle Neujahrskonzert mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich statt.
Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hat sich am 28.1. der Landtagswahl zu stellen. Alt-Landeshaupftmann und NÖ-Ikone Erwin Pröll nimmt mit ihr ein Gesichtsbad – beim Neujahrskonzert. Foto: Peter Artzberger

ORF: Bis zu 1,246 Millionen für Riccardo Mutis „Neujahrskonzert“ im ORF
1,006 Millionen sahen ORF-Film „Wiener Moderne 1918 · 2018“ in der Pause

Wien (OTS) – Als traditioneller TV-Fixpunkt erwies sich ein weiteres Mal das „Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker“ am 1. Jänner 2018 – und begeisterte dabei wieder ein Millionenpublikum. Die 60. ORF-Live-Übertragung des weltweit meistübertragenen Klassikereignisses – zum fünften Mal geleitet von Maestro Riccardo Muti – erreichte in ORF 2 bis zu 1,246 Millionen Zuseherinnen und Zuseher (Spitzenwert des zweiten Teils). Durchschnittlich sahen den zweiten Konzertteil 1,135 Millionen Klassikinteressierte, der Marktanteil lag bei 49 Prozent (33 bzw. 31 Prozent in den jungen Zielgruppen).

Das sind natürlich die Österreich-Zahlen, für unser Mini-Land sind die imponierend (wenn man bedenkt, dass zum Beispiel ich die Übertragung ausgespart habe). Weltweit sollen 50 Millionen das Konzert erlebt haben!

Yusif Eyvazov Confirms “La Forza Del Destino’
http://operawire.com/yusif-eyvazov-confirms-la-forza-del-destino/

Nun macht der Netrebko-Ehemann auch den Alvaro an der Seite seiner Gattin – als Zweitbesetzung nach Jonas Kaufmann. Vielleicht spekuliert er damit, dass der Startenor wegen eines anderen Engagements absagt.  Jonas Kaufmann hätte ja eigentlich zur Zeit den Cavaradossi an der Met singen sollen, tourt aber statt dessen derzeit mit Recitals durch Japan und die USA (zum Jahreswechsel sollte er in Moskau auftreten). Angeblich soll Peter Gelb mächtig „angefressen“ sein und verzichtete auf Kaufmanns Angebot, bei den letzten drei Vorstellungen  inklusive Kino-Übertragung aufzutreten. Das ginge sich nämlich terminlich nach der Tournee aus. Aber der Groll des Mister Gelb wird sich wieder legen, Kaufmann macht das, was er sich leisten kann – füllt er doch auch das riesige Met-Haus (was allzuoft nicht der Fall sein soll).

Dazu kommt eine Richtigstellung aus dem „Kaufmann-Lager:

Mit der derzeitigen Tour in Japan und USA ( 3 x Opernkonzert in Japan und 2 x Schöne Müllerin in USA) liegen Sie insofern falsch, als die Japan-Termine und Californien erst reinkamen (Ersatz für letzes Jahr abgesagte Auftritte), als klar war, dass Gelb längst Grigolo im Ärmel hatte und die Teilzeit-Tosca nicht erwünscht war (wer da „angefressen“ war, sei dahingestellt).

Der Carnegie Hall Termin war zur Tosca dazugefügt gewesen und passt nun zu den Nachholterminen zuvor.

Für die Fanciulla im Herbst hat Gelb angeblich die „Bedingungen“ von Kaufmann akzeptiert. Ich interpretiere das so: der Folge-Dick Johnson probt, Kaufmann kommt kurz vor der Premiere, macht ein paar Vorstellungen und die Kino-Übertragung; das wars.

So kanns bei Forza auch gehen (vermutlich London). Ob er allerdings überhaupt Lust hat, mit AN aufzutreten, wage ich zu bezweifeln. An der Scala scheint ja ganz ursprünglich auch diese Kombination gewesen zu sein. Weshalb die nicht zustande kam, keine Ahnung (oder doch?)…

Metropolitan-Opera: TOSCA-Neuinszenierung
Vittorio Grigolo, Sonya Yoncheva. Copyright: Ken Howard/Metopera

The Met Opera brought Puccini’s Tosca back home to Rome in a smashing new production by Sir David McVicar that overcame a spate of adversity to be cheered at a New Year’s Eve gala premiere along with its excellent cast led by a magnificent Sonya Yoncheva in the title role, Vittorio Grigolo as her lover Cavaradossi and Zeljko Lucic as the nefarious Scarpia…

Met Opera: Yoncheva, Grigolo, Lucic & McVicar Save Puccini’s “Tosca”
Huffington Post

Bitte Termin unbedingt vormerken – und kommen! Eintritt frei

 

Schuberts WINTERREISE ist derzeit schwer in Mode – so auch im Merker-Kunstsalon

 

Diesen Termin lege ich Ihnen besonders ans Herz, weil das Publikum des Kunstsalons eher dem Belcanto zugeneigt ist. Jeder Versuch, auch abseits davon anzubieten, ist daher zu unterstützen!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C.

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